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Stadt oder Land? Hektik oder Ruhe? Großkonzern oder Mittelstand? Theater und Kultur oder Sport und Spaziergänge? Wenn wir uns für einen Job entscheiden, entscheiden wir uns auch immer gleich für einen Wohnort mit. Wollen wir lieber Großstadttrubel oder die Ruhe des Landlebens?

Diese vier Frauen und Männer zeigen, dass Karriere und Landleben sich nicht ausschließen müssen. Hier berichten sie, was trotzdem nervt und warum sie die Großstadt nicht ganz loslassen können. 

Die Berliner Designerin im Allgäu

Melanie Gros(Bild: Privat)

Melanie Gros, 32, arbeitet bei Bergsportausrüster Vaude im Allgäu, vorher lebte sie in Berlin.

Zwei Dinge lagen mir schon immer am Herzen: Nachhaltigkeit und Sport. Als Modedesignerin wollte ich beides miteinander verbinden, bei Vaude kann ich das. 

Erst hat sich alles in mir gesträubt, von Berlin nach Tettnang zu ziehen. Es liegt ganz in der Nähe meiner Heimat – und ich liebe die Großstadt, außerdem wohnte mein Freund, ein Musiker, auch noch in Berlin. Am liebsten hätte ich frei aus der Ferne gearbeitet.

Erst bin ich wieder bei meinen Eltern eingezogen – wie ein krasser Rückschritt fühlte sich das an. Man wird unweigerlich wieder zum Kind. Nach ein paar Monaten habe ich meinen Vorgesetzten darauf angesprochen, dass es mit der Fernbeziehung zwischen Berlin und dem Allgäu schwierig ist. Er war sehr hilfsbereit, ich konnte dann einen Tag Home Office machen.

Das Gefühl von Zufriedenheit hat sich wieder eingestellt, als ich ausgezogen bin – mitten aufs Land. Sieben Häuser gibt es da nur, fünf davon Bauernhöfe. Wir haben Hühner, Katze, Hund und Pferde. Wenn schon Landleben, dann richtig. Es ist ein Paradies. 

Gerade in meinem Bereich ist es wichtig, Trends aufzuspüren. In Berlin macht man das so nebenbei. Hier falle ich schon mit silbernen Schuhen und neonroten Schuhbändern auf. Ich muss bewusst nach Trends recherchieren, auf Messen oder Store Checks fahren. Andererseits inspiriert die Natur natürlich wunderbar für Outdoor-Produkte.

Mein Freund wohnt mittlerweile bei mir, wir haben einen fast eineinhalbjährigen Sohn, die Wohnung in Berlin haben wir trotzdem behalten. Ganz lösen wollen wir uns nicht. 

Die US-Weltenbummlerin in Ostwestfalen

Pamela Taylor(Bild: Privat)

Pamela Taylor, 31, wurde in New Jersey geboren, studierte unter anderem in Marburg und Leipzig und arbeitet jetzt bei Bertelsmann in Gütersloh in Ostwestfalen in der Personalabteilung.

Ein viermonatiges Praktikum bei Bertelsmann hat mich von dem Job in Gütersloh überzeugt. Human Ressources ist dem Unternehmen sehr wichtig, die Kollegen sind super und Gütersloh erinnert mich von der Größe her sogar an meine Heimatstadt. 

Nun reise ich für Bertelsmann um die ganze Welt, um Nachwuchskräfte zu gewinnen, halte Vorträge an Unis, zeige Unternehmenspräsentationen. Ich bin eine Woche in München, dann in Barcelona oder Köln, und auch schon mal in New York – was meine Eltern sehr freut. Von Gütersloh in die weite Welt sozusagen. Der Konzern ist sehr international.

Mit Mitte 20 war mir Work-Life-Balance und eine coole Großstadt als Wohnort wichtiger, jetzt ist es die Karriere. Was mich manchmal stört: Hier ist man auf jeden Fall auf ein Auto angewiesen. Und als ich in München gewohnt habe, wollten mich um die Oktoberfestzeit deutlich mehr Menschen besuchen. 

Langweilig ist mir hier nie: Bevor ich nach Gütersloh kam, habe ich mir viele Bücher gekauft, ein Netflix-Abo abgeschlossen. Aber wenn ich nicht unterwegs bin, unternehmen wir mit den Kolleginnen und Kollegen so viel, dass meine Bücher leider nur im Regal stehen.

