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Dritte Folge der Reihe "Fragen, die du dich nicht traust, deinem Chef zu stellen"

Wer einen neuen Job sucht, hält meist in erster Linie nach spannenden Aufgaben und einem Unternehmen Ausschau, für das er oder sie gerne arbeiten möchte. Spätestens im Bewerbungsgespräch geht es dann aber schnell auch um Aufstiegsmöglichkeiten.

Studien zeigen, dass Bewerber neben der Vergütung und der Art der Tätigkeit bei der Jobsuche vor allem auch Wert auf mögliche Karriereschritte legen.

Das betrifft besonders Berufsanfängerinnen und -anfänger, schließlich will niemand ewig in dem Job arbeiten, den man nach der Ausbildung oder dem Studium als erstes angenommen hat. Aber wie mache ich Karriere? Was sind Zwischenschritte bis zu meinem Traumjob? Und wie zeige ich, dass ich mehr drauf habe, als das, was ich gerade mache?

Wir haben drei Personalprofis gefragt: Wie mache ich Karriere?

Diese drei kennen sich mit Chefinnen und Chefs aus:

Karin Lausch ist Beraterin für Führungskräfte- und Organisationsentwicklung.

Thomas Egenter ist als Vice President Human Resources beim Armaturenhersteller Hansgrohe für 4700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig.

Armin Trost ist Professor für Industrial and Organizational Psychology und Human Resource Management an der Business School der Hochschule Furtwangen.

Das sagt Karin Lausch:

"Heute weiß man, Menschen sind dann besonders gut und erfolgreich in dem was sie tun, wenn es das ist, was sie wirklich wollen. Du wirst also dann am wahrscheinlichsten Karriere machen, wenn du etwas tust, das dir liegt und Freude macht. Das gilt es erst einmal zu finden.

Aber keine Sorge, das musst du nicht sofort. In der Regel finden wir unsere Berufung erst über Umwege. Es ist leichter, erst zu erfahren, was man nicht will, als die Frage zu beantworten, was man will.

Starte im Beruf also mit dem, wozu du Lust hast. Du wirst irgendwann merken, was du nicht willst und daraus mehr und mehr ableiten, was du willst. Dann brauchst du eigentlich nur noch den Mut, diese Richtung auch einzuschlagen. Es lohnt sich!"

Harvard Business Manager

Der Harvard Business Manager zeigt jeden Monat, wie sich die neuesten Erkenntnisse aus der Managementforschung in der Praxis nutzen lassen – und das seit 40 Jahren. Zum Jubiläum lassen wir drei unserer Experten auf Fragen zu Job und Karriere antworten.

Das sagt Thomas Egenter:

"Karriereplanung fällt sehr individuell aus. Jeder muss für sich persönlich definieren, was 'Karriere machen' für ihn bedeutet. Möchte ich eine Abteilung führen? Möchte ich mich lieber in meinem Fachgebiet zum Spezialisten weiterentwickeln? Oder liegt mir besonders das Projektmanagement?

Man muss seine eigenen Stärken erkennen, Interessen und Neigungen definieren und wissen, was im Beruf Spaß macht. Danach ist es wichtig, sich Ziele zu setzen.

Man muss aber auch flexibel sein und Chancen wahrnehmen, die auf einen zukommen und die man selbst gar nicht bedacht hatte. Es braucht Leistungs- und Lernbereitschaft sowie Offenheit. Wer sich für eine Karriere mit Führungsverantwortung entscheidet, muss mit Menschen umgehen können.

Das heißt: gleichzeitig effizient und flexibel sein, ein Team motivieren und alle gemeinsam mit ihren individuellen Fähigkeiten zu Höchstleistungen anleiten können. Dies sind entscheidende Faktoren für das eigene Vorwärtskommen und den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens."

Das sagt Armin Trost:

"Junge Menschen haben häufig eine sehr diffuse oder stereotype Vorstellung davon, was Karriere überhaupt bedeutet. Viele verbinden mit einer erfolgreichen Karriere ein möglichst hohes Gehalt oder Verantwortung über ein großes Team, was mit einer möglichst hohen Position innerhalb einer Hierarchie einhergeht. Diese Vorstellung wandelt sich im Laufe des Lebens und man gewinnt einen neuen, reiferen Blick auf die Dinge.

Eine hohe Position in einem Konzern erscheint dann nicht mehr unbedingt erstrebenswert, weil man dafür einen extrem hohen Preis zu zahlen hat, etwa wenig Zeit für Freunde oder die Familie.

Ich denke, man hat dann erfolgreich Karriere gemacht, wenn man es geschafft hat, für andere Menschen in herausragender Weise nützlich zu sein und man dabei etwas tut, was man wirklich sehr gut kann.

Leider gibt es kein Rezept, um sagen zu können, wie man da hinkommt. Ich betrachte es als eine der zentralen und zugleich schwierigen Lebensfragen, dies für sich herauszufinden. Gerade in jungen Jahren ist man selten in der Lage, die Antwort auf diese Frage zu kennen. Man darf daher nie müde werden, sich mit sich selbst und seiner Umwelt reflektiert auseinanderzusetzen. Dabei hilft es, ein starkes Netzwerk aufzubauen und sich mutig in möglichst unterschiedlichen Bereichen auszuprobieren."


Gerechtigkeit

Meine Jugend in Thüringen: Er war schon immer da
Auch wenn Höcke erst 2014 nach Thüringen zog – sein Denken begegnete mir hier von klein auf.

Der Augenblick, in dem ich verstand, dass meine Heimat Thüringen ein Problem hat, begann mit einem Trinkspruch. Es war auf einer Studentenparty in Freiburg im Breisgau, als jemand rief: "Ex oder Arschloch!"

Ich kannte den Spruch so nicht. Denn in meiner Heimatstadt Gera im Osten Thüringens lautete er: "Ex oder Jude." Ich hörte ihn bei Grillpartys in der Datsche, am Tresen des lokalen Irish Pub und in der Großraumdisko hinten im Industriegebiet. 

Ich hatte ihn selbst nie gerufen. Aber in all den Jahren hat nie jemand den Mund aufgemacht, gesagt, dass das ein Problem ist. Und ich hatte einfach nie über den Spruch nachgedacht. Und das wiederum ist ein Problem, das bis ins Thüringen von heute strahlt – und zeigt, wie eine um die andere junge Generation dabei hilft, den Freistaat in ein braunes Nest zu verwandeln.

Bei den Landtagswahlen in Thüringen wurde die AfD in allen Altersgruppen unter 60 die stärkste Kraft. 

Bei den unter 30-Jährigen stimmten 24 Prozent für die AfD, bei den 30- bis 40-Jährigen sogar 28 Prozent. Nur die älteste Generation, die Ü60er, gaben den Rechten nur 16 Prozent Stimmanteil (Tagesspiegel). 

Als vor wenigen Wochen in Sachsen und Brandenburg gewählt wurde, fuhr die AfD auch dort Erfolge ein. Doch unter den Millennials wählten viele auch Grün.