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Die 14. Folge unserer Serie "Mein erstes Jahr im Job"

David Hilpert, 18, begann nach dem Abitur eine Ausbildung zum Fleischer, seit einem Jahr arbeitet er in einer kleinen Metzgerei in Franken. Er schlachtet Schweine und Rinder, stellt Wurst her, verkauft sie und fährt Bestellungen aus. Seine Ausbildung macht ihm Spaß, sagt David. Die industrielle Fleischproduktion aber kritisiert er.

Mein erstes Jahr im Job

Der Einstieg ins Berufsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. Man weiß noch nicht, wie eine Gehaltsverhandlung abläuft, ist überfordert von den vielen Aufgaben und neuen Menschen – oder im Gegenteil: langweilt sich schon nach den ersten Wochen. In der Serie "Mein erstes Jahr im Job" sprechen wir mit Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern über ihren Start ins Arbeitsleben. Du hast auch etwas zu erzählen? Dann schreib uns an uniundarbeit@bento.de.

"Ich wusste schon vor dem Abitur, dass ich nach der Schule nicht studieren möchte. In der Uni sitzen und Theorie pauken, das wäre nicht meins. Stattdessen wollte ich lieber eine Ausbildung machen. Im Projektseminar in der elften Klasse informierte ich mich über die Berufe Koch und Metzger, danach absolvierte ich drei Praktika – zwei bei Gasthäusern und eins bei einer Metzgerei in meiner fränkischen Heimat. Dort durfte ich den Angestellten zuschauen, wie sie Wurst herstellen, und sogar selbst mithelfen. Das fand ich interessant. Nach dem Praktikum blieb ich mit dem Chef in Kontakt, bewarb mich schließlich für die Ausbildung und wurde angenommen.

Meine Eltern unterstützten meinen Plan, Metzger zu werden, von Anfang an. Ich bin in einem landwirtschaftlichen Betrieb groß geworden. Schon als Kind war es normal für mich, dass Schweine und Rinder von unserem Hof abgeholt und zum Metzger gebracht wurden. Tiere aufzuziehen, zu füttern und später zu essen, war für mich nichts Ungewöhnliches. Ich wusste dafür immer, woher das Fleisch kam, das auf meinem Teller lag: aus unserem eigenen Stall. Und weil ich Fleisch wirklich liebe, war es naheliegend für mich, es auch zu meinem Job zu machen.

„Ich weiß, wie viel Arbeit hinter der Fleischerzeugung steckt.“
David

Wegen meines Abiturs ist die Ausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzt. Gerade verdiene ich 820 Euro brutto, im letzten Lehrjahr werden es 1020 Euro sein. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden, die Ausbildung ist abwechslungsreich und ich darf schon viel selbst machen, Tiere zerlegen zum Beispiel. Klar, ein Arbeitstag mit acht bis neun Stunden war nach der Schule erstmal etwas Neues für mich. Aber mir gefällt das.

Um sechs Uhr geht es los, an jedem Tag machen wir etwas anderes. Montags wird geschlachtet, dienstags zerlegen wir die Schweine und Rinder, mittwochs wird gewurstet und wir bereiten die Bestellungen vor, Donnerstag ist Aufschnitttag, freitags füllen wir Salamis und bereiten Rollbraten oder Grillspieße fürs Wochenende vor. Weil in der Metzgerei sehr auf Sauberkeit und Hygiene geachtet wird, gehört es auch zum Job, viel zu putzen, das hätte ich vorher nicht gedacht.

Ich weiß, wie viel Arbeit hinter der Fleischerzeugung steckt. Wenn man im Supermarkt ein abgepacktes Steak für zwei Euro kauft, kann das keine gute Qualität sein. Die Wertschöpfungskette ist lang, viele wollen an dem Stück Fleisch mitverdienen: Futter muss bezahlt werden, der Bauer und der Metzger brauchen Geld, die Verarbeitung kostet und die Zulieferer wollen auch bezahlt werden.

Wir schlachten pro Woche 20 bis 25 Schweine und zwei bis drei Rinder – je nachdem, wie viel vorbestellt wurde. Das Schlachten läuft anders ab, als ich es mir anfangs vorgestellt hatte. Ich dachte, alles müsse sehr schnell passieren und die Stimmung sei eher hektisch und laut. Aber es ist eine ruhige Arbeit, alle Beteiligten sind konzentriert bei der Sache, die Tiere werden vorher betäubt. Ich verstehe, dass nicht jeder mit dem Schlachten klarkommt. Für mich ist es nicht so schlimm, ich sehe es als Notwendigkeit. Dabei ist mir aber schon wichtig, dass bis zur letzten Minute respektvoll mit dem Schlachttier umgegangen wird.

