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"Wenn man gute Leute um sich hat, kann der beschissenste Ort schön werden."

Ein Studium zu beginnen bedeutet einen radikalen Bruch – neue Leute, neue Bude, neue Stadt. Was aber, wenn du dich in deiner neuen Umgebung so gar nicht wohlfühlst? Zurück zu den Eltern? Auf keinen Fall.

So wirst du mit der neuen Stadt vielleicht doch noch warm.

Campus Coach

In der ersten Woche deines Studiums, der Orientierungswoche, lernst du allerlei Nützliches: Wie du deinen Stundenplan zusammenstellst, wo die Mensa ist oder wie du dir Bücher in der Bibliothek ausleihst. 

Am Campus findest du dich schnell zurecht, aber dann warten erst die richtigen Herausforderungen auf dich: Wie löst du Konflikte mit Dozentinnen oder Kommilitonen? Wie motivierst du dich über mehrere Wochen für die Hausarbeit? 

Wir unterstützen dich in deinem Studien-Alltag und reden mit Expertinnen und Experten über Tipps für jede noch so verfahrene Situation an der Uni.

Diese beiden haben wir um Rat gebeten:

1 Warte auf den Sommer.

Wer zum Wintersemester startet, zieht bekanntlich im Oktober in eine neue Stadt – kein wirklich guter Zeitpunkt. "Ich merke bei meinen Touren, wie unterschiedlich die Menschen je nach Wetter und Jahreszeit auf eine Stadt reagieren", sagt Stadtführer Matej. Am ersten sonnigen Tag nach einem langen Winter flippten alle aus und strömten vor die Tür.

Also halte durch bis zum Sommer, wenn die Menschen aktiver und vermutlich besser gelaunt sind. Der Stadtsee oder die Berge leuchten dann auch viel schöner.

2 Mache es nicht wie die Masse.

Wer in Großstädten wie Hamburg, Berlin oder München wohnt, kennt es: Am Freitag sind die Partymeilen voll, am Samstag herrscht Chaos in der Innenstadt und am Sonntag hängen alle im Stadtpark ab. 

Matej rät: "Bewege dich antizyklisch – zeitlich und örtlich." Dann sei man weniger genervt und entdecke individuellere Hotspots. "Statt direkt auf den Kiez deiner Stadt zu gehen, erkunde lieber mal die Nebenstraßen", sagt Matej. Da könne man richtige Schätze finden – zum Beispiel, Bars in denen die Musik nicht nur auf die Masse abgestimmt sei.

Und sei mal ehrlich: Hast du deine direkte Nachbarschaft schon ausführlich erkundet und auch das Umland schon entdeckt? "Dann nutze das Semesterticket", rät Christina. Das sei nicht nur für den Weg zur Uni gedacht, sondern genau dafür: "Erkunde ganz andere Stadtteile oder fahr raus aus der Stadt."

3 Finde andere Freunde, die andere Ecken kennen.

Du hast vielleicht schon neue Freunde gefunden – aber die sind wie du neu in der Stadt? Suche Kontakt zu höheren Semestern, "die kennen die Stadt bestimmt schon besser", rät Matej. Zum Beispiel über Lerngruppen oder Gruppenarbeiten.

Oder versuche es über Interessen: Du magst zum Beispiel eine unbekannte Indie-Band, möchtest aber nicht alleine zu ihrem nächsten Konzert? Frage in der Facebook-Veranstaltung zu dem Konzert nach einer Begleitung – einen gemeinsamen Musikgeschmack habt ihr ja schon mal.

"Bouldern oder in Chören zu singen ist gerade auch sehr angesagt und man trifft viele neue Leute", sagt Christina. Sie rät außerdem zu einem Nebenjob – selbst, wenn du das Geld gar nicht brauchst. Aber nette Kolleginnen und Kollegen können dir die Stadt auch näherbringen.

Christinas Fazit: "Wenn man gute Leute um sich hat, kann der beschissenste Ort schön werden."

4 Mach Urlaub in der eigenen Stadt.

"So ziemlich jede Stadt bietet ausgefallene Stadtführungen an – Untergrund- oder kulinarische Stadtführungen zum Beispiel", meint Christina.

Matej hält Couchsurfing oder BeWelcome für gute Ideen. Bei diesen Angeboten stellen Privatpersonen ihr Sofa oder Gästezimmer als Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung – und viele bieten auch an, dir bei der Gelegenheit die Stadt zu zeigen.

Nichts hilft, du wechselst die Stadt: Wie verhinderst du, dass du wieder in einer Stadt landest, in der du dich nicht wohlfühlst?

Du weißt jetzt auf jeden Fall, was du nicht willst. Aber was willst du stattdessen? Hast du dich in der großen Stadt von den Massen erschlagen gefühlt, dann suche eine kleinere Stadt. Bist du ein großer Fußballfan, dann siehe in eine Stadt mit Bundesliga-Verein. Du bist religiös, dann ziehe in einer Stadt, in der der Glaube noch eine Rolle spielt.

Jede Stadt hat ihre Identität. Wie wäre es also, wenn du einen Kurzurlaub in deiner zukünftigen Studienstadt machst, um dieses Mal vorher herauszufinden, ob du dich wohl fühlst. 

"Es gibt Menschen, die leiden darunter, wenn sie in eine Stadt komplett ohne ein Klischee, ohne eine Identität kommen. Andere leiden darunter, wenn sie in eine Stadt mit einer Identität kommen, die dann aber nicht zu ihnen passt", erklärt Matej.


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