Videoreihe "Durchgemacht": Studierende erzählen, was die Nachtarbeit mit ihnen macht

Manchmal geht es nicht anders. Dann trifft Steffen sich auch nach der Arbeit noch mit seinen Komillitonen in der Uni für die Gruppenarbeit. Und das, obwohl er dann seit 24 Stunden wach ist. Steffen arbeitet nachts an der Rezeption im Hostel – neben dem Studium

Er bekommt dafür Nachtzuschlag, darauf ist Steffen angewiesen. Der 26-Jährige studiert in Hamburg Stadtplanung, das Leben in der Hansestadt ist teuer. Von seinen Eltern bekommt er zwar regelmäßig Geld, damit zumindest seine Ausgaben für Lebensmittel für einen Monat gedeckt sind. Doch für Miete, Studiumskosten und Freizeitaktivitäten muss Steffen selbst aufkommen. 

Durchgemacht

Die Mietpreise steigen stetig, Bafög bekommt nur jeder dritte Student – wer sich sein Studium selbst finanzieren muss oder nicht nur auf seine Eltern verlassen kann oder will, braucht einen Nebenjob. In Deutschland arbeiten zwei Drittel der Studierenden neben der Uni - manche von ihnen nachts. Während ihre Kommilitonen feiern oder für den nächsten Vorlesungstag schlafen – verdienen sie ihren Lebensunterhalt. Was die Nachtarbeit mit ihnen macht, erzählen sie in unserer Videoreihe "Durchgemacht".

"Eine Nachtschicht kann durchaus sehr einsam sein", sagt Steffen. Womit beschäftigt er sich in der Schicht von 22 bis 6 Uhr eigentlich? Arbeitet er gerne nachts? Das erzählt Steffen im Video. 



Gerechtigkeit

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Ich bin ein klassischer Bildungsaufsteiger. Als ich klein war, hat mein nigerianischer Papa, der als illegaler Einwanderer nach Deutschland kam, in Sexshops geputzt. Meine Mutter ist Tochter palästinensischer Gastarbeiter, die Analphabeten waren. Sie hat zwar Abitur gemacht, doch bevor sie studieren konnte, kamen mein Bruder und ich zur Welt. Sie war alleinerziehend und hat versucht, uns mit Bürojobs alles zu bieten, bevor sie aus gesundheitlichen Gründen dazu nicht mehr in der Lage war und unsere Sommerferien aus Aufenthalten in Rehakliniken bestehen sollten.

Von meinen mehr als 30 (deutsch-)palästinensischen Cousins, Tanten, Großeltern und weiteren Familienmenschen, die in München leben, bin ich der Erste, der eine Universität von innen gesehen hat. Ich bin auch der Erste, der einem klassischen Akademikerberuf nachgeht. Ich bin Journalist. 

Ich verdiene recht gut, reise viel. Manchmal fühlt sich Fliegen für mich an wie eine Busfahrt. 

Es ist nicht mehr so besonders und aufregend wie damals als Kind, aber ich bin super dankbar dafür. Schlecht fühle ich mich dabei selten. Schließlich hat es mich mehrere Jahre harte Arbeit gekostet, um an den Punkt zu kommen, dass ich überhaupt selbstbestimmt nach Nigeria fliegen kann, um dort innige Gespräche mit meiner Cousine über ihre Schwangerschaft zu führen oder mit meinem kranken Opa den 80. Geburtstag zu feiern.