Denn sie sind reine Zeitverschwendung – für Studierende und Dozierende.

Für eine Hausarbeit an der Uni habe ich mal ein komplettes Kapitel über die Farbe Gelb geschrieben. War das gefordert? Nein. Hat das zum Rest der Arbeit gepasst? Nein. Habe ich trotzdem eine gute Note bekommen? Auf jeden Fall.

Dozentinnen und Dozenten lesen die Hausarbeiten der Studierenden sowieso nicht richtig. Deswegen sollten sie einfach abgeschafft werden.

Ich musste für das Seminar einen Werbespot analysieren – in der Nacht vor der Abgabe fehlten mir noch drei Seiten bis zur vom Lehrstuhl festgelegten Zahl. Thematisch hatte ich schon alles behandelt. Also habe ich mir einfach einen willkürlichen Aspekt gesucht und auf die Schnelle die restlichen Seiten hingeklatscht. Ich hätte auch jede andere Farbe für meine Analyse wählen können. Oder darüber schreiben, ob in dem Spot Wiener Würstchen oder Nürnberger gezeigt werden. Es wäre völlig egal gewesen.

Schriftliche Hausarbeiten sind reine Zeitverschwendung für alle Beteiligten. Studierende müssen oft mehrere Arbeiten pro Semester schreiben, gerade in den Geistes- und Sozialwissenschaften. Dazu kommen Prüfungen und praktische Projekte. Wer ein Dutzend Dinge gleichzeitig erledigen muss, lässt irgendetwas schleifen. Das liegt in der Natur der Sache. Studentinnen können sich die Zeit für eine Hausarbeit frei einteilen – und stellen sie deshalb oft hinten an.

Die meisten bekommen trotzdem gute Noten. Das spart Stress für die Dozierenden, weil sie sich nicht in überlaufenenen Sprechstunden für eine 3,7 rechtfertigen müssen. Viele lesen die Arbeiten auch gar nicht im Detail. Das soll kein Vorwurf sein. Dozentinnen haben häufig mit überfüllten Kursen und schlechter Uni-Infrastruktur zu kämpfen. Und sie schieben auch Dinge auf – genau wie die Studierenden.

Manchmal dauert es Monate, bis man die Note für eine abgegebene Arbeit bekommt.

Das nervt. Oft kann man weiterführende Seminare nur belegen, wenn die Note des Vorkurses bereits eingetragen wurde. An einigen Universitäten stehen die Korrekturzeiten in der Prüfungsordnung, eine grundsätzliche Regelung für verbindliche Rückgabezeiträume gibt es an deutschen Hochschulen aber nicht. Studierende haben feste Abgabetermine, an die sie sich halten müssen. Dozierende nicht.

Die Hausarbeit, in die ich das "Gelb"-Kapitel eingebaut habe, bekam ich acht Monate nach der Abgabe zurück. Zu diesem Zeitpunkt war ich bereits mit allen anderen Kursen fertig und musste nur noch meine Abschlussarbeit schreiben. Wäre ich durchgefallen, hätte das meine komplette Studienplanung über den Haufen geworfen. Aber die Note war natürlich gut, wie immer. 

Wissenschaftliche Arbeiten sind nur wichtig, um Noten und ECTS zu sammeln. Das war's. Man schreibt sie nur für die Uni.

Die Themen sind meistens vom Lehrstuhl vorgegeben – egal, ob sie einen persönlich interessieren oder nicht. Außer dem Dozent schaut sich in der Regel niemand die Arbeit an. Auch man selbst blättert darin nicht wieder rum. Irgendwann geben sich Studierende keine Mühe mehr. Niemand möchte Zeit in etwas investieren, das keinen Mehrwert bietet, nicht einmal einem selbst.

Aber bereiten Hausarbeiten einen nicht auf die Abschlussarbeit vor? Ja, das stimmt. Muss man dafür 15 Mal eine schreiben? Nein.

Wer später selbst Wissenschaflter werden will, zieht während des Studiums den größten Nutzen aus einer schriftlichen Arbeit. Aber auch diese Leute müssen nicht jedes Semester aufs Neue zwei, drei oder noch mehr Seminararbeiten abgeben.

Klar, auch Studierende ohne wissenschaftliche Ambitionen können ihre Hausarbeiten online stellen und sie über Fachverlage publizieren. Aber mal ehrlich: Es interessiert trotzdem niemanden.

Dafür ist der Aufwand schlichtweg zu groß. Man könnte einfach auf Hausarbeiten, die in letzter Sekunde abgegeben werden und dann wochenlang bei einem Prof rumliegen, verzichten. Wissenschaftliches und lösungsorientiertes Denken kann man auch anders lernen.

Andere Prüfungsformen sind sinnvoller.

Bei den klassischen schriftlichen Prüfungen, egal ob mit offenen Fragen oder Multiple-Choice, bearbeiten alle die gleichen Aufgaben. So gibt es weniger Bewertungswillkür und die Auswertung ist für die Studenten leichter überprüfbar.

Mündliche Prüfungen sind ebenfalls eine gute Möglichkeit. Ich hatte zu Beginn meines Studiums eine einzige. Per Würfel wurde entschieden, zu welchen Themen ich befragt wurde. Ich musste also alles vorbereiten. Außerdem hielt ich dabei ein Referat, die Vorbereitung war ähnlich wie bei einer Hausarbeit. Nach einer halben Stunde war die Prüfung beendet. Alle meine Kommilitioninnen und Kommilitonen wurden am gleichen Tag getestet. Zwei Tage später war schon die Note eingetragen. So könnte es auch laufen.

Deshalb: Liebe Unis, verzichtet auf Hausarbeiten! Das wäre besser für alle – nicht nur für die Studierenden, sondern auch für eure Angestellten.


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