Ein Referat als Gruppenarbeit? Das ist wohl eine der beliebtesten Prüfungsleistungen an der Uni – die Arbeit lässt sich aufteilen, im Team kommt man schneller auf gute Ideen, und oft fallen die Noten besser aus.

Es gibt nur ein Problem: Was tun, wenn die Dozentin die Faulenzerin oder den Faulenzer ausgerechnet deiner Gruppe zuteilt? Sie reagieren nicht auf Nachrichten, kommen unentschuldigt nicht zum Gruppentreffen, und wenn doch, dann sind sie garantiert nicht vorbereitet, sitzen nur stumm in der Ecke rum und beteiligen sich nicht.

Wie geht man mit einer Faulenzerin oder einem Faulenzer in der Gruppe um?

Campus Coach

In der ersten Woche deines Studiums, der Orientierungswoche, lernst du allerlei Nützliches: Wie du deinen Stundenplan zusammenstellst, wo die Mensa ist oder wie du dir Bücher in der Bibliothek ausleihst. 

Am Campus findest du dich schnell zurecht, aber dann warten erst die richtigen Herausforderungen auf dich: Wie löst du Konflikte mit Dozentinnen oder Kommilitonen? Wie motivierst du dich über mehrere Wochen für die Hausarbeit? 

Wir unterstützen dich in deinem Studien-Alltag und reden mit Expertinnen und Experten über Tipps für jede noch so verfahrene Situation an der Uni.

Darüber haben wir mit zwei Expertinnen gesprochen: 

Sie erklären uns, dass es nicht nur auf den richtigen Umgang mit dem Faulenzer ankommt. Man müsse auch an der eigenen Einstellung arbeiten.

6 Schritte zur entspannten Gruppenarbeit.

1 Frag dich: Ist die Faulenzerin wirklich faul – oder steckt ein anderes Problem dahinter?

Es lohnt sich den ersten Eindruck zu hinterfragen. "Ist es wirklich ein unkooperativer Trittbrettfahrer, der nur die anderen für sich arbeiten lassen möchte und absichtlich keinen Finger rührt?", sagt die Pädagogin Silke Frank. 

Denn Böswilligkeit stecke laut Frank nur sehr selten hinter einem solchen Verhalten: "Meist hat das vermeintliche Faulenzen mit Überforderung oder sogar Versagensängsten zu tun, die nur wie Faulheit oder Ignoranz aussehen."

2 Reagiere nicht gleich aggressiv.

Denn darauf könnte sich der Faulenzer noch mehr abschotten und die Arbeit verweigern. "Besser ist es, wenn die Gruppe direkt fragt: Was ist los bei dir? Was brauchst du, damit du mit uns arbeitest? Einen anderen Zeitplan? Eine andere Aufgabe?", sagt Frank.

An der Reaktion erkenne man meist, was das eigentliche Problem sei.

3 Verständigt euch auf gemeinsame Prioritäten und ein Ziel.

"Während der eine unbedingt eine Eins in der Gruppenarbeit haben möchte, fühlt sich der andere vielleicht auch mit einer Drei ganz wohl – oder nutzt seine Energie lieber für andere (Uni-)Projekte", erklärt Coach Mareike Darrelmann. "Manche Menschen haben andere Maßstäbe und fühlen sich genau so gut."

Dagegen anzukämpfen und zu fordern, man wolle unbedingt mit einer 1,0 benotet werden, werde nichts bringen. "Kooperationsbereitschaft entsteht durch Verständnis, Akzeptanz und Wertschätzung. Ich kann andere nicht verändern, nur meine Sicht auf die Dinge", sagt Darrelmann.

Sie betont, dass sie deshalb eine Gruppenarbeit an der Uni als perfekte Vorbereitung auf das Berufsleben empfindet: Denn auch später könne man sich seine Chefs, Kolleginnen oder Kunden, mit denen man zusammenarbeiten muss, für gewöhnlich nicht aussuchen. Man müsse versuchen, unter den gegeben Rahmenbedingungen das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

"Wenn man nun in einer Gruppenarbeit mit jemandem sitzt, dem diese Arbeit nicht so wichtig ist wie einem selbst, dann ist das schade, aber man muss es akzeptieren und damit arbeiten."

