Bild: Unsplash / Bianka Gulyas

Chai war eine Ragdoll-Katze. Weißes Fell, stahlblaue Augen, flauschig. Im Alter von fünf Jahren starb Chai nach einer Operation bei ihrem Tierarzt. Das war es dann mit dem Katzenleben. Erst einmal.

Doch schon bald soll es eine neue Chai geben. Gleiches Fell, gleiche Statur, gleiche Gene. Chais Besitzerin Kelly will ihre Katze klonen lassen. 

Wo so etwas geht? In den USA natürlich. 

Während der Tierschutz in Deutschland ethische Einwände erhebt und Klonen nur in Ausnahmefällen erlaubt ist, weil es den Tieren Schaden zufügen kann, verdient ein Labor in den USA ordentlich Geld daran.

Wer einen Doppelgänger seines Haustieres erschaffen will, muss einige Gewebeproben seines Tieres an "ViaGen Pets" in Texas schicken – und bezahlen: Eine Katze klonen zu lassen kostet 25.000 Dollar (ca. 20.000 Euro), ein geklonter Hund das Doppelte.

Dass das fragwürdige Klonen für viele Besitzer sinnvoll investiertes Geld ist, zeigen die zahlreichen Kommentare auf der Webseite von "ViaGen Pets". Hier teilen Kunden die persönlichen Geschichten ihrer Haustiere.

Sie zeigen: Viele denken nicht daran, mit welchen Qualen das Klonen verbunden sein kann. Sie freuen sich schon auf den Doppelgänger ihrer Haustiere:

(Bild: Screenshot ViaGen Pets)
"Kailey ist mein absolutes Baby. Wenn ich sie nur irgendwie unsterblich machen könnte, würde ich es tun. Aber weil das nicht geht, habe ich ihr Gewebeproben entnehmen lassen, um sie eines Tages klonen lassen zu können. Ich werde traurig sein, wenn sie von uns geht, aber ich weiß jetzt, dass ein Teil von wieder bei mir sein wird." 
(Bild: Screenshot ViaGen Pets)
"Lemmie war mein Kuschelpartner – die Katzenliebe meines Lebens. Wir hatten eine psychische Verbindung, und als er an Krebs starb, starb ein Teil von mir mit ihm. Seine DNA zu präservieren und zu wissen, dass ich eine andere Katze, ähnlich wie ihn, haben kann, macht den Herzschmerz weniger schlimm." 

Auch Prominente haben ihre Tiere schon klonen lassen.

Die Schauspielerin Barbra Streisand ließ ihre Hündin Samantha von "ViaGen Pets" klonen. Sie hatte 14 Jahre mit der Hündin zusammengelebt. Als Samantha krank wurde, ließ Streisand ihr Gewebeproben entnehmen. Für sie sei es einfacher gewesen, die Hündin gehen zu lassen, als sie wusste, dass sie einen Teil von ihr am Leben erhalten konnte, sagte sie der Zeitschrift "Variety"

Nun hat Streisand nicht einen, sondern gleich drei Doppelgänger ihrer Hündin. Dem Labor war es gelungen, das Tier mehrfach zu klonen. 

Nur: Was hübsch aussieht und nach Zauberei klingt, ist es in Wirklichkeit nicht. 

"In Deutschland dürfen Tiere nur zu Forschungszwecken geklont werden und auch nur dann, wenn dafür eine Genehmigung erteilt wird", sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Das gelte für Haustiere, aber auch für landwirtschaftlich genutzte Tiere wie Kühe und Schweine. 

So läuft das Klonen eines Haustieres ab:

  • Zellen aus der Gewebeprobe des Tieres werden zunächst künstlich vermehrt.
  • Eine Zelle wird dann in ein unbefruchtetes Spender-Ei übertragen.
  • Während einer Zellfusion verbinden sich beide und es kann ein Embryo entstehen.
  • Der Embryo wird dann in eine Leihmutter übertragen. 
  • Dort kann das neue, alte Tier wie bei einer normalen Schwangerschaft heranwachsen und auf natürlichen Wege geboren werden. 

Der Deutsche Tierschutzbund lehne Angebote zum Klonen von Heimtieren strikt ab. Je nach Verfahren sei das Klonen von Tieren mit viel Leid bei den manipulierten Tieren und deren Trägertieren verbunden: Viele Klontiere würden noch vor der Geburt sterben oder kurz nach der Geburt Schmerzen empfinden. Die Tiere würden oft nicht lange leben oder nie vollkommen gesund sein. 

"Abnehmer von geklonten Tieren können sich also keineswegs sicher sein, dass sie ein gesundes Tier erhalten", so Schmitz. Klonen ist deshalb in Deutschland ein genehmigungspflichtiger Tierversuch, in der EU steht bislang eine Einigung über ein Gesetz zur Regelung der Klon-Technik aus. 

"ViaGen Pets" selbst wollte sich gegenüber bento nicht äußern. Über die Gefahren und Risiken des Klonens schreibt das Unternehmen auf seiner Seite: 

  • "Leider kommt es bei allen Formen der Reproduktion auch zu 'ungesunden Geburten'. Wir führen regelmäßige Gesundheitschecks an den Tieren durch, um ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen zu garantieren."
  • "ViaGen Pets gibt allen Kunden ein tierärztlich gechecktes, gesundes Tier. Wenn Tiere altern, sind sie den gleichen Risiken ausgesetzt, wie andere Hunde und Katzen." 

Für Kelly, der Besitzern von Katze Chai, scheinen die gesundheitlichen Risiken für ein geklontes Tier übrigens nichts an ihrer Entscheidung zu ändern. 

Für sie könne zwar keine Katze Chai jemals ersetzen, aber einen Teil von Chai wieder bei sich zu haben, bedeute alles für sie, schreibt Kelly auf ihrem Blog


Today

Belgien hat ein Anti-Sexismus-Gesetz – nun wurde erstmals ein Mann verurteilt

In Belgien ist zum ersten Mal in der Geschichte des Landes jemand wegen Sexismus verurteilt worden. Es handelt sich um einen jungen Mann, der auf offener Straße eine Polizistin beleidigt hat. Er soll nun eine Geldstrafe von 3000 Euro zahlen. (BRF/The Independent)

Der Vorfall liegt schon zwei Jahre zurück – aber erst jetzt gab es das Urteil. Der Mann soll bei Rot über eine Ampel gefahren sein. Als ihn die Polizistin ansprach, habe er ihr empfohlen, sie solle sich gefälligst einen Job suchen, der für eine Frau geeignet sei. Außerdem spreche er nicht mit Frauen, die "dreckige Hure" solle schweigen. Mehrere Beamte waren Zeugen.

Wenn der Verurteilte die Geldstrafe nicht zahlt, droht ihm Gefängnis.