Schon mit zwölf Jahren habe ich mich für Aktien und Kunst interessiert. Als kleiner Junge lief ich jedes Jahr über die Kunstmesse in Köln und las beim Frühstück täglich Aktienkurse mit einer Begeisterung wie andere die Fußballergebnisse. Die Ausschläge der Wertpapierpreise von IT- und Chemiefirmen nach unten und oben waren für mich ähnlich unerklärlich und deshalb faszinierend wie die Filz- und Fett-Arbeiten von Joseph Beuys.

Kein Wunder also, dass ich noch vor meinem 18. Geburtstag mein erstes Kunstwerk (Leider kein Beuys) und meine ersten Aktien erwarb: Papiere von Fielmann, der Optiker aus Norddeutschland ging gerade an die Börse, also schlug ich zu. Etwas später stieg ich bei der Modedesignerin Jil Sander ein – weil ihre Entwürfe für mich beinahe Kunst waren. 

Der Vorteil: Ich hatte damit vielen Altersgenossen etwas voraus, schließlich interessierte ich mich zu einem Zeitpunkt für Aktien, als ich noch Taschengeld bekam, und konnte früh anfangen zu investieren. 

Der Nachteil: Ich kaufte einfach, was mir gefiel – statt wochenlang Bilanzen studiert oder mich mit Finanztheorie beschäftigt zu haben. Erst Jahre später begriff ich, wie falsch ich damit lag – und wie leicht es ist, auch mit einem kleinen monatlichen Beitrag ein kleines Vermögen aufzubauen.

Neben Fielmann und Jil Sander kaufte ich über die Jahre unter anderem Anteile am Pharmaunternehmen Merck, dem Axel Springer Verlag, dem norwegischen Ölriesen Statoil, der schwedischen Swedbank und natürlich der Deutschen Telekom. Irgendwie passten die mir alle gerade in den Kram, meist investierte ich irgendetwas zwischen 500 und 2000 Euro pro Posten.

So genau kann ich das nicht mehr sagen, denn ähnlich unstrukturiert wie die Kaufentscheidungen war damals meine Buchführung. Im Grunde genommen hatte ich überhaupt keine: Ich kaufte und irgendwann verkaufte ich halt wieder. 

Aktien-ABC

Rendite: So wie beim Ackerbau nach einer erfolgreichen Aussaat irgendwann die Ernte eingefahren wird, werfen Finanzanlagen Geld als Ertrag ab. Das nennt sich dann Rendite; häufig wird auch der Begriff Performance benutzt. Um die Rendite unterschiedlicher Anlagen vergleichbar zu machen, wird diese als Anteil des ursprünglichen Investments ausgedrückt und in Prozent angegeben.

Dividende: Der an die Aktionäre ausgezahlten Unternehmensgewinn.

Weil ich so unsystematisch vorging, kann ich mich nur an eine einzige Rendite konkret erinnern: Als ich einmal zur Jil Sander-Hauptversammlung – dem jährlichen Treffen der Aktionäre – nach Hamburg fuhr, bekam ich zusätzlich zur Dividende ein ziemlich teures Parfum. Dessen Duft schmückte mich und das hübsche Flakon das Bad. 

Viel zu lange hatte ich aber keinerlei Überblick, ob und welchen finanziellen Gewinn mir meine Aktien gebracht hatten. Ich hatte mir nirgends den aktuellen Wert notiert und deshalb keine Ahnung, ob ich damit grad im Plus oder Minus war. Die Bank gab das damals nicht an und auch heute sind viele automatischen Berechnungen mangelhaft, etwa weil Ver- und Zukäufe nicht richtig berücksichtigt werden. 

Das ist dumm; denn bei Aktien sollte man zumindest einmal pro Jahr einen Kassensturz machen. Das soll nicht heißen, bei Verlusten zu verkaufen! Es ist aber wichtig, die Zusammensetzung des Depots und die Wertentwicklung zu kennen – nicht zuletzt, um zu verstehen, wie der Finanzmarkt funktioniert.

So wie ich es lange gemacht habe, machen es wohl die meisten Kleinanlegerinnen und Kleinanleger. Für die Steuer reicht es heutzutage, jedes Jahr Gewinne und Verluste in Euro abzurechnen. 

