Bild: Unsplash
Wo war die Toilette noch gleich?

Wie war der Name der Kollegin? Wo war noch gleich die Toilette? Habe ich mich meinem Büronachbarn überhaupt schon vorgestellt? 

Neue Aufgaben, neue Gesichter, schwitzige Hände. In den ersten Tagen im Job müssen Berufsanfängerinnnen und -anfänger viele ungewohnte Situationen bewältigen. Die Chefin war nach dem Vorstellungsgespräch zwar überzeugt – aber diese Erwartung will man als Anfängerin oder Anfänger natürlich nicht enttäuschen.

Wie überwindet man die anfängliche Aufregung am besten?

Darüber haben wir mit unserem Jobtrio gesprochen:

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 135 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Sara Weber, 20, ist ausgebildete Malerin und Lackiererin und macht gerade den Meister zur Farb- und Lacktechnikerin. Sie hat sich für eine Ausbildung im Handwerk entschieden, weil sie zeigen wollte: Auch Frauen können das.

In unserer Kolumne beantworten die Drei Fragen, die sich besonders Berufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten.

Heute: Wie bekomme ich meine Aufregung im Berufseinstieg in den Griff?

Das sagt Sara Weber:

"In meiner alten Firma habe ich gemeinsam mit einer Freundin gearbeitet. Deshalb war ich auch an meinem ersten Arbeitstag nicht sehr aufgeregt. Trotzdem finde ich es in neuen Jobs relativ schwer, vom Team aufgenommen zu werden. Alle kennen sich, sie wissen zum Beispiel, welche Fertigkeiten jeder besitzt. Neulinge müssen sich erst einmal beweisen. Die Kolleginnen und Kollegen testen, wie sie mit einem umgehen können, was man sich gefallen lässt und wo Stärken und Schwächen liegen. Es dauerte einige Zeit, bis ich als Neue einen Platz fand.

Mein Tipp: Konzentriere dich auf die Arbeit. Dann bekommst du Routine und die Nervosität legt sich mit der Zeit. Irgendwann kommst du mit den Arbeitskollegen ins Gespräch. Ich denke, wenn du mit den Leuten redest und sie besser einschätzen kannst, verschwindet auch die Aufregung. Es könnte helfen, nach Feierabend mal gemeinsam etwas zu unternehmen. Ich habe das aber erst gemacht, als ich alle schon besser kannte."

Das sagt Lasse Rheingans:

"Es ist völlig normal, dass du als Neue oder Neuer im Unternehmen nervös bist. Das sollten auch deine neuen Kollegen aus eigener Erfahrung wissen und verstehen. Du weißt nicht genau, was dich erwartet. Gerade in der heutigen Zeit gibt es unendlich viele Jobbezeichnungen und kaum jemand kennt das genaue Aufgabenfeld.  

"Die 5-Stunden-Revolution: Wer Erfolg will, muss Arbeit neu denken" kann man hier bestellen.

Wir haben einen Affiliate-Link zu Amazon gesetzt. Das heißt: Wenn jemand auf diesen Link klickt und das Produkt in dem Online-Shop tatsächlich kauft, bekommen wir in manchen Fällen eine Provision. Das hat keinen Einfluss auf unsere Berichterstattung.

Mir ging das als Berufseinsteiger auch so. Aber die Aufregung verflog, als mir gesagt wurde: Es geht darum, ein Kabel zu verlegen oder Computer zu vernetzten. Dann wusste ich, das kann ich. Je länger du im Unternehmen bist und deine Aufgaben erfolgreich erledigst, desto sicherer wirst du und die Nervosität verschwindet.

Bei wichtigen Meetings mit oder potentiellen Kundinnen oder Kunden bin ich selbst manchmal noch aufgeregt. Vor stressigen Terminen versuche ich kurz innezuhalten und zu mir zu finden. Ich habe auch eine Morgenroutine, bei der ich meditiere und den Tag erstmal mit einem grünen Tee beginne. Das versuche ich auch nervösen Kolleginnen zu vermitteln. Besonders auf junge Kollegen gehe ich zu und gebe ihnen meine Erfahrungen weiter. Ich finde, das gehört als Chef zu meiner Aufgabe.

