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Wir haben mit zukünftigen Erstsemestern über das kommende Wintersemester gesprochen.

Die Abiturprüfungen sind endlich geschafft, die Bachelorarbeit ist angemeldet und auch die letzten Uni-Bewerbungen sind abgeschickt. Während viele Abiturient*innen und Bachelorabsolvent*innen sich normalerweise in diesen Wochen um die Wohnungssuche und ihre Immatrikulation kümmern würden, gestaltet sich das in diesem Sommer etwas anders. 

Kennenlernwochen und Einführungsveranstaltungen werden im Herbst wohl kaum in gewohnter Weise stattfinden können. Dafür wird an vielen Universitäten und Fachhochschulen ein "Hybridsemester" angeboten, also eine Mischung aus Online- und Präsenzunterricht. Im Wintersemester – das in diesem Jahr erst ab November beginnt – sollen vor allem Erstsemester die Möglichkeit erhalten, an Präsenzveranstaltungen teilzunehmen. Ob dies gelingt, bleibt aber abzuwarten. Diese Ungewissheit schlägt sich vor allem in der Wohnungssuche von Erstsemestern nieder. 

Auf Anfrage von bento gibt es laut Studierendenwerk Berlin derzeit ungefähr 2000 Studierende, die auf eine Wohnung warten (Stand: 30. Juli 2020), das sei aber deutlich weniger als in den Vorjahren. Die Nachfrage auf die begehrten Studentenwohnheime in der Hauptstadt hat im Vergleich zum vergangenen Jahr abgenommen. Das liege aber auch daran, dass internationale Studierende normalerweise einen großen Anteil der Bewerber*innen ausmachen, diese aktuell aber weitgehend fern bleiben. Stattdessen suchen viele Menschen aber nach WG-Zimmern. Laut den Betreibern der Plattform WG-Gesucht liegen die Suchanfragen seit der Lockerung der Maßnahmen von Anfang Mai in vielen Städten sogar über dem Vorjahresniveau – und das schon drei Monate vor offiziellem Semesterbeginn. Allerdings gehe die Nachfrage nach befristeten Angeboten spürbar zurück.

Wie wirken sich diese Entwicklungen und der geplante Hybrid-Unterricht auf die Zukunftsplanung und Wohnsituation von zukünftigen Studierenden aus? bento hat mit drei zukünftigen Studierenden über ihre Umzugspläne zum Wintersemester, Onlinelehre und Alternativen gesprochen.

Sönke, 26, wird Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim studieren

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"Zum Wintersemester fange ich in Hildesheim das Bachelorstudium "Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus" an. Davor habe ich in Köln einige Jahre Germanistik und Philosophie studiert. Meine neue Uni plant derzeit ein Hybridsemester. Es soll zunächst überwiegend Onlineangebote geben, im Laufe des Semesters auch Präsenzveranstaltungen, wenn dies möglich ist. Als Erstsemester fühle mich nur mittelmäßig gut darauf vorbereitet. Ich tendiere dazu, einfach in Köln wohnen zu bleiben und hoffe, dass die Uni nicht in zu großen Teilen zum Präsenzbetrieb zurückkehrt. Es müsste wenigstens die Möglichkeit geben, den Präsenzunterricht in Blockveranstaltungen machen zu können. Oder die Präsenzveranstaltungen durch Online-Leistungen ausgleichen zu können. Sonst kann man sich schlecht darauf einstellen. In Köln habe ich schon vorhandene Strukturen und einen Nebenjob. Ich möchte mir angesichts der aktuellen Situation nicht in Hildesheim einen neuen Job oder eine neue Wohnung suchen müssen. Das macht es aber schwieriger, direkten Anschluss zu finden. Mit anderen Bewerber*innen habe ich eine WhatsApp-Gruppe gegründet. Ich habe das Gefühl, dass ich damit schon eine Art Gruppe habe. Ich hoffe, dass ich trotzdem nicht den Anschluss verliere. Einige werden schon zum Wintersemester umziehen und sich dort dann auch persönlich treffen."

