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Ein Interview mit einem Generationenforscher

Wenn es um Beförderungen und Führungspositionen geht, werden die zwischen 1965 und 1980 Geborenen von ihren jüngeren Kollegen und Kolleginnen ziemlich abgehängt. Eine aktuelle Studie offenbart, dass die Vertreter und Vertreterinnen der sogenannten Generation X seltener befördert werden. Profiteure sind häufig die Millennials der Generation Y (Harvard Business Manager). Das zeigt eine Datenanalyse von mehr als 25.000 Managern und Managerinnen unterschiedlicher Länder und Branchen.

In der Studie heißt es, die Generation X werde auf dem Weg zur Chefetage von den Digital Natives überholt, da sie in der heutigen Arbeitswelt gefragter seien. Zu denen zählen aber nicht nur Millennials, sondern auch die Generation Z, die um die Jahrtausendwende geboren wurde. Dieser Generation wiederum werden andere Attribute zugeschrieben als den Millennials – aber was bedeutet das für das Arbeitsleben? Überholen die Zwanzigjährigen die Dreißigjährigen?

Auf wie viel Konkurrenz durch die Jüngeren müssen sich Millennials einstellen? 

Das haben wir den Diplompsychologen Rüdiger Maas gefragt.

Rüdiger Maas

Rüdiger Maas leitet das Institut für Generationsforschung in Augsburg und untersucht, worin sich die Nachwuchsgeneration Z beruflich von ihren Vorgängern und Vorgängerinnen unterscheidet. Die Ergebnisse seiner Studie hat er gerade als Buch veröffentlicht. Rüdiger ist Diplom-Psychologe.

bento: Die Millennials gelten als Digital Natives. Sind sie damit wirklich automatisch überlegen?

Rüdiger Maas: Die Generation Y kann sich das Leben ohne Internet kaum noch vorstellen. Das wirkt sich auf ihr technisches Verständnis aus, sie haben in den vergangenen Jahren neue technische Formate wie Apps entwickelt, flexible Arbeitsweisen wie das Homeoffice geschaffen und Startups gegründet. Damit haben sie die Arbeitswelt entscheidend mitgestaltet und die Älteren von ihren Ideen überzeugt.

Weil sie beim Aufkommen der neuen Technologien aber schon in einer erwachseneren Phase ihres Lebens waren, gehen sie anders damit um als die Jüngeren. Generation Y hat noch einen Bezug zur analogen Welt, wohingegen die Generation Z in einer Mischwelt aus on- und offline lebt und dazwischen gar nicht mehr unterscheidet. Analog hat die Generation Y also noch Vorteile, digital ist die Generation Z hingegen noch affiner.

bento: Was bedeutet das für die Generation Z?

Rüdiger: Die Jungen kennen die Welt nicht ohne Internet und sind durch Social Media stark geprägt. In den sozialen Netzwerken vergleichen sie sich ständig mit Gleichaltrigen. Das heißt für das Arbeitsleben aber auch, dass sie eher nach einem vermeintlich tollen Job suchen, über den sie viel posten können und der ihnen möglichst viele "Likes" beschert.

Zudem sind sie vergleichsweise wenig Leute – sie sind etwa vier Millionen weniger als die Generation X. Für sie ist es daher nicht immer leicht, ihre Forderungen durchzusetzen. Man könnte sagen, dass die Generationen X und Z bei ihren beruflichen Vorstellungen gar nicht mehr zusammenkommen. Also braucht es die Generation Y als Mittler, die beide Seiten verstehen.

bento: Und wo gehen die Vorstellungen von Arbeit bei den Generationen Y und Z auseinander?

Rüdiger: Die Generation Y hat den Begriff "Work-Life-Blending" geprägt. Das bedeutet, Millennials verbinden den Job mit dem Privaten, checken auch spät abends von zu Hause aus noch Mails, machen mit ihrem Team in der Mittagspause Sport oder gehen gemeinsam nach der Arbeit was trinken. Überstunden werden hier eher als selbstverständlich erachtet.

Ganz anders sieht das die Nachfolgegeneration Z, diese will die Arbeit wieder sauber von der Freizeit trennen. Hier sprechen wir von einer strikten "Work-Life-Separation".

bento: Gibt es also eine Werteverschiebung im Bereich Arbeit?

Rüdiger: Pünktlichkeit und Verbindlichkeit ist für die Generation Z nicht so wichtig. Und sie wollen sich nicht kaputt arbeiten. Freizeit und Familie haben für sie einen höheren Stellenwert.

