Bild: Stefan Stefancik/Unsplash

Mit Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeiten, die fast so alt sind wie die eigenen Eltern – für die meisten Berufseinsteiger ist das Alltag. 2017 waren deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich 43 Jahre alt. In einigen Branchen ist das Durchschnittsalter sogar noch höher. 

Dieser Altersunterschied kann oft ein Vorteil sein. Ältere Kollegen haben oft mehr Routine, auf jeden Fall mehr Erfahrung. Doch es gibt auch Barrieren im Umgang miteinander: Wem lässt man im Aufzug den Vortritt? Kann man am Montag von der Party am Wochenende erzählen? Und wie oft muss man sich schon bekannte Dinge eigentlich noch erklären lassen?

Vor allem aber: Wie wird man als junger Mensch im Beruf ernst genommen? Das Jobtrio sucht nach Antworten.

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 137 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Johanna Runge, 21, hat gerade ihre Ausbildung zur Raumaustatterin abgeschlossen. Am liebsten arbeitet sie aber alte Möbel in der Polsterei auf. Auch wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, viel lernen will sie trotzdem noch.

In unserer Kolumne beantworten die drei Fragen, die sich besonders Bebrufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten. 

Heute: Ich bin die jüngste Person im Team – wie werde ich ernst genommen? 

"Geht Mittagessen!" – das empfiehlt Chef Lasse Rheingans: 

"Auch ich habe nicht als Chef angefangen. In meinem ersten Studentenjob habe ich auf internationalen Ärztekongressen Kabel verlegt, Computer eingerichtet und Mikrofone eingepegelt. Ich war viel unterwegs: Berlin, Stockholm, San Diego. Es war ein toller Job, aber auch stressig. 

Praktisch alle um mich herum hatten etwas zu sagen und einen Doktortitel. Meine Aufgabe war es dagegen, vor allem nichts falsch zu machen. Wie wird man da ernstgenommen? 

Ich glaube, es ist ganz einfach: Es gibt immer jemanden, der es besser weiß, in jedem Beruf. Ob auf dem Ärztekongress oder im Großraumbüro: Von erfahreneren Kollegen kann man viel lernen. Früher habe ich selbst viel gefragt, heute kann ich manches schon weitergeben. 

Ich sehe in meinem Team, dass es vielen jungen Kollegen schwer fällt, noch einmal nachzufragen. Wir arbeiten nur fünf Stunden am Tag zusammen, deshalb ist es vielleicht besonders stressig. Wir besprechen dann einfach viel beim Mittagessen. Die jüngeren Kollegen können so entspannter fragen, was sie noch wissen wollen. Und ich kann Dinge erklären, die ich als Chef wichtig finde, ohne dass es belehrend wirkt. Oft weiß ich danach selbst auch etwas Neues, wir lernen schließlich alle noch dazu."

"Respektiert uns!" – das sagt Kassiererin Dagmar Prüter: 

"Ich erinnere mich noch gut an meine Anfangszeit als Verkäuferin in einem Modegeschäft. Das war in den Sechzigerjahren. Als junger Mensch hatte man ruhig zu sein, bis man etwas gefragt wurde. Unser Chef stand oft oben im ersten Stock zwischen den Hemden und schaute uns von oben bei der Arbeit zu. 

Heute ist das zum Glück anders, inzwischen bin ich die Älteste. Oft kommen junge Kollegen und Kolleginnen zu mir und erzählen mir Geschichten aus ihrem Leben. Das gefällt mir, ich bin ja auch neugierig. Und manchmal kann ich ihnen natürlich auch helfen, egal ob es Tipps an der Kasse sind, Bewerbungen oder Liebeskummer. Mit 77 weiß man eben so einiges. 

Was kannst du also tun? Ich würde sagen: Sei aufmerksam und freundlich! Am Ende ist es doch ein Tauschgeschäft – wir wollen alle respektiert werden. Sei offen zu uns Alten und denk nicht nur an dich. Hilf uns, wenn wir etwas nicht verstehen. Auch für uns gibt es viel Neues. Wenn du uns fair behandelst, nehmen wir dich auch ernst." 

"Arbeitet zusammen!" – das meint Handwerkerin Johanna Runge: 

"Ich glaube, ich hatte noch nie Angst vor älteren Kollegen. Warum auch? Es gab doch einen Grund, warum ich als junger Mensch neu eingestellt wurde. Darauf kann man stolz sein. Dennoch sollte man wissen, was man kann und was eben noch nicht. Am Anfang schadet etwas Demut bestimmt nicht.

Gerade arbeite ich mit einer Kollegin zusammen, die neu in der Polsterei ist, aber fast doppelt so alt ist wie ich. Wir profitieren beide voneinander. Sie zeigt mir, wie ich gelassener bleiben kann, auch wenn es hektischer zugeht. Und ich zeige ihr, wie man Sofas mit Stoff bespannt. Wir arbeiten gut zusammen.

Manchmal kommt sogar meine Chefin zu mir, weil sie weiß, dass ich bestimmte Dinge gut kann. Das ist natürlich toll. Auf der anderen Seite hatte ich auch schon ältere Kollegen, bei denen die Zusammenarbeit nicht so gut lief, weil sie mir ständig zeigen wollten, dass sie es besser wissen. Mit so jemandem will niemand gerne zusammenarbeiten. Die besten Ergebnisse erzielt man doch nur, wenn mann an einem Strang zieht."


Queer

"Transsein hat mich meinen Job gekostet" - Wie Henry in seinem Job als Krankenpfleger diskriminiert wurde
Out im Job: Folge 5

"Finden Sie nicht, dass Sie für einen Mann ganz schön klein sind und zu viel Busen haben?" Solche Aussagen musste sich Krankenpfleger Henry anhören, als er vor drei Jahren seiner Chefin erzählte, er wolle nicht länger als Frau angesprochen werden. Denn Henry ist trans. Der 28-Jährige lebte lange als Frau, doch er fühlte sich als Mann.

Mit 25 entschloss sich Henry dazu, seinen Körper angleichen zu lassen. Er begann eine Hormontherapie und beantragte eine Vornamens- und Personenstandsänderung. In dem Krankenhaus, in dem er arbeitete, verkündete er den Kollegen und Kolleginnen seinen neuen Namen. Das stieß vor allem bei seiner Vorgesetzen auf Unverständnis.

Jahrelang hatte er sich für die Arbeit aufgeopfert, Sonderschichten übernommen. Doch am Ende wurde sein Vertrag nicht verlängert.

Im Video erfährst du, wie Henry während seiner Geschlechtsangleichung um mehr Anerkennung in seinem Job als Krankenpfleger kämpft.