Für einen selbst entscheidend sind aber die Prozentwerte. Denn ob eine Anlage pro Jahr drei Prozent Rendite abwirft oder sechs Prozent, ist ein ziemlicher Unterschied. Im Vergleich zum Sparkonto, bei dessen Zinsen derzeit eine Null vor dem Komma steht, ist beides viel – aber sechs ist immer noch das Doppelte von drei. 

Buch "Reich wie Norwegen"

Eine höhere Rendite als der Dax und das bei weniger Risiko – der Erfolg des norwegischen Ölfonds ist beeindruckend. Wie auch Kleinanleger nach norwegischem Vorbild erfolgreich investieren können, erklärt Clemens Bomsdorf in einer fünfteiligen Serie bei bento. Wer es noch detaillierter wissen will, dem sei sein Buch empfohlen: "So werden Sie reich wie Norwegen – Genial einfach ein Vermögen aufbauen", erschienen bei Campus. (Wenn du über diesen Link kaufst, bekommen wir unter Umständen eine Provision.)

Wer seine Geldanlage gut strukturiert und auch auf Aktien setzt, hat gute Chancen, im Schnitt auf eben jene drei bis sechs Prozent pro Jahr zu kommen. Welcher Wert erreicht wird, hängt nicht nur davon ab, was die Zukunft bringt, sondern auch davon, wie risikowillig man ist. 

Langfristig macht der Unterschied viel aus, deshalb ist es wichtig, seinen Erfolg oder Misserfolg genau zu kennen. Konkret: 

  • Bei einem Prozent jährlichem Gewinn braucht jeder Euro 72 Jahre, bis daraus das Doppelte geworden ist. 
  • Bei drei Prozent jährlicher Rendite gelingt das in 24 Jahren und 
  • bei sechs Prozent schon in nur zwölf Jahren. (Es ist übrigens ganz einfach, die Verdoppelungszeit annäherungsweise auszurechnen: Stets 72 durch den jährlichen Gewinn-Prozentsatz teilen. 72 : 6 = 12.)

Affiliate-Links. Was ist das?

Wir haben in diesem Text Affiliate-Links gesetzt. Das heißt: Wenn jemand auf einen Link im Artikel klickt, und das Produkt in dem Online-Shop tatsächlich kauft, bekommen wir in manchen Fällen eine Provision. Das hat keinen Einfluss auf unsere Berichterstattung.

Das heißt auch: Wer schon mit Mitte Zwanzig anfängt, ein wenig zurückzulegen, kann sich von dem Geld ein Sabbatical finanzieren. Oder eine Weltreise. Oder – Achtung, jetzt wird es langweilig! – er kann sich seine Rente aufbessern: Jeden Monat 50 Euro ab Mitte Zwanzig investiert, können die Rente bei sechs Prozent jährlichem Plus um fast 600 Euro monatlich aufstocken.

Sechs Prozent pro Jahr sind übrigens genau die Rendite, die der norwegische Ölfonds seit Start im Jahr 1998 erwirtschaftet hat. Der zeichnet sich durch eben genau das aus, was ich anfangs nicht gemacht habe: Geldanlage gut zu strukturieren und langfristig systematisch statt sprunghaft anzulegen. 

Wieso Kleinanleger und der größte Staatsfonds der Erde sich so ähnlich sind und was das für die eigene Geldanlage heißt, darum geht es im zweiten Teil.

So wirst du reich wie Norwegen. Alle Artikel im Überblick

In einer fünfteiligen Serie erklärt der Journalist Clemens Bomsdorf bei bento, wie Kleinanleger nach norwegischem Vorbild erfolgreich investieren können. 

Teil 1: Ich habe mit 18 meine erste Aktie gekauft – das habe ich seitdem gelernt

Teil 2: Du willst reich werden, ohne zu arbeiten? Dann nimm dir Norwegen zum Vorbild

Teil 3: Du hast keine Ahnung von Aktien? So machen sie dir sogar Spaß

Teil 4: Erfolgreich Aktien kaufen: Diese fünf Dinge solltest du beachten

Teil 5: Ooops, aus Versehen in Schusswaffen investiert?


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