Bild: Jay Mantri
Jan ist jetzt berühmt

Jan Schages ist 27 Jahre alt, hat Lebensmittelwissenschaften studiert – und mit seiner Masterarbeit etwas geschafft, woran viele scheitern: Er hat über ein Thema geschrieben, das die meisten Menschen täglich betrifft

Jan untersuchte in seiner Arbeit die mikrobiologische Qualität von Kaffeevollautomaten. Er testete also, wie viele und welche Art Keime sich in den Maschinen finden – und was davon am Ende im Kaffee landet. Außerdem überprüfte er, wie es um die Hygiene von mitgebrachten Coffee-to-Go-Bechern steht.

Das Ergebnis: In vielen Kaffeemaschinen finden sich Keime, wie sie auch in Abflüssen vorkommen, und einige davon landen auch im gebrühten Kaffee. In Mehrwegbechern ist die Keimbelastung dagegen vernachlässigbar.

Seit die Hochschule Rhein-Waal die Ergebnisse von Jans Masterarbeit veröffentlich hat, berichten Dutzende Medien darüber – und der Student ist plötzlich ein bisschen berühmt. Wir haben mit ihm gesprochen.

So sieht 3D-Kaffeekunst bei Instagram aus:
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Jan, trinkst du Kaffee?

"Ich habe vor meiner Masterarbeit Kaffee getrunken, und ich trinke auch jetzt noch Kaffee. Ich weiß durch meine Untersuchung, dass in den Maschinen Mikroorganismen zu finden sind. Aber das ist erstens unvermeidbar. Und zweitens sind das Mikroorganismen, die wir überall finden – auf der Haut, auf Oberflächen, in Geschirrspülern, in Waschmaschinen."

Was sind denn die zentralen Ergebnisse deiner Untersuchung?

"Ich wollte herausfinden, wie man die Hygiene von Kaffeevollautomaten verbessern, sie mikrobiologisch unbedenklicher machen kann. Damit man am Ende möglichst wenige Mikroorganismen im Kaffee wiederfindet, kann man die Ausgabetemperatur – also die Temperatur, mit der der Kaffee in die Tasse läuft – erhöhen, von 60 oder 63 Grad auf 68 Grad.

Und man sollte Kaffeevollautomaten regelmäßig reinigen, also Wasser wechseln, Wassertank und Kaffeesatzbehälter saubermachen."

Wie bist du vorgegangen?

"Ich habe Dutzenden Kaffeemaschinen aus der Umgebung untersucht, sowohl solche in Privataushalten als auch gewerbliche. Ich habe Abstriche des Wassertanks gemacht und Kaffee- oder Cappuccino-Proben genommen. Anschließend habe ich analysiert, wie viele Keime da drin sind und welche. 

Und ich habe mit unserer Stammkeimsammlung aus dem Labor Kaffeevollautomaten angeschmutzt und weitere Versuche gemacht, zum Beispiel zum Einfluss von Temperatur auf die Keimreduktion. Daraus habe ich die Empfehlungen für Verbraucher abgeleitet."

Und du hast auch untersucht, ob mitgebrachte Kaffeebecher unhygienisch sind.

"Viele Cafés nehmen ungern Mehrwegbecher von Verbrauchern an, weil sie Sorge vor Hygieneproblemen haben. Ich habe auch die beprobt und kann sagen: Ja, da sind Keime drin, aber die Anzahl ist im Vergleich zu den Mikroorganismen in den Kaffeemaschinen zu vernachlässigen. Durch die Becher besteht absolut kein Hygienerisiko."

Deine Masterarbeit hat viele begeistert, alle möglichen Medien berichten über die Ergebnisse. Wie fühlt sich das an?

"Es fühlt sich gut an, dass meine Arbeit auf Resonanz stößt. Wenn man so viel Zeit und Mühe in eine Sache steckt, dann möchte man nicht nur eine Abschlussnote bekommen.

Natürlich ruft das auch viele Pseudoexperten auf den Plan, die in Foren und sozialen Medien ihren Expertensenf dazugeben. Sie sagen, dass die Ergebnisse trivial seien, dass man die Arbeit an einem Tag hätte machen können, manche warfen mir auch Plagiat vor. Das lässt mich natürlich nicht ganz kalt."

Aber ich sage mal: lieber Kritik als dass sich niemand für deine Arbeit interessiert.
So viel Resonanz ist der Traum vieler Studenten. Hast du einen Tipp, wie man das schafft?

"Man sollte sich mit aktuellen Themen auseinandersetzen, die die Allgemeinheit interessieren. Das war natürlich in meinem Bereich etwas einfacher, mit Lebensmitteln und Hygiene hat jeder täglich zu tun. Aber auch in der Politikwissenschaft oder im Lehramtsstudium kann man solche Themen finden. Dann muss man nur seinen Betreuer davon überzeugen."


Haha

Sag uns, was du auf diesem Stockfoto siehst, und wir sagen dir, wer du bist

Stockfotos sind sehr praktisch. Journalisten und Werbemenschen greifen gerne auf die vorproduzierten Aufnahmen zurück, wenn sie irgendwas bebildern wollen, aber kein eigenes Material zur Hand haben.

So auch die AfD diese Woche: Als Reaktion auf die mögliche Einführung der Ehe für alle postete die Berliner AfD ein Stockfoto von einer Familie mit den Worten: "Das ist eine Familie." 

Weil auf dem Bild zwei erwachsene Frauen zu sehen sind, wurde im Netz die Frage laut, ob es sich nicht vielleicht um eine polyamouröse Familie handelt.