"Das kannst du doch eh nicht" – sechs Wörter, die schmerzen können. Wenn Menschen eine Kollegin oder einen Kollegen monatelang ausgrenzen, ignorieren oder schikanieren, ist das Mobbing. Das schadet nicht nur der Arbeitsleistung des Opfers, sondern kann auch psychische Folgen haben. Denn gerade im Büro oder im Betrieb sind Betroffene dem Mobbing mehrere Stunden am Tag ausgesetzt und können den Tätern nicht einfach aus dem Weg gehen.

Mobbing und Cybermobbing am Arbeitsplatz sind weit verbreitete Probleme. 

Rund 30 Prozent aller Arbeitnehmer waren schon einmal Opfer von Mobbing, rund neun Prozent von Cybermobbing. Das ergab eine Untersuchung des Vereins "Bündnis gegen Cybermobbing" aus dem vergangenen Jahr, bei der 4000 Menschen online befragt wurden. Oft trifft es Kolleginnen und Kollegen, die ganz neu in bestehende Teams kommen: Besonders hoch ist die Zahl bei jungen Menschen zwischen 21 und 25 Jahren. Jeder Zweite in diesem Alter hat schon einmal Mobbing erlebt.

Mobbing zeigt sich laut den Betroffenen in Hänseleien, Ausgrenzung, ungerechtfertigter Kritik oder der Verbreitung von Gerüchten.

Doch was mache ich, wenn ich selbst Opfer von Mobbing bin? Soll ich meine Kolleginnen und Kollegen offen darauf ansprechen? 

Was sage ich? Und sollte mein Chef von dem Mobbing erfahren?

Darüber haben wir mit unserem Job-Trio gesprochen:

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 137 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Johanna Runge, 21, hat gerade ihre Ausbildung zur Raumaustatterin abgeschlossen. Am liebsten arbeitet sie aber alte Möbel in der Polsterei auf. Auch wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, viel lernen will sie trotzdem noch.

In unserer Kolumne beantworten die drei Fragen, die sich besonders Berufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten. 

Heute: Meine Kollegen mobben mich, kann ich es offen ansprechen?

Das sagt Handwerkerin Johanna Runge:

"Ich habe es selbst bei uns in der Firma erlebt, dass eine Kollegin eine andere Kollegin schlecht behandelt hat, indem sie sie einfach ignorierte. Ich habe der Betroffenen dann geraten, die Kollegin darauf anzusprechen. Ich finde, in solchen Situationen ist es am einfachsten, auf die Person zuzugehen und zu sagen: 'Was du da machst, finde ich blöd. Lass das bitte.' Bei Kollegen, die älter sind, muss man einfach Mut aufbringen. Bei meiner Kollegin, die gemobbt wurde, ist es nach den Gesprächen tatsächlich besser geworden.

Wenn man sich aber nicht traut, könnte man sich an eine vertraute Person im Kollegium wenden und sie oder ihn um Rat bitten. Ich würde die Person aber nicht vorschicken, um für mich mit dem Mobber zu reden. Da muss man schon selbst durch.

Wenn die Kollegin oder der Kollege sein Verhalten nicht ändert, muss man wohl so gut es geht versuchen, die Situation zu verdrängen."

Das rät Chef Lasse Rheingans:

"Jeder hat das Recht, fair behandelt zu werden. Natürlich sollte man Mobbing offen ansprechen können. Bei zwei meiner Angestellen hat Reden geholfen. Es ist schon ein paar Jahre her, aber ich erinnere mich daran, dass ein Angestellter zu mir kam und meinte, dass er gemobbt wird.

Ich habe mich mit beiden an einen Tisch gesetzt und das Gespräch moderiert. Wir stellten fest, dass die 'Täterin' die Situation als gar nicht so schlimm wahrgenommen hatte. In diesem Fall haben wir das Problem also sehr schnell aus der Welt geschafft. Ich fand es super, dass mein Angestellter Vertrauen in mich hatte und mich angesprochen hat. Als Chef habe ich ja einen massiven Einfluss auf das Arbeitsklima im Büro.

Wenn das Mobbing nach dem Gespräch trotzdem weitergeht und auch die Chefs oder Vorgesetzten nicht helfen können, sollte man seine wertvolle Zeit nicht an einem Arbeitsplatz verschwenden, an dem man nicht geschätzt wird. Das zieht auf Dauer nur runter und ist unnötig. Mein Vorschlag: Lieber nach einem anderen Job umsehen. Gute Mitarbeiter werden überall gebraucht."

Das sagt Kassiererin Dagmar Prüter:

"Direkt erlebt habe ich Mobbing noch nicht. Ich würde ich es auf jeden Fall offen ansprechen. Meine erste Frage wäre: 'Warum mobbst du mich? Was ist los?'

Ich bin aber auch ein sehr offener Mensch und traue mich, da sehr direkt zu sein. Schüchternen Menschen würde ich empfehlen, das Konfliktgespräch vorher zu üben. Das klingt jetzt komisch, aber ich rate Menschen immer, vor schwierigen Gesprächen in den Garten zu gehen und mit einem Baum zu sprechen. Das übt und hilft.

Ich habe das Gefühl, dass es jungen Menschen heutzutage schwerer fällt, unangenehme Gespräche zu führen. Ältere Kolleginnen und Kollegen können sie dabei unterstützen. Der Gemobbte muss die Hilfe aber auch annehmen wollen. Mit dem Chef würde ich erst reden, wenn der Mobber nach dem Gespräch immer noch uneinsichtig ist."


Queer

Ungeahnte Höhen: Juliana ist Logopädin und hilft Trans-Frauen, ihre Stimme zu finden
Weshalb die Stimme so wichtig ist und warum Trans-Männer selten in die Praxis kommen.

Juliana arbeitet als Logopädin. In ihrem Fall bedeutet das allerdings nicht nur Sprachübungen mit lispelnden Kindern oder Menschen, die stottern – sie hat sich ein besonderes Spezialgebiet gesucht: die Trans-Stimmtheraphie. 

Mit ihrer Arbeit hilft Logopädin Juliana Trans-Frauen, ihre eigene Stimme zu finden. 

Bis zu einem Jahr kann es laut Juliana dauern, bis sich die Stimme verändert und die Frauen sich damit wohlfühlen, doch es kann auch deutlich schneller gehen. Letztendlich sei es eine Frage der Übung. Für schnelle Erfolge, müsse man möglichst täglich an der Stimme arbeiten. Immerhin: Der Weg wird finanziell unterstützt. Krankenkassen übernehmen etwa 20 Logopädie-Termine für Transgender-Patientinnen und -Patienten.

Juliana ist selbst transgender. Vor gut drei Jahren outete sie sich während ihrer Ausbildung. 

Durch ihre eigene Erfahrung hat sie einen besonderen Bezug zu ihrer Arbeit und engagiert sich auch darüber hinaus. Auf dem Kanal Trans*planet erklärt sie in mehreren Videos ausführlich, wie eine Trans-Stimmtheraphie abläuft und wie sie den Menschen auf dem Weg zu ihrer Identität helfen kann. Auf ihrem YouTube-Kanal Unruly Juli beschäftigt sie sich mit den gesellschaftlichen und politischen Aspekten der Trans-Community.

Wie genau eine Trans-Stimmtheraphie funktioniert und warum Trans-Männer seltener ihre Klienten sind, erfahrt ihr oben im Video.