Um Ärger zu vermeiden, rät Darrelmann, dass eine neu eingeteilte Gruppe gleich zu Beginn über Ziele, Erwartungen und Ressourcen spricht und sie gemeinsam festlegt

4 Teilt euch auf.

Wer hat welche Interessen, Fähigkeiten und wie viel Zeit? Diese Fragen sollte man gleich im Anschluss klären. "Ist jemand dabei, die oder der gleich sagt, dass sie oder er noch fünf andere Uni-Projekte am Laufen hat? Dann sollte diese Person eine Aufgabe bekommen, die nicht zu umfassend ist und von der nicht so viel vom Rest der Arbeit abhängt", erklärt Darrelmann.

Außerdem könne es schon helfen, wenn man die Aufgaben in Teilaufgaben zerlegt. "Trefft euch erst einmal nur für ein 30-minütiges Brainstorming", sagt Frank. "Erwartet voneinander nur eine geschriebene Seite bis nächste Woche." Das könne die Faulenzerin für mehr Zusammenarbeit öffnen.

5 Im Notfall: Sprich die Dozenten an. 

Im Gespräch mit der Dozentin solltest du möglichst sachlich bleiben und nicht über andere Gruppenmitglieder schimpfen, rät Frank. "Erläutere, dass es Schwierigkeiten mit der Zusammenarbeit gibt und stelle die Frage nach einer möglichen Lösung oder bringe eigene Lösungsideen mit." 

Manchmal ließen sich die Aufgaben zum Beispiel anders verteilen oder Bewertungen könnten innerhalb einer Gruppe individuell vergeben werden. Eine andere Idee wäre es, eine Aufgabe komplett selbstständig zu übernehmen, wenn man es zeitlich und fachlich schaffen könne. 

Manche Dozenten seien hilfsbereit. Allerdings weiß Frank aus ihrer Arbeit bei der Lernberatung, dass Dozenten auf eine solche Anfrage auch ablehnend reagieren können. Ihre Begründung laute meist: Es läge in der eigenen Verantwortung, sich die Arbeit einzuteilen und dabei alle Gruppenmitglieder mitzunehmen. 

6 Versuche in der Präsentation deutlich zu machen, was du persönlich geleistet hast.

Von dem Gerechtigkeitsgedanken solle man sich unbedingt lösen, sagt Darrelmann: "In der konkreten Situation auf Gerechtigkeit zu beharren, würde einen nur blockieren. Die kommt schon noch mit der Zeit." Denn ein unkooperativer Faulenzer, der sich nicht einsetze und mit einer hohen Arbeitsbelastung nicht zurecht komme, werde auf seinem weiteren Karriereweg Schwierigkeiten bekommen.

Häufig gibt es zumindest für die Präsentation individuelle Noten. Da solle dann natürlich jeder auch nur das vortragen, was er oder sie auch erarbeitet hat, erklärt Darrelmann. "Dabei wird den Dozenten schon auffallen, in welchen Teil der Arbeit mehr oder weniger Aufwand steckt und das entsprechend benoten."


Retro

Kein Shuffle, keine Likes: Warum ich meinen Walkman vermisse
Als das Hören noch unschuldig war.

Ein fester Druck, Stille, kurz Leerlauf. Eine Atempause, gleichzeitig voller Spannung und Entspannung. So begann meine erste Begegnung mit dem Walkman. Erst dann, nach ein oder zwei Sekunden, begann die Musik. Es wurde ein gemütliches Ritual, das ich erst später so richtig zu schätzen lernte, nachdem CDs und MP3-Player den Walkman schon längst vom Nachttisch geschubst hatten. Sie boten endlose neue Möglichkeiten – aber keinen Leerlauf mehr. 

Jetzt feiert der Walkman, das berühmteste Kassettenabspielgerät der Welt, seinen 40. Geburtstag. Und ich merke: Ich vermisse ihn.