Tara, 23, wartet auf Rückmeldung auf ihre Master-Bewerbungen

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"Ich habe mich zum Wintersemester für einen Master in Literatur in Hamburg und Publishing Management in Leipzig beworben. Ich bin in Berlin geboren und hatte schon überlegt, für den Bachelor wegzugehen, habe mich aber dann für den Bachelor "Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation" entschieden. Es war eine total gute Zeit, sowohl in der Uni als auch in Berlin, mittlerweile habe ich aber auch Lust, etwas Neues zu sehen. Ob ich dieser Lust in der aktuellen Zeit nachgehen kann, ist aber eine andere Frage. Es ist ja noch nicht klar, ob es überhaupt Präsenzunterricht geben wird. Ich habe mich auch für ein Volontariat in einem Verlag beworben, erhoffe mir da aber auch nicht so viel, weil die Situation auf dem Arbeitsmarkt ja gerade auch total schwierig ist. Ich finde die Vorstellung seltsam, in eine neue Stadt zu ziehen und dann nur Onlinelehre zu haben. Ich frage mich auch, ob ich überhaupt eine Wohnung finde. In meiner Berliner WG wohnt derzeit eine Freundin meiner Mitbewohnerin zusätzlich, weil sie kein Zimmer findet. Um die Wohnsituation mache ich mir deshalb mehr Gedanken als um den Unialltag. Ein Studentenwohnheim wäre zwar eine Option, aber ich möchte auch nicht alleine dort sitzen und mir Online-Vorlesungen reinziehen. Onlinebesichtigungen finde ich aktuell für die WG-Suche eine super Möglichkeit. Sonst kommen sehr viele unterschiedliche Menschen auf einmal zusammen, was nicht den Hygienebestimmungen entsprechen würde. In der ersten Phase der Suche merkt man ja schnell, ob die WG passt, da wäre der physische Kontakt nicht nötig. Für den zweiten Teil der Suche würde ich persönlich vorbeifahren und die Mitbewohner*innen kennenlernen wollen. 

Benjamin, 19, will Medizin studieren

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"Ich habe mich auf ein Medizinstudium beworben, rechne mir aber aufgrund meiner Abiturnote nicht so gute Chancen aus. Nach meinem Abitur im vergangenen Jahr bin ich für einen Freiwilligendienst nach Philadelphia gegangen. Im März musste ich in meine Heimatstadt Wernigerode zurückkommen, danach habe ich erstmal umgeplant und mich um Praktika bemüht. In den vergangenen Monaten habe ich hier in einer Arztpraxis und in einem Pflegeheim gearbeitet, nächste Woche fange ich ein Praktikum in der Klinik an. Die Bewerbungen habe ich nach Magdeburg, Halle, Leipzig, Dresden, München und Aachen geschickt. Die Städte kenne ich schon oder habe Freunde dort. Ich möchte auf jeden Fall umziehen, um aus meiner Heimatstadt rauszukommen. Corona spielt da eher keine Rolle. Mir ist wichtig, dass meine Zukunft wegen der Pandemie nicht komplett über den Haufen geworfen wird. Auch wenn ich 'nur' einen Ausbildungsplatz bekomme, würde ich in eine andere Stadt ziehen. Falls ich weitere Praktika machen muss, werde ich aber erstmal bei meinen Eltern wohnen bleiben, um sie finanziell nicht zu belasten. Im besten Fall würde ich für das Studium oder die Ausbildung in eine WG ziehen, die ich mir auch persönlich angucken würde. Wenn man sich persönlich trifft, kommt es einfach besser rüber als nur über Skype."


Uni und Arbeit

Berufseinstieg als Fleischer: "In unserer Landmetzgerei sind wir in einer heilen Welt"
Die 14. Folge unserer Serie "Mein erstes Jahr im Job"

David Hilpert, 18, begann nach dem Abitur eine Ausbildung zum Fleischer, seit einem Jahr arbeitet er in einer kleinen Metzgerei in Franken. Er schlachtet Schweine und Rinder, stellt Wurst her, verkauft sie und fährt Bestellungen aus. Seine Ausbildung macht ihm Spaß, sagt David. Die industrielle Fleischproduktion aber kritisiert er.