Bild: Unsplash / Irina
bento-Redakteure erzählen von ihren Erlebnissen

Es gibt diese Zeiten im Leben, da ist das Geld knapp. Ob als Schülerin, Studierender oder Auszubildende. Irgendwie muss sich das Konto wieder füllen – für den nächsten Urlaub, das neue Rad, die Weihnachtsgeschenke für die ganze Familie, die man endlich selbst bezahlen möchte.

Ein Nebenjob kann in solchen Situationen schnell alle Probleme lösen. Große Ansprüche sollte man dabei nicht haben – wer schnell Geld verdienen, aber nur ein paar Wochen arbeiten will, hat nicht immer eine große Auswahl.

Manche Jobs sind unkompliziert, machen richtig Spaß – oder entpuppen sich als das genaue Gegenteil von dem, was in der vielversprechenden Stellenanzeige stand.

Egal wie schön oder schrecklich – alle Jobs haben wohl eines gemeinsam: Man lernt etwas. Manchmal nur für den nächsten Nebenjob, manchmal aber auch für das ganze Leben.

Hier erzählen vier bento-Redakteure von ihren Nebenjobs. Was sie erwarteten, wie der Job wirklich war und was sie daraus gelernt haben:

Inken als Verkäuferin bei einer Fast-Food-Kette

Viele Kunden scheinen zu denken: Wer hier arbeitet, muss ein bisschen doof sein.

Wann und wo hast du gearbeitet?

Während der Semesterferien heuerte ich bei einer großen Fast-Food-Kette an, um innerhalb weniger Monate durch Vollzeitarbeit schnell und unkompliziert Geld zu verdienen. Als Studentin werden ja auch die Steuern zurückgezahlt, was einen netten Bonus nach der Steuererklärung brachte.

Was hast du von dem Job erwartet?

Da ich im Café-Bereich angestellt war, erwartete ich zumindest angenehmere Gerüche als bei den Kollegen, die nebenan in Polyester-Shirts Burger braten mussten. Wenn man die Erwartungen niedrig steckt, können sie ja eigentlich nur übertroffen werden, dachte ich. 

(Bild: Imago / Manfred Segerer)

Wie war es wirklich?

Es schien so, als würden die Gäste ihre guten Manieren an der Schiebetür der Filiale abgeben. Wir Mitarbeiter mussten eine fast unerträgliche Überheblichkeit erdulden. Viele Gäste dachten offenbar, wer hier arbeitet, muss ein bisschen doof sein.

Eine Situation ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben: Als ein Bombenalarm durch die Lautsprecher des Einkaufszentrums dröhnte, in dem die Filiale war, folgten die Mitarbeiter dem vorher geübten Protokoll und baten alle Gäste aufzustehen und das Restaurant zu verlassen. Mit beiden Backen voller Pommes entgegnete ein Gast einem Kollegen auf dessen Aufforderung hin nur mit: "Verpiss dich, ich ess’ hier erst auf."

Was hast du gelernt? 

Mitarbeiter von Fast-Food Ketten – und wahrscheinlich aller vergleichbaren Jobs – verdienen ein extra nettes Lächeln und eine extra große Portion Freundlichkeit. Den ganzen Tag bedienen sie Gäste, die es eilig haben und selten einsehen, dass man die Mitarbeiter trotzdem freundlich behandeln kann – und sollte.

Die Mitarbeiter in der Filiale, in der ich gejobbt habe, waren allesamt so offen und nett, dass ich mit einigen heute noch befreundet bin. Von ihnen und auch durch die unfreundlichen Begegnungen mit den Gästen habe ich gelernt, offen zu bleiben und über den Tellerrand des eigenen Bekanntenkreises hinaus zu blicken.

Phil als Verkäufer im Getränkemarkt

Meine seelsorgerischen Fähigkeiten waren damals deutlich besser als meine Noten in der Schule.

Wann und wo hast du gearbeitet?

Angefangen habe ich mit 16. Mein älterer Bruder hatte schon ein paar Jahre in dem Getränkemarkt gearbeitet und seine Chefin sprach mich an, ob ich nicht auch Lust hätte Geld zu verdienen. Ich habe direkt zugesagt. So habe ich im "Saftladen" angefangen, wie wir ihn liebevoll genannt haben – und bin sieben Jahre geblieben.

