Bunte Knetfiguren hüpfen durch eine bunte Knetfigurenwelt – und sind dabei sehr, sehr glücklich. Erst arbeiten sie, dann arbeiten sie noch länger. Mit dem Geld belohnen sie sich mit Einkäufen, Konzerttickets oder einem Kurzurlaub. 

Ein kleiner Mops stellt dazu Fragen zu Arbeitszeit, Überstunden, Lohnzahlung. Und ein Sänger antwortet ihm, im Refrain mit der immergleichen Losung: "Geht's dem einen guat, geht's uns allen guat."

Das ist die Botschaft eines neuen Videos zum 12-Stunden-Tag in Österreich. Natürlich erntet das auf Facebook, Twitter und YouTube nun gewaltig Widerspruch: Nein, uns geht's nicht allen guat.

Die rechtskonservative Regierung in Österreich plant die Einführung des 12-Stunden-Tages. Bislang ist in Österreich in der Regel nach acht Stunden Feierabend, aber nun soll es Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erlaubt sein, freiwillig bis zu vier Stunden länger zu arbeiten. 

Die Arbeitszeitflexibilisierung ist seit Jahren umstritten. Vizekanzler Heinz-Christian Strache, Chef der rechtspopulistischen FPÖ, will sie nun endlich durchsetzen. Viele Bauarbeiter würden ein solches Modell gerne nutzen, weil sie dann schon am Freitag freinehmen und Zeit mit der Familie verbringen könnten, sagte er. (WKO)

Die Wirtschaftskammer Österreich hat nun schon vorab mit dem Knetfigurenvideo für den 12-Stunden-Tag werben wollen – und einen Shitstorm geerntet.

"Einmal länger hackeln gehen, wenn‘s das Geschäft verlangt", heißt es zum Beispiel in einer Liedzeile. Hier ist das umstrittene Video:

Auch eine eigene Homepage hat die Wirtschaftskammer dazu eingerichtet. Sie soll darüber aufklären, wie sinnvoll der 12-Stunden-Tag ist – und unter welchen Bedingungen er funktioniert. "Aus Sicht der österreichischen Betriebe und deren Mitarbeiter begrüße ich, dass jetzt das dringende Thema 'flexiblere Arbeitszeiten' endlich gelöst werden soll", sagte Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer, dazu. (WKÖ)

Viele Nutzer kritisierten jedoch, ein komplexer Streit werde durch das Knetvideo falsch und verkürzt dargestellt. Es sei nichts anderes als "Regierungspropaganda".

  • Auf Twitter gibt es Ärger:
  • Auch auf YouTube:

Dort ist das Video mittlerweile einen Tag online. Mehr als 8500 Nutzerinnen und Nutzer haben es negativ bewertet, nur 190 gefällt es. In den Kommentaren heißt es, das sei "pure Verhöhnung eines jedes Arbeitnehmers" oder "unpassende Promotion". 

Nutzer Max schreibt:

"wie soll das mit familienleben vereinbar sein wenn man 60 stunden arbeitet? und das steigert im grunde bloß die arbeitslosenquote weil wozu eine teilzeitkraft einstelln wenn ich einen angestellten einfach 50% mehr arbeiten lassen kann"
  • Und ebenfalls auf Facebook:

Die Wirtschaftskammer hatte selbst dazu eingeladen, in dem Netzwerk miteinander zu kommunizieren, um die Stimmung auf YouTube abzufedern. Dort gibt es mittlerweile mehrere Hundert Kommentare – die wenigsten sind positiv. Viele werfen der Kammer vor, Arbeitnehmer auszunutzen und schlechte Arbeitsverhältnisse zu beschönigen.

Was ist so problematisch am 12-Stunden-Tag?

Wer länger arbeiten will, soll das freiwillig tun. Soweit die Idee der Regierung. Gewerkschaft und SPÖ kritisieren jedoch, dass es keine wirkliche Freiwilligkeit gibt. Nur die Arbeitgeber würden vom Gesetz profitieren, meinte etwa SPÖ-Chef Christian Kern. Die Sorge: Mitarbeiter könnten zu längerer Arbeitszeit gedrängt und anfallende Überstunden nicht ausbezahlt werden. (Kurier)

Anstatt einer flexiblen Gestaltung der Arbeitszeit drohen dann: noch mehr unbezahlte Überstunden.


Gerechtigkeit

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