Raus aus dem Hörsaal, ab in die Sonne.

Die studierte Kulturwissenschaftlerin ist heute 26 und lebt auf der anderen Seite der Erde – in ihrem Guesthouse "Batu Bambu". 

Was wolltest du werden, als du jünger warst? 

Als die Schule vorbei war, wollte ich Tiermedizinerin werden. Darauf habe ich mich dann auch beworben, wurde aber nicht genommen.  

Wie ging es weiter?

Nach dem Abitur war ich erst mal ein Jahr reisen. Und dann habe ich Kulturwissenschaften und im Nebenfach BWL angefangen.

Nach der großen Reise war mein Interesse an unterschiedlichen Kulturen geweckt. Da hat so ein Studium gut gepasst, und Tiermedizin hatte ja eh nicht geklappt. BWL habe ich dann noch mit reingenommen, damit meine Eltern ruhig schlafen konnten. Damit waren alle einigermaßen glücklich.

Du wusstest aber nicht, was du damit werden willst?

Ich hatte echt keine Ahnung. Ich glaube die meisten Kulturwissenschaftler wissen das nicht. Das hat mich ziemlich nervös gemacht.

Bei solchen Studiengängen studiert man irgendwie ins Ungewisse hinein. Eben nicht wie bei einem Lehrer oder einer Tierärztin. Ich hab’s dann aber einfach durchgezogen.

Warum hast du dich entschieden, etwas anderes zu machen?

Als ich das erste Mal auf Lombok war, verliebte ich mich sofort. In die Menschen, die Natur – einfach in alles. Irgendwann fuhr ich mit einer Freundin auf dem Roller zum Surfen. Wir teilten uns Kopfhörer, hörten Musik, und die Sonne schien. Da dachte ich mir: "Hier zu leben, das wär’s. Das muss doch irgendwie möglich sein." Aber da war noch nichts konkret und alles ein Traum, der weit weg war. 

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Woher wusstest du was du wolltest? 

Meine WG in Lüneburg war vor ein paar Monaten abgebrannt und ich wartete auf eine Zahlung von meiner Versicherung. Und die kam tatsächlich, als ich auf Lombok war. Da hatte ich auf einmal Geld auf meinem Konto und bin ins Grübeln gekommen.

Das war für mich ein Zeichen. Als die Leute hier vor Ort meinten, ich solle Land kaufen und mir meine Familie den nötigen Rest geliehen hat und mein Papa als Architekt auch noch bereit war, die Pläne zu zeichnen, war alles klar: Ich mache ein Guesthouse auf Lombok auf. Es hat alles perfekt gepasst. So entstand das "Batu Bambu".

Hätte ich aber vorher nicht die Angst gehabt, was aus mir und meinem Studium wird, wäre es nie soweit gekommen. Ich hätte nie über andere Optionen nachgedacht und mich nie gefragt, was ich will und was mein Traum ist. Dann wäre ich im zweiten Anlauf vielleicht doch Lehrerin oder Tierärztin oder was auch immer geworden.

So sieht das Batu Bambu heute aus. (Bild: Carolin Unrath)
Was war die größte Hürde auf dem Weg? 

Sich endgültig dafür zu entscheiden – das war tatsächlich die größte Hürde. So eine Entscheidung muss man wirklich zu hundert Prozent wollen und leben. Wirklich zu sagen: „Ich mach das jetzt, komme was wolle“ – das war nicht so einfach.

Dieser Sprung ins kalte Wasser hat mich echt wachgerüttelt. Auf einmal war Lombok mein Zuhause. Und dann kam der ganze Papierkram, ich konnte die Sprache nicht und die kulturellen Gegebenheiten überforderten mich. Es waren ziemlich viele Herausforderungen auf einmal. 

Wenn ich heute in meinem Handy die Kontakte durchgehe, schüttle ich immer den Kopf. Da begegnen mir eine indonesische Steuerberaterin, ein Anwalt, ein Notar und so weiter. Manchmal habe ich das Gefühl, dass solche Nummern noch nicht in mein Handy gehören sollten. Ich war halt erst 23 als ich mich für diesen Weg entschied und 24 als wir anfingen zu bauen. 

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Wolltest du manchmal alles hinschmeißen?

Ja klar. Zweifel gibt es bei solchen Entscheidungen immer. Ich hatte so oft keinen Bock auf den nächsten Tag und die ständigen Herausforderungen. Ich hatte irgendwann auch echt wieder Lust auf die Uni und einen schön klimatisierten Hörsaal. Früher dachte ich immer, die Prüfungszeit sei stressig. Aber so eine Baustelle in Indonesien ist zehn Mal mehr Stress. Mehr als einmal wurden Mauern anders gesetzt als geplant und Wände mit der falschen Farbe bestrichen. Da brauchte ich echt einen langen Atem

"Papa Nuri" hat Elisa und das Batu Bambu von Anfang an unterstützt. (Bild: bento)
Wie geht’s dir heute?

Manchmal muss ich ein bisschen schmunzeln. Jetzt bin ich natürlich ein Stückchen weiter. Mittlerweile kann ich gut Indonesisch sprechen und früher wären ein paar Situationen auf jeden Fall einfacher gewesen, wenn ich gewusst hätte, wie der Hase hier so läuft.

Außerdem musste ich erst alles lernen, was zum Leiten eines Hostels dazu gehört – von den Reservierungen bis zum Frühstück muss ja alles laufen, da braucht es die richtigen Programme, ein eingespieltes Team und zuverlässige Leute, das war nicht immer einfach.

Mittlerweile hat das Batu Bambu sogar einen kleinen Zoo. Wir haben zwei Hunde, zwei Katzen und ein Kaninchen. Vielleicht schaffen wir uns noch zwei Wasserbüffel oder Pferde an – wer weiß. Meinen Spaß am Umgang mit Tieren, kann ich hier also trotzdem ausleben.

Hier gibt es noch mehr spannende Lebensläufe: 
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Der Pegida-Chef Lutz Bachmann soll an der Einreise nach Großbritannien gehindert worden sein. Anstatt in London auftreten zu dürfen, wurde er in eine Abschiebeeinrichtung gesteckt – und musste am Sonntagmorgen wieder zurück nach Deutschland fliegen. Das behauptet Bachmann nun auf Facebook

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