Was hast du von dem Job erwartet?

Mein Bruder erzählte mir schon damals, dass das Arbeitsklima im Laden super wäre und so ließ ich mich erstmal darauf ein. Ich wusste ungefähr, was ich zu tun haben würde: Kisten schleppen, Leergut zählen, den Boden wischen, falls mal was kaputt geht. 

(Bild: Unsplash / Fancycrave)

Wie war es wirklich?

Mal stressig, mal witzig, mal anstrengend, mal eklig. Die Tage waren so unterschiedlich wie die Kunden: Vom Familienvater, der zwei mal die Woche Mineralwasser gekauft hat, bis zum Heroin-Junkie, der morgens um acht schon voll drauf war. 90 Prozent der Kunden kannte ich mit Namen. Sie kamen aus der Nachbarschaft, dem Freundeskreis meiner Eltern, oder sie waren einfach Stammkunden. Hier ein Spruch, da eine dumme Bemerkung, die Stimmung war eigentlich immer super. 

Aber nicht alle Kunden waren nett: Im Laufe der Jahre musste ich dreimal die Polizei rufen und Hausverbote erteilen, weil – meist betrunkene – Kunden randalierten oder mich bedrohten. 

Was hast du gelernt?

Dass es sich auch im Job lohnt, sich ein paar Minuten Zeit für persönliche Gespräche zu nehmen. Zum Beispiel, wenn ein langjähriger Kunde im Leben tierisch "auf die Schnauze gefallen" ist. Meine seelsorgerischen Fähigkeiten waren damals deutlich besser als meine Noten in der Schule. 

Was mich am meisten geprägt hat war zu sehen, wie viele Menschen täglich Alkohol trinken. Vom Obdachlosen auf der Straße, bis zum Manager im Armani-Hemd, der nach Feierabend noch auf dem Parkplatz einen Kurzen ext.

Und ich würde behaupten: Kaum jemand kennt so viele Biersorten, Schnapsmarken oder den genauen Pfandwert von Wasserkisten wie ich. 

Selma als Verkäuferin im Store eines großen Technologieunternehmens

An meinem letzten Arbeitstag brachte mich eine Kundin zum Heulen.

Wann und wo hast du gearbeitet?

Ein Kommilitone schwärmte von seinem Job bei einem großen Technologie-Unternehmen. Das klang vielversprechend, ich bewarb mich im Herbst 2015 und musste vier intensive Bewerbungsrunden absolvieren, bis ich den Job bekam.

Was hast du von dem Job erwartet?

Ich hoffte eigentlich nur, dass die Kohle stimmt, die Menschen, mit denen ich arbeiten würde, einigermaßen angenehm sein würden und der Job mich nicht nach zwei Wochen langweilt.

Wie war es wirklich? 

Beeindruckend und stressig. Bevor es an die Arbeit ging, mussten wir eine Schulung absolvieren. Auf dem Programm standen unter anderem merkwürdige aber lustige Rollenspiele zum Umgang mit Kundinnen, Kunden und stressigen Alltagssituationen. Im Konferenzsaal eines schicken Hamburger Hotels bewies ich Tag für Tag mein Schauspieltalent, bis es dann endlich ernst wurde und der erste Tag im Laden anstand.

(Bild: Unsplash / Charisse Kenion)

Meine Kolleginnen und Kollegen waren wundervoll und unterstützten mich in der Anfangszeit, wo es nur ging. Vor allem die Kolleginnen, die gemeinsam mit mir das Training absolvierten, entwickelten sich zu einer Art Familie, die mir in diesem Chaos zur Seite stand.

Ich fing pünktlich zur Weihnachtssaison an, Chaos war also programmiert. Gestresste Kundinnen und pöbelnde Kunden waren Alltag. An meinem letzten Arbeitstag brachte mich eine Kundin vor anderen Kunden und Kollegen zum Heulen.

Weil sich ein Kollege in den Finger schnitt, übernahm ich die Betreuung seiner Kundin. Es ging um die Einrichtung eines neuen Handys. Mein Kollege warnte mich noch vor der schwierigen Kundin, ich sagte nur: "Mit der komme ich schon klar". Doch ich hatte mich geirrt. Nach einer Dreiviertelstunde riss auch mein Geduldsfaden. Ich lieferte mir ein wildes Wortgefecht mit der Kundin und fing vor lauter Wut schließlich an zu heulen.

