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Die dritte Folge unserer Serie "Mein erstes Jahr im Job"

Lena, 23, hat in ihrem ersten Berufsjahr dreimal den Job gewechselt: Sie arbeitete erst in einer Agentur, dann für ein Onlinemagazin und später für einen Verband. Seit Januar ist sie Trainee in einer Social-Media-Agentur, dort will sie erst mal bleiben.

Mein erstes Jahr im Job

Der Einstieg ins Berufsleben ist aufregend, anstrengend – und oft ganz anders als geplant. Man weiß noch nicht, wie eine Gehaltsverhandlung abläuft, ist überfordert von den vielen Aufgaben und neuen Menschen – oder im Gegenteil: langweilt sich schon nach den ersten Wochen. In der Serie "Mein erstes Jahr im Job" sprechen wir mit Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteigern über ihren Start ins Arbeitsleben. Du hast auch etwas zu erzählen? Dann schreib uns an uniundarbeit@bento.de.

"Mein erstes Jahr im Berufsleben war total chaotisch. Ich hatte vier unterschiedliche Jobs, bei vier Unternehmen: Zunächst war ich in einer Agentur für Personal- und Officemanagement zuständig, dann kurzzeitig Praktikantin bei einem Onlinemagazin, danach Juniorreferentin für Kommunikation und Events bei einem Verband, und jetzt mache ich ein einjähriges Traineeprogramm im Content- und Community-Management einer Social-Media-Agentur.

Für einen Job zog ich quer durch Deutschland, für den nächsten wieder zurück. Mal hatte ich viel zu viel zu tun, mal war ich unterfordert und fühlte mich nicht ernst genommen. Manche trauen sich so viele Jobwechsel als Berufsanfängerin vielleicht nicht. Aber für mich war es jedes Mal die richtige Entscheidung, zu kündigen.

Job Nummer 1: Viele Überstunden und keine Zeit für die Abschlussarbeit

Ich habe Medien- und Kulturwissenschaft studiert, meine Bachelorarbeit muss ich allerdings noch schreiben. Schon vor Ende des Studiums, im Februar 2019, fing ich als Personal- und Officemanagerin in einer Agentur an. Erst dachte ich, ich könnte die Abschlussarbeit parallel schreiben, nach Feierabend und am Wochenende. Doch ich merkte schnell, dass das nicht funktioniert.

Bei meinem ersten Job gab es ein großes Problem: zu viele Aufgaben für eine 40-Stunden-Woche. Ich musste den Empfang betreuen, Personalgespräche führen und Menschen einstellen, nebenher Milch, Seife und Klopapier für das ganze Büro bestellen. Ich war das Mädchen für alles. Als sich die Überstunden häuften, sah ich mich nach etwas Neuem um.

Job Nummer 2: Von 2600 Euro brutto auf 400 Euro im Monat

Bei der Suche im Netz entdeckte ich, dass bei einem Onlinemagazin einige Praktikumsstellen im Event- und Marketingbereich ausgeschrieben waren. Das reizte mich, es war näher an meinem Studium. Das Gehalt war niedrig – 400 Euro im Monat –, vorher hatte ich 2600 Euro brutto verdient. Trotzdem entschied ich mich für das Praktikum, um Arbeitserfahrung zu sammeln. Außerdem hoffte ich auf eine feste Stelle im Anschluss.

Da ich bei der Agentur noch in der Probezeit war, konnte ich innerhalb von zwei Wochen kündigen. Ich vermietete meine Wohnung unter und zog in eine Großstadt etwa 550 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt. Mitte Juli 2019 fing ich an.

Während des Praktikums wurde mir zwar tatsächlich eine Stelle angeboten, aber ich zögerte, sie anzunehmen: Ich vermisste meine Heimat sehr, und wieder machte ich zu viele Überstunden.

Job Nummer 3: Nicht gehört, nicht ernst genommen

Ende des Sommers ergatterte ich ein Vorstellungsgespräch für eine Juniorstelle als Kommunikations- und Eventmanagerin bei einem Verband in meiner Heimatstadt. Meine spätere Chefin und ich trafen uns in einem Café. Wir verstanden uns gut und der Job klang toll: Ich sollte Veranstaltungen organisieren, den Social-Media-Auftritt verbessern, Kampagnen entwickeln, Marketingkonzepte überlegen. Und dafür wieder ein vernünftiges Gehalt bekommen: 2600 Euro brutto, wie in der Agentur. Im Oktober 2019 trat ich die Stelle an.

„Als Jüngste im Team sollte ich neue Ideen umsetzen, stattdessen wurde ich nicht wirklich ernst genommen.“
Lena

Nur war die Arbeit im Verband ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Meine beiden Kolleginnen waren über 20 Jahre älter als ich und nahmen keinen meiner Vorschläge an. Als Jüngste im Team sollte ich neue Ideen umsetzen, so hatte es meine Chefin im Vorstellungsgespräch gesagt, stattdessen wurde ich nicht wirklich ernst genommen. Die Aufgaben für einen Tag hatte ich in fünf Minuten erledigt, den Rest der Zeit langweilte ich mich oft. Ich war unterfordert, dabei wollte ich mich doch weiterentwickeln.

Auch die Arbeitsatmosphäre war nicht angenehm, wir aßen fast nie zusammen Mittag und machten generell kaum Pausen. Einmal war ich krank, weil aber ein Event bevorstand, ging ich ins Büro. Als die Bauchkrämpfe schlimmer wurden, wollte ich im Homeoffice weiterarbeiten. Meine Kollegin schnauzte mich an, dass sowas nicht möglich sei und ich die falsche Arbeitseinstellung hätte.

