Medizin gehört zu den beliebtesten Studienplätzen in Deutschland. Dementsprechend sind alle Medizin-Studiengänge hierzulande zulassungsbeschränkt. Das heißt: Man braucht ein sehr gutes Abitur. Oft warten junge Menschen jahrelang, um einen Studienplatz zu bekommen. 

Was die Wenigsten wissen: Theoretisch kann man Medizin auch ohne Abitur studieren. Diese drei jungen Menschen haben das geschafft. Wie das geht und welche Schwierigkeiten sie hatten, erzählen sie hier.

Lukas (28) aus Mainz möchte sich gerne in Richtung innere Medizin und Kardiologie entwickeln.

Seit ich mich erinnern kann, wollte ich Arzt werden. Mich fasziniert, wie sich unser biologischer Kosmos abspielt, das Verständnis von Krankheiten, ihren Folgen und ihre Therapien. Aufgrund von familiären und finanziellen Problemen habe ich allerdings 2006 zunächst einen Hauptschulabschluss gemacht und anschließend absolvierte ich auf dem zweiten Bildungsweg den Realschulabschluss. Danach habe ich eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger gemacht. 

Durch einen Beschluss der Kulturminister im Jahr 2009 konnte ich dann meinen Traum verwirklichen. Ganz grob gesagt: Wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt, aber kein Abitur hat, darf trotzdem studieren. In meinem konkreten Fall musste eine staatlich anerkannte Ausbildung mit gutem bis sehr gutem Erfolg abgelegt werden. Im Anschluss daran noch eine mindestens zweijährige Berufstätigkeit in Vollzeit. Danach mussten zwei Eignungsgespräche absolviert werden. Daraufhin habe ich dann die Hochschulzulassung für den Studiengang Humanmedizin erhalten. Damit hatte ich aber noch keinen Studienplatz! 

Um diesen musste ich mich nämlich, wie alle anderen auch, bei der "Stiftung Hochschulstart" mit meiner Gesamtnote bewerben. Ich hatte Glück und konnte wegen meiner Note sofort und ohne zusätzliche Wartezeit zum nächsten Semester anfangen.

Voraussetzungen für ein Medizin-Studium

Um Medizin zu studieren braucht man in Deutschland die Allgemeine Hochschulreife. Allerdings ist ein Studium auch ohne Abitur möglich, wenn man einen gleichwertig anerkannten Schul- oder Berufsausbildungsabschluss hat. 

Oftmals sind das Ausbildungen, die etwas mit Medizin zu tun haben, zum Beispiel Ausbildung zum Rettungsassistent, zum Arzthelfer oder zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Neben einer abgeschlossenen Ausbildung muss man zudem die mittlere Reife und die Ausbildung mit einer guten Note abgeschlossen sein. Außerdem sollte man einige Jahre im Beruf selbst gearbeitet haben. Wie die Voraussetzungen im Speziellen aussehen, ist von Bundesland zu Bundesland allerdings unterschiedlich.

Quellen: http://www.medizin-studieren.eu https://www.studium-ratgeber.de/studium/medizin/medizin-studieren-ohne-abitur/

 

 

 

Natürlich gab es während meines Studiums auch Probleme, die wahrscheinlich insbesondere daher kamen, dass ich nur einen Hauptschulabschluss habe und  im Prinzip keinen blassen Schimmer von Naturwissenschaften hatte. 

„Die vorklinische Ausbildung war deswegen sehr schwer.“

Die Klausuren und die mündlichen Prüfungen waren sehr hart. Man kommt an seine Grenze, lernt sich selbst aber auch nochmal von einer anderen Seite kennen. Auf meinem Weg vom Hauptschulabschluss zum Medizinstudium haben meine Familie und meine Freunde mich sehr unterstützt.

Viele fanden das toll, dass ich das gemacht habe. Aber ich habe auch vereinzelt Kritik und Missgunst erlebt. Ich weiß, dass es Menschen gibt, die sich unglaublich anstrengen und trotzdem sehr lange auf einen Studienplatz warten. Manche sagen auch "Da hast du es dir aber leicht gemacht" - das finde ich persönlich schade. Mein Weg war auch sehr anstrengend, da mir vor allem das Grundwissen in Chemie, Physik und Biologie fehlte und ich das mal eben in ein paar Monaten selbstständig lernen musste, um die Prüfungen zu bestehen.  

Franziska (25) studiert in Jena und möchte später in die Anästhesie und Notfallmedizin.

(Bild: Privat)

Ich habe kein Abitur gemacht, weil ich damals nicht wusste, was ich beruflich machen möchte. Durch Zufall bin ich auf die OTA-Ausbildung (Operationstechnische-Assistentin), gekommen und erst dadurch ist mir klar geworden, dass ich gerne Ärztin werden möchte. Nach der Ausbildung habe ich zunächst zehn Monate gearbeitet und dann erfahren, dass man auch ohne Abitur studieren kann. Deswegen habe ich anschließend noch eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin gemacht. 

Diese wurde mir dann als Aufstiegsfortbildung anerkannt und so habe ich dann die Zulassung zum Studium bekommen. Ich hatte einen guten Realschulabschluss, aber das Abitur mit einem 1,0 Durchschnitt abzuschließen, hatte ich mir damals nicht zugetraut. Deswegen habe ich mich für die zweite Ausbildung entschieden, statt mein Abitur nachzuholen. Der Wunsch, Medizin zu studieren, kam dadurch, dass ich immer nur der Handlanger war und nie wirklich eigenständig arbeiten konnte. 