So sieht der perfekte Arbeitsplatz aus:

1. Mach in der Mittagspause einen Spaziergang im Park. Bring "Natur" in deinen Arbeitsalltag.
2. Schaff dir zum Beispiel einen schönen Ausblick. Wenn nicht durchs Fenster, dann auf einem Bild oder Bildschirm.
3. Betrachte deinen Arbeitsplatz und überleg dir bewusst, ein oder zwei Dinge, die du selbst verbessern kannst (z.B. Einstellung des Bildschirms, Aufräumen).
4. Such und schaffe dir die optimale Arbeitsumgebung für die Aufgabe, die du als nächstes bearbeiten willst. Entscheidend ist, dass du die Umgebung als passend empfindest...
... Das kann bedeuten, dass du dir Kopfhörer aufsetzt, um nicht durch Kollegen gestört zu werden, oder sich zur Besprechung mit einem Kollegen in der Cafeteria zu treffen.
5. Schaffe dir eine informelle, gemütliche Atmosphäre für kreative Aufgaben, Gedankenaustausch und informelle Besprechungen...
... und eine formelle und professionelle Atmosphäre, wenn du schnell, effizient und analytisch vorgehen willst.
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Die Spezialistin aus Jena in Oberbayern

Franziska Mech(Bild: Privat)

Franziska Mech, 33, arbeitet beim Pharmakonzern Roche und zog dafür von Jena nach Penzberg in Oberbayern

Während meines Studiums wurde mir klar, dass ich in die Krebsforschung möchte. Ich habe in Jena Bioinformatik studiert und mich anschließend während meiner Doktorarbeit dort auf sogenannte Bildanalysen spezialisiert. Es gibt nur wenige Unternehmen, die Stellen für meinen Forschungsbereich anbieten. Von daher war mir schnell klar, dass ich mir die Stadt nicht aussuchen kann.

Bei Roche in Penzberg – einer 16.000-Einwohner-Gemeinde – suchte man genau so jemanden, außerdem wohnte mein Freund in Bayern. Als ich zum Bewerbungsgespräch fuhr und hinter der Stadt die Alpen sah, war das schon Verkaufsargument genug. Es passte einfach alles.

Die bayerische, offene Biergartenmentalität mag ich sehr – es ist einfach, hier Anschluss zu finden. Enge Freundschaften, wie man sie aus der Schul- und Studienzeit kennt, habe ich hier noch nicht geschlossen. Aber das liegt weniger am Ort, sondern vielmehr am Berufsleben. Die Kollegen sind zu Freunden geworden. 

Das Angebot in Jena war einfach typisch Studentenstadt. Lauter Sportangebote: Zumba, Taekwondo, Chi Gong, es gab im Sommer eine Kulturarena unter freiem Himmel, Kinos, eine trubelige Kneipengasse. Das alles vermisse ich aber gerade nicht. Ich konnte den Lärm nicht mehr ertragen. Wir sind deshalb jetzt auch Mitten aufs Land zwischen München und Penzberg gezogen.

Der Trainee aus Barcelona im Schwarzwald

Stefan Lindheimer(Bild: Privat)

Stefan Lindheimer, arbeitet bei Hansgrohe in Schiltach im Schwarzwald, ein Unternehmen der Bad- und Küchenbranche. Vorher hat er unter anderem in Deggendorf in Niederbayern und in Dänemark in der Nähe von Kopenhagen studiert. Hinzu kommen Praktika und Auslandsaufenthalte in Brasilien, Peru, Bolivien und ein Trainee bei Seat in Barcelona.

Ich habe mir die Frage gestellt: Was will ich beruflich erreichen? Mein Ergebnis: Für junge, ambitionierte Menschen bietet der Mittelstand viel mehr Möglichkeiten als ein Großkonzern, in dem es sehr strukturiert und hierarchisch zugeht. 

Der Fokus lag bei mir nicht auf der Region, sondern auf der Möglichkeit, die mir der Job bietet. Der Mittelstand ist die treibende Kraft der Wirtschaft – man kann sich aktiv einbringen, seine Fußstapfen hinterlassen. Als Business Consultant berate ich den Vorstand und kann die Zukunft des Unternehmens mitgestalten.

Hansgrohe ist da sehr transparent und hat im Vorstellungsgespräch gesagt, dass mir bewusst sein muss, dass es in die Natur, aufs Land geht. Was mich an der ländlichen Gegend des Öfteren stört, ist , dass man nicht bis 22 Uhr einkaufen gehen kann, nicht zwischen zehn Fitnessstudios wählen kann und beim Essengehen nur der Italiener bleibt – American Style, Asiatisch und Indisch sucht man vergeblich. 


Grün

Die EU will Tierversuche für Kosmetik verbieten lassen – und zwar weltweit
So wollen die EU-Diplomaten das anstellen.

Was ist passiert? 

Die Europäische Union hat beschlossen, Tierversuche für Kosmetika weltweit verbieten zu lassen. Das EU-Parlament stimmte am Donnerstag für den Plan, sich bei den Vereinten Nationen für ein internationales Verbot stark zu machen. 

Bis 2023 soll die diplomatische Initiative umgesetzt werden. Außerdem soll die Entwicklung von alternativen Testmethoden unterstützt und gefördert werden.