„Ich habe nicht den Eindruck, dass unsere Kundinnen und Kunden in den vergangenen Wochen kritischer geworden sind.“
David

Die Tiere, die wir verarbeiten, kommen aus der Region. Die Lieferwege sind kurz, die Schweine und Rinder sollen so wenig Stress wie möglich ausgesetzt sein. Das ist ein großer Unterschied zu den Industrieschlachtereien, die gerade in der Kritik stehen. Ich bekomme die Diskussion um die großen Schlachtbetriebe und die Haltungs- und Arbeitsbedingungen dort hauptsächlich über das Fernsehen und die Zeitung mit. In unserer Landmetzgerei sind wir in einer heilen Welt. Für mich fühlt sich unser Arbeitsklima richtig familiär an.

Ich habe auch nicht den Eindruck, dass unsere Kundinnen und Kunden in den vergangenen Wochen kritischer geworden sind. Ich denke, sie wissen, was sie bei uns kriegen, woher die Produkte kommen und wer sie herstellt – das beruhigt viele. Sie sagen uns, dass sie froh sind, eine Metzgerei um die Ecke zu haben, in der sie persönlichen Kontakt zu den Fleischern haben.

Ich finde auch, dass es einen großen Unterschied macht, woher man seine Produkte bezieht. Ich würde schon sagen, dass ich mehr Fleisch und Wurst esse als der Durchschnitt. Allerdings kaufe ich nur Produkte, bei denen ich weiß, dass ich keinen riesigen Schlachtbetrieb unterstütze, der Tiere aus Massentierhaltung verarbeitet und in alle Welt verschickt. Regionale Wertschöpfung ist mir wichtig. Dieses Fleisch kostet zwar mehr, aber das leiste ich mir. Wenn alle Konsumenten darauf Wert legen würden, würden sich die Haltungsbedingungen der Tiere und die Arbeitsbedingungen der Angestellten meiner Meinung nach automatisch verbessern. Ohne dass jeder komplett auf Fleisch verzichten muss.

Natürlich gibt es auch in meiner Ausbildung Arbeiten, die ich nicht gern mache, ich denke, die gibt es in jedem Job. Ich finde es zum Beispiel ziemlich unangenehm, wenn der Müllmann kommt und die Schlachtabfälle abholt, vor allem der Geruch der Abfälle ist heftig. Aber das gehört eben dazu. Man muss aushalten können, dass es in einer Metzgerei den ganzen Tag irgendwie nach Fleisch riecht.

Die Jobaussichten in der Branche sind sehr gut. Man kann sich in der Regel aussuchen, wo man arbeiten möchte. Wenn ich fertig bin mit der Ausbildung, muss ich ein Festgehalt mit meinem Chef verhandeln. Die Bezahlung orientiert sich auch daran, was ich dann genau mache, ob ich viel schlachte oder eher im Verkauf tätig bin. Worauf ich mich spezialisieren werde, weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich werde ich erstmal noch meinen Meister machen, wie es Azubis in anderen Jobs ja oft auch tun. Metzger ist ein alter Handwerksberuf – und als solchen sollte man ihn auch sehen."


Gerechtigkeit

Wie sich junge Lesben und Schwule eine moderne Union vorstellen: "Queere Themen dürfen nicht nur in linken Parteien möglich sein"

Bisher war die Union nicht als Vorreiterin für LGBT-Rechte bekannt: Die CDU ist eigentlich die Partei, deren Bundestagsabgeordnete mehrheitlich gegen die Ehe für alle stimmten (bento) und deren Vorsitzende sich im vergangenen Jahr über das dritte Geschlecht lustig machte (bento).

Nun will sich die Partei reformieren. Wenn es nach dem Vorstand geht, soll es bald nicht nur eine parteiinterne Frauenquote geben – auch die Lesben und Schwulen in der Union (LSU) sollen aufgewertet werden. Bisher nur eine inoffizielle Vereinigung, dürfte die LSU als offizielle Parteiorganisation etwa eigene Anträge auf dem Parteitag stellen. Aber das wäre nur das Formale – es geht auch um das Signal: Die CDU geht einen Schritt auf queere Menschen zu.

Wir haben junge Lesben und Schwulen innerhalb der Union gefragt: Wie soll sich ihre Partei jungen queeren Menschen öffnen?

Charline Köhler, 25, stellvertretende Bundesvorsitzende der LSU aus Gera (Thüringen)