Bild: Hans Punz/APA/dpa
3 Fragen, 3 Antworten

Zehntausende Menschen sind sich einig: Einen Zwölf-Stunden-Arbeitstag darf es in Österreich nicht geben. Am Samstag demonstrierten 80.000 bis 100.000 gegen das geplante Gesetz und füllten die Wiener Straßen mit Protestplakaten und Trillerpfeifen.

Worum geht es bei dem Gesetz?

Bislang heißt es: Nach acht Stunden ist Schluss mit der Arbeit – abgesehen von Überstundenregelungen. Dies ist eigentlich eine Regelung zum Schutz der Arbeitnehmer, damit Unternehmen ihre Angestellten nicht zwingen können, länger zu bleiben. 

Doch nun plant die rechtskonservative Regierung in Österreich die Einführung des 12-Stunden-Tages. Es soll Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern erlauben, freiwillig bis zu vier Stunden länger zu arbeiten. Das Arbeitsflexibilitätsgesetz sieht eine Gesamtarbeitszeit von maximal 60 Stunden die Woche vor. 

  • Seit Jahren streiten die Parteien über eine grundlegende Veränderung in der österreichischen Arbeitswelt. Vizekanzler Heinz-Christian Strache, Chef der rechtspopulistischen FPÖ, will sie nun endlich durchsetzen. Viele Bauarbeiter würden ein solches Modell gerne nutzen, weil sie dann schon am Freitag freinehmen und Zeit mit der Familie verbringen könnten, sagte er. (WKO)
  • Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber würden sich freuen, der Präsident der Wirtschaftskammer, Harald Mahrer, begrüßt die Idee: "Aus Sicht der österreichischen Betriebe und deren Mitarbeiter begrüße ich, dass jetzt das dringende Thema 'flexiblere Arbeitszeiten' endlich gelöst werden soll." (WKÖ)
  • Doch viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sehen das anders: Gewerkschaft und SPÖ kritisieren, dass es keine wirkliche Freiwilligkeit gibt. Nur die Arbeitgeber würden vom Gesetz profitieren, meinte etwa SPÖ-Chef Christian Kern. Die Sorge: Mitarbeiter könnten zu längerer Arbeitszeit gedrängt und anfallende Überstunden nicht ausbezahlt werden. (Kurier)

Für eine Kampagne der Wirtschaftskammer gab es bereits einen Shitstorm (bento):

Und nun zeigte sich der Protest auch auf der Straße. Was war auf den Demonstrationen in Wien zu hören?

Derbe Sprüche, sehr viel Wut und klare Ansagen: 

  • "Wenn sie den Arbeitskampf wollen, dann sollen sie ihn kriegen", sagte Josef Muchitsch, Chef der Gewerkschaft Bau-Holz. 
  • "Wir lassen uns nicht auf den Schädel scheißen!", hieß es bei Susanne Hofer, der Chefin der Gewerkschaftsjugend. 
  • Und im Sprechchor: "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freizeit klaut".

Der Chef des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Sozialdemokrat Wolfgang Katzian, sieht auch eine Chance in der Debatte. Es erlaube eine Mobilisierung gegen eine Regierung, die sonst hohe Popularitätswerte genieße. "Wir werden Widerstand leisten mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen", sagte Katzian in seiner Rede. (taz)

Wie geht es jetzt weiter?

Erst nach Protesten der Opposition hatte die Regierung ihren ursprünglichen Gesetzentwurf abgeschwächt und zur Bedingung gemacht, dass die Mehrarbeit nur freiwillig zu leisten ist. Die Reform sieht nun vor, dass Arbeitnehmer auch ohne Gründe die Mehrarbeit verweigern können. Das Gesetz soll am Donnerstag vom Parlament verabschiedet werden. 


Haha

Held des Tages: Jemand hat alle Spielsachen eines "Toys'R'Us" gekauft und will sie spenden

Erinnert ihr euch noch an den "Super Toy Club" auf Super RTL? (Ja, wir fühlen uns gerade sehr alt.)

Da durften Kinder nach dem Sieg in der Gameshow durch einen Toys'R'Us-Laden rennen und alles, was sie innerhalb kürzester Zeit in den Einkaufswagen schmissen, behalten. 

Wie sehr wir das damals auch wollten!

In den USA hat jemand nun etwas Ähnliches getan: Ein anonymer Spender hat das komplette Spielzeug eines Toys'R'Us-Ladens aufgekauft.