Bild: privat
Omosolas Erfolgsgeschichte macht allen Mut, die anders sind

Omosola Odetunde ist in ihrem Berufszweig etwas Seltenes. Sie ist nicht nur eine Frau, sondern auch schwarz. Und sie ist eine von nur knapp einem Prozent afroamerikanischer Frauen, die einen Universitätsabschluss in Informatik haben.

Omosola, 26, sitzt in einem Café in Berlin-Kreuzberg, unweit ihrer neuen Arbeitsstelle. Ihre langen Flechtzöpfe hat sie zusammengebunden. Sie trägt Jeans und ein verspieltes Top, das ihre Großmutter bei einem Schneider in Nigeria hat anfertigen lassen.

Ihr Laptop steht geöffnet vor Omosola, ihre Finger rasen über die Tastatur, sie wechselt von einem Fenster zum anderen, wischt nebenbei auf ihrem Smartphone. "Ich muss nur kurz eine E-Mail von 'Clue' beantworten", sagt sie.

(Bild: privat)

"Clue" – das ist eine App, über die Frauen ihre Periode und fruchtbaren Tage beobachten können. Dabei gibt es 36 Kategorien, bei denen man unter anderem den Beginn und die Stärke der Blutung, die Körpertemperatur oder den Zustand der Haut angeben kann. 

Die App wertet die Daten aus und misst zum Beispiel, wann es am wahrscheinlichsten ist, schwanger zu werden. Weltweit nutzen über fünf Millionen Menschen die App.

In Berlin werde ich nicht als Schwarze gesehen. Sondern als Frau
Omosola

Omosola arbeitet seit vergangenem Sommer für das Start-up in Berlin. Sie ist als Programmiererin verantwortlich dafür, neue Features zu entwickeln und zu testen.

Die meisten hätten eine falsche Vorstellung von ihrem Job, sagt Omosola. Um ein neues Feature zu kreieren und es benutzerfreundlich zu gestalten, müsse sie viel mit den Usern interagieren und Gespräche führen.
 
Sie müsse wissen, für wen sie schlussendlich das Programm baue, und brauche Feedback von Testpersonen, die entweder ins Büro kommen oder an Umfragen teilnehmen. Neben der technischen Arbeit findet Omosola es spannend, auch etwas über die Gefühle und Hintergründe der Testpersonen zu erfahren. "Natürlich alles vertraulich", sagt sie.

Wer bin ich, wer will ich sein? Unsere besten Texte über Identität:
1/12

Omosola wuchs als Tochter nigerianischer Eltern mit ihren drei Schwestern in einem Vorort von Houston, Texas, auf. Mit 18 zog sie nach Stanford, um Informatik zu studieren.

Obwohl Software-Entwicklerin kein gängiger Berufswunsch für Frauen war und ist, wusste Omosola früh, dass sie was mit Computern machen will. In der achten Klasse machte sie einen Web Design-Kurs, in dem kaum Mädchen saßen, danach änderte sie über HTML-Codes ihr Profil bei MySpace. Und merkte, wie sehr ihr das Programmieren gefiel. In der zehnten Klasse belegte sie dann weitere Informatikkurse.

Manche Leute erklärten mir Dinge, die ich bereits kannte
Omosola

Für ihre Familie war es nie ein Problem, dass Omosola von zu Hause weg wollte, um in einem anderen Bundesstaat zu studieren und anschließend in einem anderen Land zu leben und zu arbeiten. Ihre Eltern – die Mutter Ärztin, der Vater Universitätsprofessor – wanderten damals selbst aus Nigeria in die USA aus.

Auch ihre Schwestern und der Rest der Großfamilie leben auf der Welt verteilt. Mindestens zweimal im Jahr, meist zu Weihnachten und im Sommer, treffen sie aber alle aufeinander. Besonders ihre Mutter unterstützt sie bei all ihren Vorhaben und möchte, dass sie glücklich ist – egal in welcher Zeitzone sie sie anrufen muss.

Finanziert hat Omosola ihre Pläne jedoch meist selbst. Ihre Mutter bezahlte zwar für ihr Bachelorstudium, doch Omosola hatte immer Nebenjobs oder bezahlte Praktika. Für ihren Master erhielt sie sogar ein Stipendium.

Während des Studiums ging sie für ein Auslandssemester und einige Praktika nach Berlin, arbeitete für die Sprach-App "Babbel". Nach ihrem ersten Aufenthalt war ihr klar, dass sie auch künftig in Berlin leben und arbeiten will.

Denn hier fühlt sie sich akzeptiert, sagt sie: "In Berlin werde ich nicht als Schwarze gesehen. Sondern einfach als Frau."

Zuvor sei ihr technisches Können und Wissen oft in Frage gestellt worden, sie habe sich besonders zu Beginn nicht respektiert gefühlt. Und sie habe erlebt, dass sich andere ihre Erfolge hätten zuschreiben lassen, obwohl sie kaum oder nichts damit zu tun gehabt hätten.

Manche gingen davon aus, dass ich keine Ahnung hatte
Omosola

Wenn sie einen Raum betreten habe, um vor Fremden eine Präsentation zu halten, sei niemand davon ausgegangen, dass sie die Referentin oder eine Programmiererin gewesen sei, sagt sie.

"Manche Leute erklärten mir Dinge, die ich bereits kannte, weil sie davon ausgingen, dass ich ungebildet war oder keine Ahnung vom Fach hatte", sagt sie.  

Omosola arbeitete nach ihrem Master-Abschluss ein Jahr in Kanada, seit 2016 ist sie nun in Berlin. Die App "Clue" kannte und benutzte sie, lange bevor sie für das Start-up zu arbeiten begann. 

In Berlin hingegen spiele die Tatsache, dass sie schwarz und weiblich sei, weniger eine Rolle, sagte. sie. Kaum jemand würde aufgrund ihrer Hautfarbe denken, dass sie weniger drauf habe.

(Bild: privat)

Doch ohne Vorurteile geht es dann doch wieder nicht – auch in Deutschland nicht. Bis heute nerve es sie, dass sie sich wegen ihres Jobs damit auseinandersetzen müsse.

"Es heißt eben oft, dass man in dieser Branche bestenfalls männlich, weiß und ein Nerd sein muss. Wenn du gut in IT bist, dann hast du kein Sozialleben. Davon gehen die Leute aus", sagt Omosola.

Sie ist selbstbewusst, tanzt gern, mag Museen und Ausstellungen. Ihr gefalle es, anders zu sein, sagte sie. Es mache ihr nichts aus, aufzufallen

"Ich glaube, das ist das Rezept für meinen Erfolg in dieser männerdominierten Branche. Es ist mir egal, was Leute über mich denken", sagt sie.

"Ich war immer schon eigensinnig und dickköpfig." Sie sei davon überzeugt, dass niemand etwas Neues schaffen könne, wenn er ständig versucht, sich anzupassen – und immer nur das macht, was alle machen.


Gerechtigkeit

Frauke Petry findet es völlig okay, wenn Frauen das schwache Geschlecht sind

Frauke Petry braucht ein Thema. Die ehemalige AfD-Chefin sitzt seit ihrem Austritt parteilos im Bundestag – falls es Neuwahlen gibt, droht ihr der Verlust ihres Mandats. 

Da ihre alte Partei bereits erfolgreich auf Rassismus setzt, hat sich Petry nun einen neuen "Ismus" gesucht: Sexismus.

Allerdings nicht so, wie die meisten Frauen das Thema angehen.