40 Jahre ist heute ein fast biblisches Alter für ein technisches Gerät. Wohl kein Mensch dürfte in drei Jahrzehnten sein erstes Smartphone oder einen Thermomix aus dem Schrank holen. Doch der Walkman von Sony, der erste erfolgreiche mobile Musikplayer der Welt, wird noch heute geliebt. Seit Jahren verkünden Musikmagazine, dass er bald wieder zurückkommt. In "Guardians of the Galaxy" tauchte er 2014 schon wieder auf, die Modekette "Urban Outfitters" verkauft inzwischen Tapes von Kanye West und Taylor Swift.

Höchstens Vinyl-Schallplatten haben in den vergangenen Jahren eine ähnlich zeitlose Beliebtheit erreicht. Auch sie knistern und wirken altmodisch, empfindsam und auf eine minimalistische Art schön. Doch kein Mensch würde seine Vinylplatte in die U-Bahn oder am Mittelmeer-Strand abspielen. Mit einer Kassette im Walkman war das kein Problem. Für das Phänomen gab es in den Achtzigern sogar einen neuen Namen: den Walkman-Effekt. Der Walkman war ein entschleunigtes Medium, seine pragmatische Gemütlichkeit steckte schon im Namen. 

Der Walkman war ein Gerät für Schlenderer und Träumer.

Eines, das man auch Kindern gut in die Hand drücken oder zum Geburtstag schenken konnte. Allein Sony verkaufte unter dem Originalnamen mehr als 300 Millionen Kassettenrekorder für unterwegs (WDR). Damals war das ein Wunder. Heute verkauft Samsung ähnlich viele Smartphones in einem einzigen Jahr (Tagesspiegel).

Viele Eltern wären vermutlich glücklich, könnten sie noch heute ihren Nachwuchs mit einem Walkman begeistern. Auch ich bekam meinen ersten und einzigen von meinen Eltern. Ob ich neun, elf oder 13 Jahre alt war, weiß ich nicht mehr.

Ich erinnere mich nur noch daran, wie er aussah: anthrazitgrau, abgerundet an den Ecken, in der Mitte ein ovales Sichtfenster. Der Aufdruck "MEGA BASS" leuchtete gelb. Der Walkman verkörpert für mich auch die absolute kindliche Verantwortungslosigkeit. So robust eingepackt und gelassen er daherkam, so fühlte ich mich mit ihm auch bei meinen Eltern auf der Rückbank des Autos – das vielleicht schönste Gefühl meiner Kindheit. 

Die schönsten Walkman-Momente verbrachte ich igendwo auf Korsika. In einem Zelt liegend, verträumt den "Drei Fragezeichen" zuhörend, die Füße im warmen Sand. 

Einfach nur Hören, ohne etwas shuffeln zu können oder von WhatsApp und Instagram abgelenkt zu werden. Vier Kassetten für einen ganzen Urlaub. 

Heute habe ich mit meinem Spotify-Konto Zugriff auf 35 Millionen Titel. Doch wenn ich einmal nicht aufpasse, läuft am Ende "Modus Mio" – eine seelenlose Auswahl von Rapmusik, zusammengestellt nur aufgrund ihres Erfolgs. Ein Klangteppich, der betäubt anstatt zum Träumen einzuladen. Die Gegenthese zum bewussten Erleben der Walkman-Kassette. 

Es gibt in der Gegenwart wohl keinen Podcast, kein Hörspiel, das ich auf dem Handy angehört habe, ohne gleichzeitig Benachrichtigungen zu bekommen oder Nachrichten zu schreiben. Im Urlaub muss ich jeden Abend nach Steckdosen suchen. Das Hören ist nicht mehr so unschuldig, wie es damals war. 

Den Walkman zu bedienen, war buchstäblich kinderleicht: vier Knöpfe, ein Lautstärke-Rädchen. Das Schlimmste, was passieren konnte, war Bandsalat. Doch dafür gab es den Bleistift-Trick.