Bild: bento

Ein eigener Laden. Das wäre es doch. Mein Kollege Tilman und ich saßen fast jede Woche zusammen. Wir träumten, grübelten und planten. Wir wollten es wagen. Den Schritt in die Selbstständigkeit. Die ganze Energie, die für Uni und Job drauf geht, für etwas Eigenes nutzen.

Nur das Wichtigste, die passende Idee, hatten wir noch nicht. Das änderte sich eines Nachts im Hamburger Schanzenviertel: Tilman, sein Sandkastenfreund Til und ich saßen auf einer Treppe vor einem Hauseingang. Umgeben von Restaurants, Bars und Kiosken und mit einigen Bierchen im Kopf, begannen wir herumzuspinnen. Was wäre, wenn auch wir einen Laden aufmachen würden? Etwas verkaufen, das jeder kennt, das es aber so noch nicht gab.


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Die Gastro-Gründer


Til überlegte, hebelte sein Bier mit einem Feuerzeug auf und grinste: "Richtig gute Burger wären doch was!"

Mirco Friemer und sein Mitgründer Tilman Dörr(Bild: Robert Schlossnickel)

Anfang 2014 gab es in einigen deutschen Großstädten bereits Burgerläden, die mit ihren hochwertigen Produkten warben. In Hamburg war der Trend zu der Zeit noch nicht ganz angekommen.

Wir trafen uns ein-, zweimal die Woche, arbeiteten an unserer To-Do-Liste und hielten Ausschau nach dem richtigen Ort für unser Projekt. Wir suchten nach einem Namen, nach Rezepten und Dingen die wir bräuchten, um uns von der breiten Masse abzuheben.

Nach einem halben Jahr waren wir nicht viel weiter - und hatten gleich mehrere Probleme:

  • Erstens fanden wir kein bezahlbares Lokal.
  • Zweitens waren wir zu langsam, denn es gab mittlerweile einige fancy Burgerläden in der Stadt.
  • Aus Erstens und Zweitens entstand Drittens: Wir brauchten eine neue Idee.
(Bild: bento)

Die war: Hot-Dogs. Statt auf Burger setzten wir auf Premium-Hot-Dogs. Statt für einen festen Laden entschieden wir uns für einen Foodtruck. Hot Dogs machte damals keiner, obwohl sie wegen der vielen Wurstvarianten deutlich vielseitiger als Burger sein können.

Unser Ziel war es, den Fast-Food-Klassiker besser zu machen. Wir setzten auf regionale Zulieferer, hausgemachte Soßen und ausschließlich Fleisch in Bioland-Qualität.

Hot Dog Plus(Bild: Andrea Thode)

Außerdem suchten wir nach Alternativen zum Fleisch. Mittlerweile können wir, dank regionaler Tofuwurst, unsere fünf Holy Dogs komplett vegetarisch und teilweise sogar vegan anbieten. Bei den Soßen und Toppings achten wir immer darauf, ohne Fleisch oder tierische Fette zu arbeiten. Mir war das wichtig, ich bin selbst seit 16 Jahren überzeugter Vegetarier.

Das ich Fleisch verkaufen soll, hat mich zu keiner Zeit gestört. Mir war nur wichtig, dass die Tiere so artgerecht wie möglich gehalten werden und hier aus der Region stammen.

Daher sprach ich persönlich mit potenziellen Schlachtern und besuchte die Höfe. Am Ende fanden wir einen tollen Fleischer, der nicht nur mit dem Rad zu erreichen ist, sondern uns zusätzlich Fleisch in Bioland-Qualität liefert. Damit konnte ich mehr als leben.

Til und Tilman sind zusammen aufgewachsen. Der eine war Unternehmensberater, der andere Serviceleiter in einem Hamburger Szene-Restaurant, in dem wir uns kennenlernten. Wir überschlugen die Kosten. Schauten, was wir für die Gründung und den Aufbau des Unternehmens bräuchten und plünderten unsere Konten. Unser Geld reichte für den Anfang.

Mit "Holy Dogs" wollen die Gründer einen Fast-Food-Klassiker neu interpretieren(Bild: bento)

Aber nicht für einen neuen Truck, der mindestens 60.000 Euro kosten würde. Wir hielten eine gefühlte Ewigkeit Ausschau nach einem bezahlbaren, aber trotzdem charmanten Wagen. Erstmal fanden wir aber nur hässliche Modelle oder so runtergerockte Wagen, mit denen wir uns selbst und unsere Mitmenschen in erhebliche Gefahr gebracht hätten.

Doch dann die Erlösung: Ein Mercedes MB 100D in offenbar guter Verfassung auf einem der hiesigen Onlinemarktplätze. Schickes Modell, nicht zu viel gelaufen, kaum Rost und ein sympathischer Verkäufer am Telefon.

Wir wuppten das Ding auf die Hebebühne, ließen einen Fachmann drüberschauen und entschieden: Das soll unser neuer Foodtruck werden. Zwar war er damals noch nicht schwarz, sondern rot-weiß und musste komplett ausgebaut werden.

Aber daran sollte es jetzt nicht mehr scheitern.