Bild: Leon René Sütfeld
Schummeln erwünscht!

Auf dem Oberschenkel unterm Rock, hinterm Spülkasten vom Klo oder ganz gewieft in zarten Bleistiftstrichen direkt im Block: Beim Verstecken von Spickzetteln sind Schülerinnen und Schüler oder Studierende oft kreativer als in jeder Kunststunde.

Viel einfacher wäre es, wenn man einfach sein Handy benutzen und Fragen googeln dürfte. Das ist allerdings in Prüfungen verboten – häufig muss man das Handy sogar vor der Klausur abgeben. Das Land Niedersachsen will zum nächsten Schuljahr zwar Tablets und Smartphones in Prüfungen zulassen, aber nur für das Abrufen von Formelsammlungen oder die Taschenrechnerfunktion. (SPIEGEL ONLINE)

Anders in Tobias Thelens Seminaren und Prüfungen. Dort dürfen die Studierenden jetzt auch surfen. Der Informatik-Dozent an der Uni Osnabrück erlaubt das Schummeln damit ganz offiziell.

Wieso macht er das? Und was müssen die Studierenden dann überhaupt noch lernen? Wir haben mit ihm gesprochen.

Tobias Thelen, Informatik-Dozent und stellvertretender Geschäftsführer des Zentrums für Digitale Lehre, Campus-Management und Hochschuldidaktik an der Uni Osnabrück(Bild: Leon René Sütfeld)

Ihre Studierenden dürfen offiziell spicken. Warum?

Ich war schon länger unzufrieden damit, wie Wissen abgefragt wird. Zu der Entscheidung brachte mich aber ein bestimmtes Erlebnis: Eine Klausur stand an und die ersten Studierenden kamen in den Prüfungsraum. Noch bevor die Aufgaben überhaupt verteilt waren, fragten sie mich, ob sie etwas aufschreiben dürften. Sie notierten sich Formeln, die sie noch bis eine Minute vor der Klausur in ihr Kurzzeitgedächtnis gepresst hatten. Da habe ich gedacht: Wir wollen doch Wissen beibringen, das länger hält.

Jetzt können sie alles googeln, was sie vorher auswendig lernen mussten. Was prüfen Sie dann?

In der letzten Klausur ging es beispielsweise um Datenbanksysteme. Die Studierenden sollen am Ende wissen, wie man eine funktionierende Datenbank baut. Das geht nicht mit Stift und Papier. Dafür braucht man einen Rechner und am Ende auch das Internet. Im Alltag muss man auch mal was im Netz nachgucken, aber wie man das Wissen anwendet, müssen die Studierenden vorher lernen. Es geht also um eine praxisorientierte Wissensabfrage. 

Dürfen sie dann auch Lösungen miteinander vergleichen?

Nein. Das war die einzige Ausnahme: Sie durften nicht miteinander kommunizieren.

Wie kontrollieren Sie das?

Zum einen sitzen alle an Institutsrechnern, die Monitore zeigen in die gleiche Richtung. Ich kann also sehen, welche Programme sie offen haben. Wenn Sie etwa Google Docs nutzen, müssen sie damit rechnen, dass ich die ganze Zeit hinter ihnen stehe.

Hat sich das Ergebnis der Prüfung von den vorangegangenen unterschieden?

Im Notenschnitt nicht wirklich. Aber ich habe eine bessere Übersicht, was die Studierenden tatsächlich verstanden und was sie nur auswendig gelernt haben.

Wie lernt man für so eine Prüfung?

In der Informatik gibt es ohnehin wöchentliche Übungsaufgaben. Wer kontinuierlich mitarbeitet, hat es in der Klausur später leicht. Das haben die Studierenden in einer kleinen Befragung nach der Prüfung bestätigt.

Sollte Internetzugang in allen Prüfungen erlaubt werden? Bei einem Vokabeltest wäre das doch eher unsinnig.  

Es kommt natürlich darauf an, was man abfragen möchte. Grundsätzlich sehe ich aber Anwendungsmöglichkeiten für viele Fächer. Internetzugang kann ja auch eine Herausforderung sein: Er testet die Kompetenz, sich im Informationsdschungel zurechtzufinden. Die ist heutzutage sehr wichtig.

(Bild: Jens Kalaene/dpa)

Wie ändert sich dadurch das Lernen an sich?

Gerade in Berufen, die viel Wissen erfordern, sind Informationen nicht lange haltbar. Wichtiger werden dafür andere Kompetenzen: Wie lerne ich richtig, wie eigne ich mir neue Fähigkeiten an?

In der Klausur gab es beispielsweise eine Aufgabe, bei der die Studierenden einen neuen Datenbankbefehl kennenlernen und sofort anwenden sollten. Das erwies sich als schwierig. Relativ wenige haben das richtig gemacht.

Gestalten Ihre Kollegen Klausuren auch so offen wie sie?

Bisher nicht, aber das Interesse ist da. Der Hauptgrund sind noch die Umstände: Unsere Räume sind nicht groß genug, um hunderte Studierende gleichzeitig zu prüfen. Aber auch die Testfragen müssten sich natürlich ändern. So eine Veränderung braucht Zeit.

Okay, Hand aufs Herz, wir alle haben es schon einmal getan! Wir wollen deine Tipps!


Haha

Weißt du, was in diesen berühmten Pannen-Videos passiert?
Dieses Quiz tut weh.

Über stolpernde, stürzende und umklappende Artgenossen zu lachen, ist zwar nicht gerade sympathisch. Der Philosoph Arthur Schopenhauer nannte die Schadenfreude den "schlechtesten Zug in unserer Natur", da sie der "Grausamkeit enge verwandt" sei – aber eben doch zutiefst menschlich. Das Gefühl entsteht im selben Hirnareal, das auch Glücksspiele, Kokain und Sex so verdammt attraktiv für uns macht. (Welt)

Vielleicht sind Videos von Menschen, die sich mal so richtig blamieren, deshalb im Internet und auf Privatsendern gleichermaßen beliebt. Sie werden per E-Mail vom Kollegen verschickt, in der Schule auf dem Handy gezeigt oder laufen beim Abendessen nebenbei im Fernseher.