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Ja, Immobilien werden immer teurer. Aber es gibt da ein paar Tricks.

Wohnen wird in Deutschlands Städten immer teurer, vor allem die Kaufpreise steigen, fast überall sind Wohnungen knapp. Da frage ich mich als junger Mensch, ob ich mir überhaupt jemals eine eigene Immobilie leisten kann. Schön wäre es ja schon, irgendwann mal mit der Familie in den eigenen vier Wänden zu wohnen. Einen konkreten Zeitplan habe ich aber nicht.

Privat investiere ich seit Jahren einen Teil meines Geldes in passive Aktienfonds, also ETFs, und einen Teil in sichere Anlageformen wie Tages- und Festgeld. Nun frage ich mich: Sollte ich zusätzlich ein Finanzprodukt abschließen, um mich gezielt auf einen späteren Immobilienkauf vorzubereiten?

Da wäre zum Beispiel der klassische Bausparvertrag, das Finanzprodukt der Deutschen schlechthin. Es gibt fast mehr als 30 Millionen solcher Verträge in Deutschland. Rechnerisch haben etwa drei Viertel der deutschen Haushalte einen solchen Vertrag.

Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Mit einem Bausparvertrag lässt sich der Bau oder Kauf einer Immobilie finanzieren. Dazu werden zwei Produkte kombiniert: ein Sparplan und ein Darlehen.

Zunächst wird die Bausparsumme festgelegt. Sie entspricht dem Betrag, den der Sparer später für seine Immobilie zur Verfügung haben will. Dann muss der Kunde einen Teil dieser Summe monatlich ansparen, in der Regel 30 bis 50 Prozent. Auf dieses Guthaben bekommt der Sparer Zinsen gezahlt, die sind momentan aber nur sehr niedrig und betragen meist 0,1 Prozent im Jahr.

Nach einer gewissen Zeit - beispielsweise nach zehn Jahren - kommt der Bausparvertrag in die Zuteilungsphase. Dann bekommt der Kunde das Darlehen für die Baufinanzierung ausgezahlt. Er hat dann also die angesparte Summe plus das Darlehen zur Verfügung, um es für den Kauf eines Hauses oder eine Wohnung zu verwenden. Danach zahlt er weitere zehn Jahre zu relativ günstigen Konditionen das Darlehen ab.

Für einen Bausparvertrag fallen Kosten an, und zwar meist eine Abschlussgebühr und Kontoführungsgebühren.

Was sind die Vorteile?

Das Besondere am Bausparen: Der Zinssatz für das spätere Bauspardarlehen steht heute schon fest, auch wenn der Sparer sein Haus erst in sieben oder zehn Jahren kauft oder baut. Und so niedrig wie heute werden Bauzinsen der Banken auf Dauer kaum bleiben, irgendwann werden die Zentralbanken wohl wieder damit anfangen, die Zinsen zu erhöhen. Junge Bausparer können sich also aktuelle Niedrigzinsen bis weit in die Zukunft sichern.

Für junge Erwachsene, die zwischen 16 und 25 Jahre alt sind, gibt es einen weiteren Vorteil: Sie können sich die staatliche Wohnungsbauprämie sichern. Auf den maximal geförderten Sparbeitrag von 512 Euro pro Jahr zahlt der Staat 8,8 Prozent als Prämie drauf. Das bedeutet: Wer knapp 43 Euro im Monat spart, erhält praktisch eine 13. Einzahlung im Jahr als Prämie dazu, nämlich 45 Euro. Bei einer Spardauer von acht Jahren ergeben sich so Bausparsummen von 9.000 bis 11.000 Euro. Der ausgezahlte Betrag liegt dann je nach dem genauen Zeitpunkt der Auszahlung bei etwa 4.700 Euro.

Einige Bausparkassen bieten zusätzlich eigene Jugendprämien an, andere erlassen jungen Leuten die Abschlussgebühr. Hinzu kommt: Junge Sparer dürfen das Guthaben nach der Auszahlung beliebig verwenden, im Gegensatz zu älteren Sparern, die das Darlehen unbedingt für ihre Immobilie einsetzen müssen. Nimmt man diese Punkte zusammen, wird ein mäßig verzinster Bausparvertrag für junge Leute zur gut verzinsten Geldanlage.

Für diesen einfachen Vertrag benötigen junge Sparer keine persönliche Beratung und müssen nicht in eine Bankfiliale. Der Vertrag lässt sich bequem online berechnen und direkt abschließen.

Was sind die Nachteile?

Für Menschen, die älter als 25 sind, fallen viele Vorteile leider weg. Setzt der Sparer den Vertrag dann nicht für die eigene Immobilienfinanzierung oder -modernisierung ein, gibt es für ihn kein Darlehen: Er bekommt nur das angesparte Kapital ausgezahlt. Wegen der erhaltenen Minizinsen bleibt dann nur ein mies verzinster Sparvertrag.

Außerdem könnte es auch passieren, dass die Bauzinsen auch für viele weitere Jahre niedrig bleiben. Dann fällt auch der erste Vorteil - sich niedrige Zinsen zu sichern - weg.

Fazit: (Noch) nicht sinnvoll

Für mich als 27-Jährigen gibt es keine staatlichen Förderungen mehr, und es ist bislang völlig unklar, wann und ob ich überhaupt eine Immobilie finanzieren werde. Für mich ist der Bausparvertrag dann nur ein kümmerlich verzinster Sparvertrag.

In meinem Fall ist es besser, Sparen und Kreditaufnahme zu trennen und für beide Phasen jeweils den besten Anbieter zu suchen. Etwa Tagesgeld oder Aktiensparpläne in der Sparphase und später dann, wenn es soweit ist, die Bank mit dem günstigsten Darlehenszins für den Immobilienkauf. Meine Anlagestrategie bleibt also wie bisher: Was Immobilien angeht, bleibt mir nichts anderes übrig als abzuwarten, bis ich ein konkretes Ziel habe.

Bausparen ist deshalb für Sparer in meinem Alter nur sinnvoll, wenn sie sich gegen einen größeren Zinsanstieg absichern wollen und sich recht sicher sind, dass sie ihre Immobilienpläne langfristig auch tatsächlich verwirklichen. Für Jüngere kann Bausparen aber eine sichere und gut verzinste Geldanlage sein - unter der Bedingung, dass der junge Kunde die staatliche Prämie nutzt.

Dieser Artikel ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.


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