Ich sprach mit meiner Chefin, die versuchte noch, mich zu halten, aber ich wollte etwas anderes. Wir gingen im Guten auseinander, ich kündigte wieder in der Probezeit und studierte aufs Neue Stellenausschreibungen.

Job Nummer 4: Endlich passt alles

In den folgenden fünf Wochen hatte ich acht Bewerbungsgespräche, ich wollte nicht wieder die erstbeste Stelle annehmen. Bei der Social-Media-Agentur, wo ich heute als Trainee arbeite, hatte ich ein gutes Gefühl: Im Vorstellungsgespräch begegnete man mir auf Augenhöhe, der Teamleiter und die Personalmanagerin hatten Verständnis für meine Jobwechsel und die Kollegen wirkten nett. Anfang Januar 2020 fing ich an.

Zwar ist die Traineestelle eine Herabstufung im Vergleich zu meiner vorherigen Position, dafür kann ich in diesem Jahr noch dazulernen, Fortbildungen in Marketing, Social Media oder Influencer Relations machen. Und ich habe genügend Zeit, um endlich den Bachelor abzuschließen: Ich arbeite jetzt nur 30 Stunden pro Woche und habe zusätzliche Urlaubstage. Trotzdem verdiene ich nicht schlecht: in den ersten sechs Monaten 2100 Euro brutto, dann 2300.

„Jobwechsel sind kein Weltuntergang.“
Lena

Als Content- und Community-Managerin plane ich Social-Media-Inhalte für mehrere Unternehmen und betreue ihre Kanäle. Ich schreibe Redaktionspläne, denke mir Themenschwerpunkte sowie Formate aus und setze sie um, schreibe also auch Posts. Außerdem betreue ich die Community der Kunden: Ich reagiere mit Likes auf die Nutzerkommentare und antworte darauf.

Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke, bin ich enttäuscht, wie wenig ich als Berufseinsteigerin wertgeschätzt wurde. Meine Ideen wurden belächelt, die vielen Überstunden nicht gesehen oder als selbstverständlich erachtet. Es stört mich, dass Kompetenz noch immer oft an Alter und Erfahrung festgemacht wird. Dabei weiß ich genau, was ich kann. Ich verkaufe mich nicht unter Wert, nur weil ich jung bin.

Und wenn das nicht erkannt wird: Jobwechsel sind kein Weltuntergang, man lernt sogar eine Menge. Heute weiß ich, was mir bei der Arbeit wichtig ist und kann das auch äußern. Ich möchte als vollwertiges Teammitglied gesehen und auch so behandelt werden."


Uni und Arbeit

Dozentin über digitalen Semesterstart: "Es wird nicht perfekt, aber wir schaffen es"
Wegen der Coronakrise muss Alina Stolzenburg von zu Hause unterrichten. Wie geht es ihr damit?

Allein fühlt sich Alina Stolzenburg nicht – auch, wenn sie seit fünf Wochen im Homeoffice in ihrer Zweizimmerwohnung sitzt und ihr Büro an der Universität Osnabrück nicht betreten hat. Statt ihrer Kolleginnen und Kollegen sind da Yuki und Gizmo, ihre beiden Katzen. Wenn sie am Schreibtisch sitze und ihre Seminare vorbereite, seien die beiden immer dabei, erzählt die 25-Jährige am Telefon, sie lägen auf ihrem Schoß oder schnurrten um sie herum. "Sie haben auch schon die eine oder andere Videokonferenz gesprengt, weil sie sich in den Bildschirm gedrängt haben."

Alina findet das nicht unprofessionell. Im Gegenteil. Es entspricht dem Motto, das sie sich für die kommenden Wochen und Monate gegeben hat: "Es wird nicht perfekt, aber wir schaffen es."

Alina ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Gesundheitsforschung und Bildung der Uni Osnabrück. Sie und die anderen Hochschullehrer in Deutschland sind dieser Tage mit einer riesigen Herausforderung konfrontiert: Zum ersten Mal müssen sie ein Semester fast komplett digital beginnen. Die Bund-Länder-Vereinbarung zur Lockerung der Corona-Maßnahmen sieht zwar vor, dass manche Praxisveranstaltungen abgehalten werden dürfen, strenge Hygieneregeln vorausgesetzt. Die allermeisten Vorlesungen und Seminare müssen aber online stattfinden.

Wenig Zeit für die Umstellung

Für die Umstellung hatten Alina und ihre Kollegen nicht viel Zeit: Als sich Mitte März abzeichnete, dass der Hochschulbetrieb in diesem Sommersemester nicht wie gewohnt laufen würde, waren es gerade noch knapp sechs Wochen bis zum Vorlesungsbeginn, der wegen Corona vielerorts auf den 20. April verschoben worden war. "Natürlich bin ich wie alle anderen auch aus allen Wolken gefallen", erinnert sich Alina, "aber ich hatte keine Angst vor der Aufgabe."

Alina hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber vielen Kolleginnen: Sie bringt das nötige Wissen über Online-Lehre mit – zumindest in der Theorie. Denn die ehemalige Lehramtsstudentin unterrichtet nicht nur angehende Berufsschullehrer aus den Bereichen Pflege, Kosmetik und Physiotherapie, sondern arbeitet auch in einem Projekt mit, das die Studierenden zum Einsatz digitaler Medien animieren soll.