Das sagt Dagmar Prüter:

"Wenn ein Azubi besonders nervös ist, nehme ich ihn zur Seite. Ich versuche ihm Ruhe zu vermitteln. Es ist klar, dass Anfänger noch etwas aufgeregt sind. Mir hat es immer geholfen, mit meinen Kolleginnen und Kollegen über die neue Situation zu sprechen und offen damit umzugehen. Die Nervosität vor neuen Herausforderungen war dann schnell weg.

Ich habe früher in der Modebranche als Verkäuferin gearbeitet. Dort gab es auch Situationen, die mich herausforderten. Wir mussten Kundinnen noch mit 'gnädige Frau' begrüßen. In meiner dritten Woche sollte ich zum ersten Mal eine Kundin übernehmen. Es kam eine sehr elegante Dame, ich sprach sie mit 'guten Morgen gnädige Frau' an. Sie antwortete mir: 'Ach Kind. Ich bin keine gnädige Frau, ich kann auch ganz ungnädig sein.' Da zitterte ich. Die Dame meinte das nicht böse, aber es verunsicherte mich trotzdem. Warum musste meine erste Kundin gleich so sein? Ich habe aber viel aus der Situation gelernt: Auch wenn Kunden unerwartet reagieren, es passiert nichts Schlimmes. Du musst einfach offen und freundlich bleiben. Je häufiger du das machst, desto routinierter wirst du – und die Aufregung verschwindet."


Gerechtigkeit

"Das ist ein Erfolg der Jusos": Was der SPD-Nachwuchs über den neuen Vorstand denken
Und ob mit dem Sieg von "Saskia und Nowabo" nun die GroKo vor dem Aus steht.

Nach 152 Tagen kann sich die SPD nun wieder um Politik kümmern. Seit Anfang Juli hatten die Sozialdemokraten ein neues Vorsitzendenduo gesucht, erstmals nicht in Hinterzimmern, sondern unter Beteiligung aller Parteimitglieder. 

Nach einer bundesweiten Castingtour mit 23 Regionalkonferenzen und anfangs 17 Kandidatinnen und Kandidaten endete die Mitgliederbefragung am vergangenen Samstag mit einer Stichwahl.

Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans bilden den neuen SPD-Spitze – das Team Klara Geywitz und Olaf Scholz unterlag.

Auf Esken und Walter-Borjans entfielen knapp 53 Prozent der Stimmen, das Duo Scholz/Geywitz holte 45 Prozent. Die Wahlbeteiligung in der SPD-Basis lag bei rund 54 Prozent (SPIEGEL). Esken, 58, sitzt seit 2013 für die SPD im Bundestag und gehört zum linken Flügel der Partei. Walter-Borjans, Spitzname "Nowabo", war von 2010 bis 2017 Finanzminister in NRW. 

Beide hatten im Parteiwahlkampf vor allem eine Botschaft: Weg von der GroKo! Wohl auch deshalb wurde das Team von den Jusos um Kevin Kühnert massiv unterstützt. Doch waren die Jusos wirklich die Königsmacher? Und reichen zwei neue Vorsitzende, um die SPD fit für junge Wählerinnen und Wähler zu machen? 

Wir haben junge SPD-Mitglieder gefragt, was sie sich von "Nowabo" und Saskia Esken erwarten – und was beide tunlichst vermeiden sollten. 

Fast alle sind sich einig, dass das neue Duo die bessere Wahl ist. Doch in der Frage, wie weit die Spitze der SPD nun nach links rückt – und ob die Partei in der GroKo bleiben soll – gehen die Meinungen auseinander.

Aygün Kilincsoy, 30, Bremen