Bild: Amy Hirschi / Unsplash

Und, wie war ich? Diese Frage stellen sich viele Menschen – auch nach den ersten Tagen im neuen Beruf. Nur gesprochen wird darüber bis zum ersten Jahresgespräch selten. Wer mit seinem ersten Job anfängt, will über vieles reden, aber bitte nicht über die eigene Leistung. Machen wir unsere Sache gut? Gibt es Dinge, die wir noch lernen können? Und wer redet überhaupt in so einem Gespräch?

Viele junge Menschen macht das erste Jahresgespräch ziemlich nervös. Was will die Chefin überhaupt wissen? 

Wie blicken Menschen mit mehr Lebenserfahrung darauf? Und was sagen andere Menschen, die gerade erst angefangen haben? 

Darüber haben wir mit unserem Job-Trio gesprochen gesprochen:

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 137 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 40, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Johanna Runge, 21, hat gerade ihre Ausbildung zur Raumaustatterin abgeschlossen. Am liebsten arbeitet sie aber alte Möbel in der Polsterei auf. Auch wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, viel lernen will sie trotzdem noch.

In unserer Kolumne beantworten die drei Fragen, die sich besonders Bebrufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten. 

Heute: Wie führe ich mein erstes Jahresgespräch?

Das sagt Chef Lasse Rheingans:

"In meinen Augen sollte ein Jahresgespräch kein einseitiger Monolog sein, sondern ein ehrliches Feedback in beide Richtungen. In erster Linie will ich herausfinden, ob die Erwartungshaltung an das neue Teammitglied und die Erwartungen an den Job stimmig sind.

So eine besondere Situation sollte gut vorbereitet sein. Geh vorher ein paar Fragen durch: Wie fühlst du dich im Team? An welchen Stellen brauchst du Unterstützung? Wo könntest du deine Kompetenzen noch besser einbringen? Wenn sich beide Seiten darüber Gedanken gemacht haben, fällt der Rückblick gleich viel leichter."

Das denkt Handwerkerin Johanna Runge:

"Ich kann es mir gut vorstellen, dass das erste Jahresgespräch Respekt einflößt. Bei meinem ersten Mal habe ich aber auch gelernt, dass es oft ganz anders kommt, als man denkt. Weil es gut lief und mein Chef zufrieden war, bekam ich damals eine freiwillige Gehaltserhöhung. Das hat mich wirklich motiviert.

Grundsätzlich würde ich nicht nur zurückblicken, sondern auch nach vorne schauen. Ich finde es wichtig, eigene Pläne zu haben, wie es im Job weitergeht. Ich hatte das Glück, dass ich mit meinem Chef offen über meine Zukunft sprechen konnte. So wusste er, dass ich nach der Ausbildung in einen anderen Betrieb möchte, um weitere Fähigkeiten zu lernen. Im Handwerk ist das nicht ungewöhnlich. Weil wir so offen darüber geredet haben, konnte er rechtzeitig einen neuen Auszubildenden suchen und hat mir beim Wechsel geholfen. Das war für uns beide gut."

Das meint Kassiererin Dagmar Prüter:

"Mein letztes Jahresgespräch ist schon viele Jahre her. Mittlerweile zählt bei meiner Leistung nur noch eines: Entweder stimmt die Kasse abends oder nicht. Wenn mein Chef dennoch mal etwas von mir wissen will, kommt er zu mir. Wir reden offen miteinander. Ich muss hier ja nichts mehr werden, das ist zu Beginn natürlich anders.

Dennoch finde ich, dass junge Kolleginnen und Kollegen ruhig öfter den Mund aufmachen könnten. Wenn euch was nicht passt, sagt das doch! Probleme müssen raus. Ihr macht niemanden glücklich, wenn ihr nur still eure Aufgaben erledigt. Die meisten Chefs mögen es, wenn man ihnen sagt, was sie besser machen können. Oft sind es ja nur kleine Dinge. Dafür reißt euch doch niemand den Kopf ab."


Streaming

"Black Mirror" regt uns in den neuen Folgen nicht mehr zum Nachdenken an – es parodiert sich selbst

Eine alternative Realität, in der man sich all seine Erinnerungen wieder und wieder ansehen kann, eine Welt, in der dicke Menschen zu Personen zweiter Klasse werden und ein britische Premierminister, der vor die Wahl gestellt wird: Entweder er hat vor laufender Kamera Sex mit einem Schwein oder ein Mitglied der Königsfamilie muss sterben. Seit 2011 versetzt eine britische Serie Fernsehkritikerinnen und Medienwissenschaftler in Begeisterung: "Black Mirror" war damals auf dem britischen TV-Sender Channel 4 gestartet, der Erfinder Charlie Brooker wurde für die düsteren Zukunftsszenarien gefeiert, die er in der Serie entworfen hatte.

Auf Netflix ist nun die fünfte Staffel von "Black Mirror" gestartet – und von der Genialität ist wenig geblieben. 

In früheren Staffeln bestach die Serie häufig mit dystopischen Elementen, die teilweise erschreckend nahe an der Realität waren und die Zuschauer verstört zurückließen. 

Solche Momente gibt es in der fünften Staffel der Serie nicht. In der ersten Episode geht es um zwei Kumpels, die in einem Virtual-Reality-Game Sex haben, woran die reale Beziehung des einen droht zu scheitern. In der zweiten Folge wird sehr plakativ Kritik an großen Sozialen Medien und ihrer Macht geübt – in einer spannend erzählten Story, die am Ende einen recht unspektakulären Twist bereit hält. 

In ihrer letzten Folge,  endet die ohnehin lahme neue Staffel schließlich an einem Tiefpunkt. Mit "Rachel, Jack and Ashley Too", einem merkwürdigen Mix aus Coming-of-Age-Drama und Dystopie mit Miley Cyrus in der Hauptrolle, parodiert sich "Black Mirror" beinahe selbst. 

Cyrus spielt die Popsängerin Ashley O. Ihre reale Persönlichkeit unterscheidet sich erheblich von der öffentlichen Ashley O –  von welcher eine KI-Version auf den Markt gebracht wird, quasi eine singende Alexa, die sich auch noch bewegen kann. Parallel wird die Geschichte von Rachel erzählt. In der KI namens "Ashley Too" findet die 15-Jährige nach dem Tod ihrer Mutter eine Freundin und einen Weg, ihre Einsamkeit zu überwinden. Der Mini-Roboter zeigt ihr Dancemoves, gibt Schminktipps und motiviert sie, vor der Schule den Tanz aus den Ashley-O-Musikvideos aufzuführen – inklusive Phrasen wie "Wenn du es wirklich willst, kannst du es auch schaffen".