Der Generation Y hingehen geht es um berufliche Selbstverwirklichung. Diese denkt stellenweise immer noch: Wer viel arbeitet, der ist fleißig. Das hat unsere Befragung bestätigt. Während die Generation Y also vor allem durch die Sinnsuche geleitet wird, interessiert sich die Generation Z verstärkt für das Gemeinwohl. Sie streben öfter Berufe im Bereich Nachhaltigkeit, Medizin, Pflege und Gesundheit an.

Millennials sind dafür bekannt, dass sie viele Praktika gemacht haben und dadurch in der Regel später ins Berufsleben starten. Häufig wechseln sie auch den Job, wenn sie den Nutzen ihrer Arbeit nicht mehr sehen. Obwohl auch die Generation Z oft den Arbeitgeber wechselt, ist ihnen Innovation und Kreativität im Job weniger wichtig.

bento: Warum ist die Generation Z so anders als die Generation Y, die sich häufig zu überarbeiten scheint? (Süddeutsche)

Rüdiger: Auch wir sind in einer Befragung mit knapp 2000 Jugendlichen und jungen Erwachsene in Deutschland zu dem Schluss gekommen, dass die Generation Z schon beim Jobeinstieg extrem hohe Erwartungen stellt und viel von einem potenziellen Arbeitgeber fordert. Sie wollen das Maximale für sich selbst herausholen und nicht etwa für das Unternehmen. Das ist aber nicht unbedingt schlecht, da die jungen Leute sich heute nicht mehr "ausbeuten" lassen, wie die Generation Y es in zahlreichen Praktika und mit unbezahlten Überstunden getan hat.

Unternehmen müssen heute darum buhlen, das Arbeitsumfeld für den Nachwuchs attraktiv zu gestalten. Die Jungen sind sehr behütet aufgewachsen und völlig gesättigt. Gehalt, Karriere oder Statussymbole interessieren sie daher nicht. Ihre Einstellung beim Jobeinstieg lautet: Was könnt ihr mir sonst noch bieten? Im Vergleich zu Generation Y sind sie aber auch weniger belastbar und könnten mit Krisen oder Stresssituationen schlechter umgehen. Das heißt auch, dass sie Rückschläge weniger gut verkraften.

bento: Wie äußerst sich die Einstellung der Generation Z im Verhältnis zu ihren Chefinnen und Chefs, die ja heute meist noch aus der Generation X stammen?

Rüdiger: Die Generation Z hinterfragt die alten Strukturen kritisch. Sie sind so digital- und technikaffin wie niemand sonst und ihren Arbeitgebern darin überlegen. Auch das macht sie so selbstbewusst.

Die Jungen beleuchten veraltete Abläufe in den Unternehmen, denken weniger hierarchisch und äußern direkt Kritik, wenn ihnen etwas nicht passt. Sie denken: Die Chefs und Chefinnen können ja auch etwas von mir lernen.

bento: Wollen junge Leute heute überhaupt noch in Führungspositionen?

Rüdiger: Etwa 65 Prozent unserer jungen Befragten der Generation Z haben angegeben, sie wollen nach dem Studium oder der Ausbildung relativ zeitnah in Führungspositionen tätig sein. Oft wissen sie jedoch nicht, was das bedeutet. Längere Arbeitszeiten und Selbstaufopferung wollen sie dafür nicht in Kauf nehmen.

Die Vertreterinnen der Generation Y hätten hingegen kein Problem damit, an ihre Grenzen zu gehen, wenn sie denn den Sinn in ihrer Führungsrolle erkennen. Mit mehr Verantwortung kann man diese Altersgruppe noch motivieren, denn dadurch kann sie sich mehr einbringen.

Generation Z hat hingegen nur ein Scheinselbstbewusstsein, da sie häufig noch nie gearbeitet haben. Unter ihnen ist es schon eher üblich, direkt nach dem Bachelor ins Berufsleben zu starten und durch die verkürzte Abi- und Studienzeit sind sie auch insgesamt jünger. Wir haben derzeit also junge, selbstbewusste Jobeinsteiger und Jobeinsteigerinnen, die mitdiskutieren und mitbestimmen wollen.

bento: Wird die Generation Z denn die Generation Y überholen und die Führungspositionen wegschnappen?

Rüdiger: Nein. Das denke ich nicht. Da die Generation Z nicht besonders loyal gegenüber dem Arbeitgeber ist, bleibt sie vergleichsweise kurz in einem Unternehmen. Das macht es schwieriger aufzusteigen. Für diese Generation ist es eher üblich zu gehen, sobald es unangenehm wird. Das ist nicht unbedingt eine Eigenschaft von Führungskräften.

bento: Welche Führungskompetenzen bringen die beiden Generationen mit?

