Bild: Bernd Michael Maurer/ TV Now
Der 19-Jährige, der mit dem Milliardär zockt

Die Zuschauer von "Die Höhle der Löwen" schauten am Dienstagabend ungläubig auf den Bildschirm: Der Unternehmer Rubin Lind, 19, lehnte ein 700.000-Euro-Angebot von Carsten Maschmeyer ab und ließ den Star-Investor verblüfft im Studio zurück.

Was dann folgte, war ein Novum in der Geschichte der Sendung: Maschmeyer eilte Lind nach und besserte seine Konditionen nach. Der Gründer hatte richtig gepokert.

Im Interview mit bento verrät er, wie der Deal für seine Lern-App "Skills4School" doch noch zustande kam. Und was andere junge Menschen von ihm über Gehaltsverhandlungen lernen können.

(Bild: Veemotion)

Wie kann sich ein 19-Jähriger leisten, auf 700.000 Euro zu verzichten?

Ich weiß einfach, was für ein Produkt wir aufgebaut haben, wieviel Zeit und Energie da reingeflossen ist. Ohne überheblich klingen zu wollen: Ich bin mir über den Wert des Produktes im Klaren und wollte mich nicht darunter verkaufen.

Was kann "Skills4School"?

Die interaktive Lern-App "Skills4School", die Lind mit zwei Mitbegründern entworfen hat, soll Schülerinnen und Schülern bei der Vorbereitung auf Klausuren helfen. Das Angebot nutzen derzeit 20.000 Menschen im Monat. Um das Produkt dauerhaft wirtschaftlich erfolgreich zu machen, sind Lind und seine Mitstreiter auf finanzielle Unterstützung angewiesen. 700.000 Euro Starthilfe – mit dieser Forderung trat Lind vor die Löwen. Im Gegensatz bot er ihnen 14 Prozent Anteile an seinem Unternehmen. 

Maschmeyer hatte sich mit dem österreichischen Medienunternehmer Georg Kofler zusammengetan. Zu Beginn forderten die beiden Löwen 30 Prozent der Anteile am Unternehmen. Linds Schmerzgrenze lag bei 25 Prozent. Als ihm Maschmeyer einen Kompromiss aufschwatzen wollte, der ihm und Kofler jeweils 14, also insgesamt 28 Prozent der Anteile bescheren sollte, lehnte der Gründer ab und ging.

Und du hast nicht mal gezuckt, als Carsten Maschmeyer diese Summe geboten hat?

Ganz unabhängig von der Höhe des Betrages: Ich hatte ganz klare Vorstellungen. Ich bin nicht der Typ, der alles mitmacht, nur weil es um 700.000 Euro geht. Wenn man Investoren mehr als zehn Prozent entgegenkommt, ist das schon viel. Da muss ich mich nicht noch weiter verhandeln. Irgendwann steht das nicht mehr für Durchhaltevermögen sondern für: Ich nehme das, was ihr mir hinwerft.

Hast du Carsten Maschmeyer jemals in der Sendung so perplex erlebt? 

Er meinte irgendwas von: "Wegen dieser drei Prozent willst du jetzt absagen?" Ich habe das aber gar nicht so richtig wahrgenommen. Die Aufnahme ging ja insgesamt anderthalb Stunden. Ich stand schon draußen und habe ein Statement zu dem geplatzten Deal gegeben. Plötzlich höre ich im Hintergrund, wie Maschmeyer mit der Regie redet: "Können wir den noch mal drin haben?"

Lind kehrte zurück ins Studio. Die Investoren schraubten ihre Ansprüche zurück, begnügten sich mit 25,1 Prozent der Anteile. Im Gegenzug erhielt Lind die Zusage für 700.000 Euro Startkapital. Zu diesen Konditionen schlug der Gründer ein.

Die Sendung wurde bereits Ende Mai aufgezeichnet und erst am Dienstagabend auf Vox ausgestrahlt.

Hattest du dir vorher eine Taktik zurecht gelegt?

Ich habe mir gar keine großen Gedanken gemacht, wer da vor mir sitzt. Ich habe einfach aus dem Bauch heraus gehandelt. Klar ist es cool, jetzt zwei solche Investoren an Bord zu haben. Aber für uns wäre jetzt nicht die Welt untergegangen, hätte es nicht geklappt. Es hätte auch noch andere mögliche Investoren gegeben.

Welche Tipps hast du für andere, wenn es um Verhandlungen geht – zum Beispiel beim Gehalt?

Fragen kostet nichts und wer nicht fragt, hat so oder so schon ein Nein. Also hat man doch eigentlich nichts zu verlieren.

Was willst du jetzt mit den 700.000 Euro anstellen?

In erster Linie Personal bezahlen. Damit wir weitere Inhalte und Formate für die App entwickeln können. Ein Teil des Geldes wird natürlich auch ins Marketing fließen.

