Bild: Martin Buhrmester
Heute: Martin, 28 Jahre, aus Porta Westfalica
Was wolltest du werden, als du noch jünger warst?

Ich hatte die verschiedensten Ideen. Eine Zeit lang wollte ich Meeresbiologe werden, dann Luft- und Raumfahrtingenieur. Vor dem Abi hatte ich aber eine ganze Zeit lang keine Ahnung.

Was hast du gelernt und warum?

Ich habe eine Ausbildung zum Bierbrauer gemacht. Auf den Beruf bin ich eigentlich durch Zufall gestoßen: Ein paar Freunde und ich haben in einer langweiligen Freistunde diese dicken Wälzer durchgeschaut, in denen alle Studiengänge aufgelistet sind, die es so gibt. Wir wollten den abgefahrensten Studiengang finden. Dabei sind wir darauf gestoßen, dass man Brauereiwesen studieren kann.

Das war in der zwölften Klasse. Zuhause habe ich meinen Eltern davon erzählt. Mein Vater hat mich ermutigt, ein Praktikum in einer Brauerei zu machen. Ich wollte schauen, ob das vielleicht wirklich etwas für mich sein könnte. Gesagt, getan. Das Praktikum hat mir viel Spaß gemacht. Nach dem Abi habe ich mich deshalb um die Ausbildung beworben und in einer kleinen Brauerei in der Nähe von Hannover angefangen.

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Warum hast du dich entschieden, etwas anderes zu machen?

Während der Ausbildung kamen mir Selbstzweifel und ich habe mich gefragt, ob der Beruf auf Dauer etwas für mich ist. Dazu beigetragen hat sicherlich, dass mein Ausbilder nicht sehr freundlich zu mir war. Ich wusste auch, dass mein Betrieb zu klein war, um mich nach der Ausbildung zu übernehmen. Ich habe angefangen, nochmal neu zu überlegen.

Martin, 28(Bild: Martin Buhrmester)
Wie bist du darauf gekommen, Lehramt zu studieren?

Einmal sollte ich spontan eine Brauereiführung übernehmen. Es gefiel mir, den Besuchern meinen Job und den Betrieb zu erklären. Später hat mein Chef mich auf eine Messe mitgenommen, um dort unsere Brauerei zu vertreten. Dabei habe ich wieder gemerkt, wie viel Spaß es mir macht, Leuten etwas zu erklären. So bin ich darauf gekommen, dass Lehramt vielleicht etwas für mich wäre.

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Woher wusstest du, was du wolltest?

Was mich bisher dato vom Lehrerberuf abgeschreckt hatte, waren die Lehramtstudenten selber. Ich hatte immer das Gefühl, dass sind nur graue Mäuschen. Ich dachte, so jemand bin ich nicht.

Es hat etwas gedauert, bis mir klar wurde, dass der Job doch echt gut zu mir passt. Ich entschied mich für Chemie und Geographie an der Uni Münster, weil die beiden Fächer mir selbst in der Schule am meisten Spaß gemacht haben.

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Was nimmst du aus deiner Ausbildung mit?

Meine Zeit in der Brauerei konnte ich mir als berufsbezogenes Praktikum im Bereich Chemie anrechnen lassen. Danach habe ich mir überlegt, wie man einen Projektkurs zum Thema Bierbrauen im Chemieunterricht umsetzen könnte.

Generell habe ich in meiner Ausbildung auch gelernt, konzentriert zu arbeiten. Ich kann acht Stunden am Tag produktiv sein und mich danach entspannt zurücklehnen.

Was war die größte Hürde auf deinem Weg?

Die ersten Klausuren an der Uni waren für mich eine echte Herausforderung. In der Berufsschule haben wir die Größe von Biertanks ausgerechnet. An der Uni musste ich dann direkt hochkomplizierte mathematische Formeln anwenden, was ich seit der Oberstufe nicht mehr gemacht habe. Da wieder reinzukommen, war echt schwierig.

Was war der beste Ratschlag auf deiner Reise?

Der kam von einem Referendar an meiner früheren Berufsschule. Er hatte auch erst Bierbrauer gelernt hat und ist dann Lehrer geworden ist. Mit ihm konnte ich über meine Zweifel während der Ausbildung sprechen.

Es waren mehr die Gespräche als ein konkreter Ratschlag. Sein Wechsel hat mich einfach inspiriert und klang so gar nicht wie ein Fehlschlag. Das hat mir Mut gemacht.

Wie geht es dir heute?

Es geht mir super mit meiner Entscheidung. Ich schreibe meine Masterarbeit und die letzten Prüfungen an der Uni. Ich freue mich unglaublich aufs Referendariat, das im November anfängt. In meinem letzten Praktikum hat mir die Arbeit – gerade auch mit schwierigen Schülern – wieder so viel Spaß gemacht. Ich stehe echt jeden Tag auf und habe Bock darauf, Lehrer zu werden.


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