Offiziell zog ich natürlich den Kürzeren, entschuldigte mich bei der Kundin – der Kunde ist schließlich König. Inoffiziell wusste auch mein Vorgesetzter, dass es sich um eine schwierige Kundin gehandelt hatte und es gab keine Konsquenzen für mich. Heute finde ich die Geschichte lustig, damals eher weniger. Ich verstehe bis heute nicht, wie man sich einem Menschen gegenüber so verhalten kann und habe enormen Respekt vor Personen, die im Einzelhandel arbeiten.

Was hast du gelernt?

Mit Stress umzugehen, den ich in dieser Form noch nicht kannte. Dabei stellte ich fest, dass mein Geduldsfaden doch etwas länger war, als ich dachte. Außerdem lernte ich gute Arbeitskolleginnen und -kollegen schätzen und weiß nun, wie wichtig ein angenehmes Arbeitsklima ist. Selbst wenn die Kundinnen noch so stressig waren, wusste ich, dass mich im Pausenraum jemand auffangen wird, umgekehrt konnte man sich genauso auf mich verlassen. 

Leonie als Raclette-Verkäuferin auf dem Weihnachtsmarkt

Es war kalt, es war eng und alles roch nach Käse

Wann und wo hast du gearbeitet?

Ich ging noch zur Schule, war gerade 16 und konnte endlich offiziell jobben und mein eigenes Geld verdienen. Auch mein bester Freund suchte einen Nebenjob und uns beiden war klar: Wir wollen unbedingt zusammen arbeiten! Wir mussten nicht lange suchen.

In der Vorweihnachtssaison suchte der Einzelhandel händerringend und wir begannen beide
bei einem Delikatessen-Laden, der auf einem großen Kölner Weihnachtsmarkt einen Raclette-Stand betrieb. 

Was hast du von dem Job erwartet?

Mit dem besten Freund arbeiten? Das klang für mich damals wie ein Traumjob. Ich erwartete, dass wir zusammen rumalbern würden, unsere Freunde uns jeden Tag am Raclette-Stand besuchen würden und uns der Typ am Glühweinstand gegenüber regelmäßig einen ausgeben würde.

(Bild: Imago / FutureImage)

Wie war es wirklich?

Kalt. Acht Stunden am Stück zu zweit auf sechs Quadratmetern – das ist schon anstrengend genug. Die Enge und die glühenden Raclettegeräte spendeten zwar ein bisschen Wärme, aber wenn die Füße einmal kalt waren, half kein Trick, um sie wieder aufzuwärmen.

Außerdem stanken wir. Als Verkäufer gewöhnt man sich schnell an den intensiven Geruch des Käses. Die angeekelten Blicke und gerümpften Nasen, die am Stand vorbeihuschten, konnte man allerdings nicht ignorieren. Besonders unangenehm: Die Blicke von Gleichaltrigen, die uns mitleidig ansahen oder ganz laut "Bah, das stinkt!" riefen.

Was hast du gelernt?

Dass drei Paar Socken übereinander meine Füße wärmer halten als ein dickes Paar Wollsocken und dass Eiweiß gut gegen Verbrennung auf dem Handrücken hilft. 

Aber vor allem, dass selbst die anstrengendste Schicht irgendwann vorbei geht und man die Strapazen ganz schnell vergisst, wenn man mit einem guten Freund darüber lachen kann. Die Erinnerung an die zwei Winter in der Käse-Hütte auf dem Weihnachtsmarkt sind geblieben, die Freundschaft nicht. Denn irgendwann fühlten wir uns dann doch zu alt für einen solchen Nebenjob. Und plötzlich waren wir fertig mit der Schule, verließen Köln, waren ein Stück erwachsener.

Wir verloren uns trotzdem nicht komplett aus den Augen und trafen uns im Frühjahr – nach drei Jahren sporadischen Geburtstags- und Weihnachtsgrüßen bei WhatsApp – auf ein paar Bier. Die Erinnerungen an die Zeit auf dem Weihnachtsmarkt, an die Sorgen, die wir damals hatten, das hat uns gezeigt, wie gut wir das mit dem Erwachsenwerden hinbekommen hatten.


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