Frank Thelen, ein weiterer Löwe aus der Jury, hat sich zurückgezogen, weil er einige technische Mängel bei dem Produkt sah.

Ich will mich nicht beschweren, aber ich sehe es nicht so dramatisch, wie es in der Sendung vielleicht rüberkam. Geschluckt habe ich sicher nicht und ratlos war ich auch nicht.  

Du klingst ganz schön überzeugt von dir: Inwieweit besteht die Gefahr, dass man als junger Gründer zu forsch ist und dadurch überheblich wird?

Ich denke, das ist eine Charakter-Frage und wer der Meinung ist, dass man als junger Gründer mit seiner G-Klasse durch die City cruised, weil die Taschen voll Geld sind, der hat ein völlig falsches Bild vom Unternehmertum.

Man baut nicht etwas Nachhaltiges auf, indem man Geld aus dem Fenster wirft. Aber grundsätzlich hat man als junger Gründer eh erstmal kein Geld, weil alles in die Firma fließt – so ist das zumindest bei mir.

Carsten Maschmeyer hat in der Sendung gesagt: "So weit habe ich mit 19 Jahren noch keinen Gründer in Deutschland erlebt." Bist du stolz, wenn du so etwas hörst?

Es ist ein Stück weit eine Bestätigung, dass wir mit dem Produkt nicht ganz falsch liegen am Markt. Zu Beginn haben wir uns oft gefragt, ob die Leute wirklich schon bereit sind, für digitale Lernprodukte Geld aufzugeben. Aber es gibt trotzdem noch viel zu tun. Wir werden uns sicherlich nicht ausruhen.

Hast du das Gefühl, junge Gründer werden von Investoren wirklich immer ernst genommen? Du kennst bestimmt auch andere Situationen als die bei "Höhle der Löwen"?

Ich denke, Alter ist keine Frage der Kompetenz. Ein Investor hat mir aber tatsächlich mal gesagt, ich solle mir erst einen Bart wachsen lassen, bevor er mir Kaffee statt Kakao anbieten würde. So witzig das auch klingen mag: Man merkt doch, dass einige Investoren mit Sicherheit auch größeres Risiko beim Investment in so junge Menschen sehen. Grundsätzlich würde ich aber sagen, ist das Produkt und der Markt neben anderen Faktoren weitaus entscheidender als das Alter der Gründers.

Wie können junge Gründer grundsätzlich eine bessere Lobby erhalten?

Indem sie darum kämpfen und dafür Öffentlichkeit schaffen. Auch Netzwerken ist für junge Menschen sehr entscheidend und dabei ist es wichtig zu verstehen, dass es hier häufig um ein Geben und Nehmen geht und man nicht erwarten kann, dass alle Leute einem immer nur geben, nur weil man jung ist.

Was ist der Vorteil, so jung zu gründen, wie du es gemacht hast?

Man lernt viel und schnell dazu, wenn man möchte. Man macht Fehler, ich denke, das ist klar. Aber man kann schnell daraus lernen und besser werden. Wenn man die Fehler mit 18, 19 macht, kann man schon mit 20, 21 entschieden besser handeln.

Es gibt viele andere digitale Lernmöglichkeiten: Warum braucht es da ausgerechnet noch "Skills4School"?

Nur weil eine Website 'Lernen' anbietet, ist das noch lange nicht digital. Genauso wie ein Whiteboard, das wie eine Tafel genutzt wird, den Unterricht nicht digital macht. Wir entwickeln unser Produkt gemeinsam mit der Zielgruppe und wollen ein nachhaltiges Unternehmen schaffen, dem es gelingt, den kompletten Lernzyklus von Kind bis zum Senior abzubilden.

Wo will "Skills4School" mit dem finanziellen Anschub in zwei, drei Jahren stehen?

Wir möchten dann nicht mehr nur am deutschen Markt unterwegs sein.

"Bildung ist alles, das Herzstück der Gesellschaft", haben Maschmeyer und Kofler gesagt: Wie bringen sich die beiden denn ins Unternehmen ein?

Der Austausch ist jetzt schon super eng. Ich war echt ein bisschen skeptisch, habe mich gefragt: Ist das jetzt alles TV oder haben die tatsächlich Interesse an uns? Aber wir haben uns in der Zwischenzeit vier Mal getroffen. Auch am Tag der Show hat mich Maschmeyer noch mal angerufen. Das zeigt schon Wertschätzung.

Worüber sprecht ihr bei den Treffen?

Meistens über die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Dann geht es ins Detail und man bespricht die Aufgaben für die nächsten Wochen und Monate. In unserem Fall geht es ganz stark um die Lernapp und wie wir diese für die Nutzer maximal verbessern können.


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