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Es gibt weniger Automaten? Das macht mich traurig.

Mit fast 21 bin ich zu Hause, sobald ich mein Smartphone entsperre. Ich habe Facebook, Instagram, in schlechten Zeiten auch mal Tinder. Meine letzte Postkarte schrieb ich mit 13, Geburtstagsgrüße sende ich über WhatsApp, Hausarbeiten tippe ich am Laptop. 

Doch genau deshalb gibt es Dinge, die vielleicht altmodisch sind, an denen ich aber festhalte: Fotos, die man in der Hand halten kann. Bücher, deren Seiten sich nicht nur virtuell umblättern lassen. Und: Bargeld. 

Genau das ist gerade auf dem besten Wege, abgeschafft zu werden – denn die Bedeutung von Geldautomaten nimmt in Deutschland immer mehr ab. Weniger Geräte werden neu installiert, alte oder kaputte nicht erneuert. 2015 gab es noch 61.100 Automaten – Ende 2017 waren es nur noch 58.400. (bento)

Ich weiß: Bargeld kann unhygienisch sein oder die Geldbörse verstopfen. Trotzdem möchte ich nicht auf die bunten Scheine (bei mir meistens auf die Farben Grün und Rot reduziert) verzichten. Bitte, erhaltet das Bargeld!

Ich mag die Haptik von Münzen und Scheinen und das Bewusstsein für deren Wert, das ich durchs Anfassen erlange. Ich möchte die Dinge noch fühlen können, möchte spüren, dass nicht jede Oberfläche glatt und gleich ist.

Wenn ich beim Online-Shopping den Einkaufswagen mit lauter Dingen fülle und am Ende meiner Konsum-Orgie den Gesamtpreis sehe, dann ist das einfach nur eine Zahl. Natürlich ist mir bewusst, dass diese Zahl von meinem Konto abgezogen wird und somit auch Einfluss auf meinen bescheidenen Reichtum hat.

Aber wenn ich im Laden stehe und diese Zahl als Bargeld in der Hand halte, dann ist das etwas anderes. Was ich ausgebe, wird greifbar – weil ich es wirklich ausgebe. Mit meinen Händen.

Wenn ich der Kassiererin dieses Geld überreiche, dann tut das ein bisschen weh. Und das ist auch gut so, weil es mich daran erinnert, dass ich auch mal wieder sparen muss – zumindest für ein paar Wochen.

Ich finde es großartig, Münzen zu betrachten – und verschiedene Kulturen und Länder in ihnen zu erkennen. Das Sammeln anderer Währungen oder einfach schöner Münzen ist was für Großeltern? Mir egal! 

Den Ein-Dollar-Schein rauszuholen und ein bisschen vor den Freunden anzugeben, dass man gerade in New York war: wunderbar! Verschiedene Münzen in einem Glas voller Urlaubserinnerungen aufzubewahren: großartig!

Natürlich könnte ich auch all meine EC-Kredit- und Kundenkarten mit Magneten versehen und an den Kühlschrank pinnen. Ich könnte auch die Transaktionen ausdrucken und sie in einem Schuhkarton sammeln. Aber mal ehrlich: Abgesehen von einer finanziellen Existenzkrise hätte ich davon gar nichts. 

Bitcoins, Online-Banking, bargeldloses Bezahlen: Während wir alle so unglaublich vertieft sind in Displays und Online-Shops, übersehen wir übrigens am Ende auch diejenigen, die keine Wahl haben. Wer Bargeld im Portemonnaie hat, kann zwischendurch auch mal was abgeben.


Fühlen

Was eine HIV-Infektion heute bedeutet
Ein Ex-Freund drohte Conchita Wurst, ihre HIV-Infektion bekannt zu machen.

Conchita Wurst ist seit vielen Jahren HIV-positiv, das hat die Travestiekünstlerin bei Instagram bekannt gegeben. Der Schritt an die Öffentlichkeit war erzwungen, ein Ex-Freund hatte ihr damit gedroht, die private Information publik zu machen.

HIV ist schon lange kein Todesurteil mehr.

Der HIV-Status mag für ihre Fans neu sein, schreibt Wurst in einem Post auf Instagram. Für sie sei er das nicht. "Es geht mir gesundheitlich gut, und ich bin stärker, motivierter und befreiter denn je." Der Fall zeigt, dass sich HIV längst von einem Todesurteil zu einer chronischen Krankheit gewandelt hat.

Was bedeutet es für Betroffene heute, in einem Land wie Österreich oder Deutschland an HIV zu erkranken? Wie sehr schränkt die Infektion noch ein? Die wichtigsten Fragen und Antworten