„Ich war immer nur die Befehlsausführende.“

Ich wollte einfach selber Entscheidungen treffen und mir selber die passende Therapie für die Patienten überlegen. Im Studium lernt man zudem sehr viel mehr über den menschlichen Körper als in der Ausbildung. Allerdings habe ich im Studium schnell gemerkt, dass ich vor allem in Chemie und Physik Schwierigkeiten hatte, weil mir das Wissen aus dem Abitur fehlte.

Aber mit sehr viel Fleiß habe ich alle Klausuren beim ersten Mal bestanden. Einige meiner Kommilitonen, die zum Beispiel ein Einser-Abitur haben, haben die Klausuren nicht direkt bestanden. Deswegen denke ich nicht, dass ein Medizinstudium nur mit einem sehr guten Abitur machbar ist. Klar muss man sich hinsetzen und mehr lernen, als jemand der zum Beispiel Biologieleistungskurs hatte.

Meine Familie und Freunde finden es toll, dass ich mich nach den beiden Ausbildungen noch für ein Medizinstudium entschieden habe und unterstützen mich dabei.

Allerdings gibt es auch Leute, die es ungerecht finden, dass Leute ohne Abitur die Möglichkeit für ein Medizinstudium bekommen. Zum Beispiel ein Arzt, mit dem ich zusammengearbeitet habe. Der reagierte sehr skeptisch, weil seine Nichte, die Abitur gemacht hat, auf einen Studienplatz warten muss. Ich finde solche Reaktionen traurig, weil eine Ausbildung – egal in welchem Bereich – auch sehr anspruchsvoll sein kann. Leute, die eine Ausbildung machen, haben ja oftmals eine Doppelbelastung, weil sie arbeiten und nebenbei auch lernen müssen. Ich denke, dass vorherige Berufserfahrungen nur von Vorteil sein können, weil man einfach weiß, was man will und wohin man will.

Jonas* (32) aus Mainz möchte später in die Allgemeinmedizin oder innere Medizin.

Ich habe im Jahr 2003 meinen Realschulabschluss ohne Abitur gemacht, weil ich durch meine Eltern keine entsprechende Unterstützung oder Motivation bekam. Nach der Schule ging ich freiwillig als ​Soldat auf Zeit für vier Jahre zur Bundeswehr und anschließend machte ich eine ​Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger. Nach der Ausbildung arbeitete ich ​drei Jahren in einer interdisziplinären Notaufnahme, wobei ich irgendwann ​unzufrieden mit meinem Beruf wurde und nach einer beruflichen Veränderung suchte. 

„Ehrlich gesagt wollte ich nie Arzt werden, aber mir macht vor allem die praktische Arbeit Spaß.“

Ich wollte mich aber irgendwann beruflich ​verändern und vor allem mein Wissen und meine Kompetenzen erweitern. Ich hatte dann von der Möglichkeit eines Medizinstudiums ohne Abitur ​erfahren und Ende 2013 bewarb ich mich dann auch um ein Medizinstudium an der Uni ​Mainz. Zwischen Schulabschluss und Aufnahme meines Studiums sind dann insgesamt elf ​Jahre vergangen. Als ich das Studium anfing, merkte ich, dass die größte Schwierigkeit vor allem beim fehlenden oder bereits in Vergessenheit geratenen schulischen Wissen lag. Einige meiner Kommilitonen waren überrascht, als sie hörten, dass ich kein Abitur habe, aber die meisten fanden das in Ordnung. Ich finde auch, dass der Erfolg eines Medizinstudiums nicht allein am NC erkennbar ist. Um ein guter Arzt zu werden, muss man zum Beispiel auch soziale Kompetenzen besitzen.



Food

Sechs alte Grill-Weisheiten, die einfach nur Fake News sind
…und eine, die es sein sollte

Schwer zu sagen, was am Grillen diesen seltsamen Effekt hat. Ist es die Hitze, die den Leuten ins Gehirn steigt? Ist es der Rauch, der ihnen die Sinne vernebelt? Ist es das Geräusch brutzelnden Fetts, das ihnen Bescheidenheit und Urteilskraft austreibt?

Was auch immer es ist: Fakt ist jedenfalls, dass kein Mensch länger als eine Minute am Grill stehen kann, ohne plötzlich die tiefsinnigsten Weisheiten von sich zu geben. Über gute und schlechte Glut, über saftiges und trockenes Fleisch, über die einzig richtige Technik, einen Hühnchenschenkel zu wenden.

Woher die Menschen ihre Weisheiten immer nehmen, ist nicht geklärt. Wahrscheinlich aber werden diese Dinge von Generation zu Generation weitergereicht wie die Glaubenssätze alter Naturreligionen oder Fritzchen-Witze in der Grundschule. Es ist daher auch wenig überraschend, dass fast alle Dinge, die man in solchen Zusammenhängen zu hören bekommt, eine Sache gemeinsam haben: Sie sind Blödsinn.

Um dem Aberglauben ein Ende zu bereiten und stattdessen auf Grillfesten überall im Land eine Era der Aufklärung einzuleiten, haben wir hier mal ein paar der hartnäckigsten Grill-Mythen zusammengetragen. Damit ihr beim nächsten Mal, wenn ihr mit euren Freunden ums Feuer versammelt steht, endlich Wahrheiten verbreiten könnt.