Rüdiger: Generation Z hat höhere Moralvorstellungen, sie sind besonders sensibel, wenn es um Themen wie Sexismus oder Rassismus geht. Dazu kommt ihre starke Onlineaffinität. Bei Kritikgesprächen oder der zwischenmenschlichen Mitarbeiterführung wird die junge Generation dagegen eher nicht als so souverän wahrgenommen.

Und Generation Y zeichnet sich durch hohe Flexibilität und viel Empathie für ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus. Sie werden in Unternehmen in Zukunft als eine Art Scharnier zwischen der älteren Generation X und der jüngeren Generation Z fungieren.


Future

MINT-Studium abgeschlossen und nun? Was für eine Wirtschaftskarriere spricht

 

Wenn sich das Studium dem Ende nähert, drängt sich immer mehr die Entscheidung auf, wie es danach weitergehen soll. So einschlägig auch das Studium gewesen sein mag, so unterschiedlich sind am Ende doch die Möglichkeiten für die Absolventen. Für MINTler stellt sich oft die Frage, ob sie eine akademische Laufbahn einschlagen. Dabei gibt es gerade in der Wirtschaft immer mehr interessante Berufsbilder für Informatiker, Naturwissenschaftler, Mathematiker oder Techniker. Zudem bieten diese Jobs einige Vorteile gegenüber der Forschung und dem Universitätsbetrieb.

1.) Die Konditionen

 Naturwissenschaftler, Mathematiker und ITler sind derzeit sehr begehrt in der Wirtschaft. Ob als Data Consultant, im Transformation Management, der Cyberforensik oder in der Strategieberatung ­­– Absolventen werden händeringend gesucht. Entsprechend gut sind die Konditionen, die geboten werden. In der Regel können Bewerber hier zum einen mit unbefristeten Verträgen rechnen, zum anderen bieten Wirtschaftsunternehmen oft attraktive Gehälter schon für Einsteiger.

Wer eine Karriere mit Personal- und Projektverantwortung anstrebt, ist hier ebenfalls gut aufgehoben, da eine schnelle und individuelle Karriereentwicklung möglich ist. Bei einer akademischen Karriere muss man sich oft mit befristeten Verträgen begnügen und die Aussichten auf eine Professur sind nicht allzu sicher, zumindest nicht, wenn man räumlich unflexibel ist.

 2.) Die Arbeitsbedingungen

 Gute Konditionen sind allerdings nur die halbe Miete. Die Arbeit muss Spaß bringen und Möglichkeit zur Entfaltung bieten. Was die Tätigkeit in der Wirtschaft mit Sicherheit von der akademischen Laufbahn unterscheidet, ist das Tempo und die Vielfalt. Es ist sicher auch eine Typfrage, ob man sich lieber sehr intensiv in ein Thema einarbeitet und es bis ins Detail erforscht oder ob man eher der Typ für abwechslungsreiche Themen und Fragestellungen ist. In der Wirtschaft bist du zudem meist in interdisziplinären Teams aktiv, was deinen Horizont erweitert und dir spannende Einblicke in angrenzende oder auch ganz andere Bereiche gibt. Zudem hast du die Chance, Einblicke in die verschiedensten Branchen zu bekommen.

3.) Der Praxisbezug

 Die Arbeit in der Wirtschaft unterscheidet sich in diesem Punkt wohl am meisten von der Akademischen Laufbahn: Man sieht schnell die Ergebnisse der eigenen Arbeit und gestaltet so ganz reale Lösungen. Statt in der Theorie zu verweilen, geht es um reale Use-Cases mit Kundenorientierung. Das wiederum bringt oft direktes Feedback zu deiner Arbeit ein. Zu sehen, wie die eigenen Projekte das Unternehmen voranbringen und/oder Kunden glücklich machen, ist ein großes Plus im Arbeitsalltag.

 Was muss man mitbringen für eine Wirtschaftskarriere?

 Um in der Wirtschaft durchzustarten, bedarf es ein paar Skills. Dazu gehört vor allem Kommunikationsfähigkeit, denn Teamarbeit innerhalb des Unternehmens, aber unter Umständen auch Kundenkontakt, fordern das ein. Die Arbeit im Team sollte für dich nicht das notwendige Übel sein, sondern etwas, dass du schätzt, denn komplexe Fragestellungen erfordern mehrere Köpfe, die gemeinsam Lösungen finden müssen.

Hilfreich ist ein zudem ein gutes Zeitmanagement, um bei strengen Deadlines nicht ins Schleudern zu kommen.

Was es sonst noch braucht, um als Wissenschaftler in der Wirtschaft erfolgreich zu sein, findest du auch in unserem Artikel „Wie du als Wissenschaftler in der Wirtschaft Erfolg hast