Du hast eine revolutionäre Idee, mit der du die Welt verändern wirst. Du kannst etwas so gut, dass du ja blöd wärst, wenn du damit kein Geld verdienen würdest. Du willst einfach mal was Neues versuchen und bist neugierig, wie das mit dem Gründen so funktioniert.

Oder du hast einfach keinen Bock mehr, für deinen jetzigen Chef zu arbeiten – oder für irgendeinen Chef, um ehrlich zu sein.

(Bild: Giphy )
Du denkst dir: Wieso nicht was Eigenes auf die Beine stellen?

Klingt erstmal super. Nur reicht der Wille allein natürlich nicht aus, um der nächste Steve Jobs zu werden. Darum haben wir hier einmal die neun wichtigsten Fragen zusammengetragen, die du dir vor dem Gründen stellen solltest. Geholfen hat uns dabei Niklas Friedberg, selbst Mitgründer und "Head of Product“ beim Startup clustermarket – eine Plattform für die Vermietung von Laborgeräten und Dienstleistungen in der Life Science Industrie.

1. Glaubst du wirklich an deine Idee?

Schnapsideen hat man öfter mal. Die meisten vergisst man schnell wieder. Aber auch Einfälle, die hängenbleiben, sind deshalb nicht automatisch gut. Bevor du alles auf eine Karte setzt, solltest du deine Idee darum jedem nur möglichen Test unterziehen: Suche jedes Argument, das man gegen deine Idee anbringen könnte. Frage deine Freunde, frage Fremde, frage selbst deine Oma, wie sie deine Idee findet.

(Bild: Giphy )

Habe keine Angst davor, dass dir jemand deine Idee streitig macht – es ist viel gefährlicher, wenn du alles ängstlich für dich behältst. Denn nur wenn du alle Gegenargumente gehört – und entkräftet – hast, kannst du so überzeugt von deiner Idee sein, wie du es sein musst, um andere davon zu begeistern.

2. Gibt es deine Idee schon?

Das Dumme an richtig guten Ideen ist: Oft hat man sie nicht als einziger. Darum ist es wichtig, dass du vor dem Start checkst, was es schon gibt. Nichts nervt mehr, als eine Firma auf die Beine zu stellen und dann zu merken, dass der Markt von der Konkurrenz bereits mehr als gedeckt ist.

Andererseits musst du nicht gleich das Handtuch werfen, wenn jemand deine Idee schon vor dir hatte. Immerhin kann es ja sein, dass du einfach schneller, besser, günstiger bist. "Man darf sich nicht von anderen Startups einschüchtern lassen“, rät Niklas Friedberg. Nur im Auge sollte man sie schon haben. Aber selbst …

3. Wenn es deine Idee noch nicht gibt: Warum eigentlich nicht?

Natürlich kann es sein, dass du einfach kreativer bist als die anderen. Aber vielleicht hast du auch etwas übersehen. Gibt es wirklich einen Markt für dein Vorhaben? Ist es technisch umsetzbar? Sieht man vielleicht einfach dämlich aus, wenn man deine Erfindung benutzt?

(Bild: Giphy )

Mache dich mit der Branche vertraut; lese, was du nur dazu finden kannst; rede mit Leuten, die sich auskennen, bis niemand sich besser auskennt als du. Wissbegier ist schon vor dem Gründen einer deiner wichtigsten Eigenschaften!

4. Hast du das Zeug zum Gründer?

Wenn du dir sicher bist, dass die Idee die richtige für dich ist, musst du nur noch checken, ob du der Richtige für die Idee bist. Denn, wer ein Startup gründen will, der kommt ohne ein paar Schlüssel-Eigenschaften nicht aus. Zum Beispiel:

  • Risikobereitschaft, denn ein Risiko ist Gründen immer.
  • die Fähigkeit, mit Druck und Ungewissheit umzugehen. Denn wenn du vor jedem Pitch wochenlang nicht schlafen kannst, hältst du als Gründer nicht lange durch.
  • Kritikfähigkeit – oder besser noch: Kritiksucht. Denn aufrichtige Kritik ist gar nicht so leicht zu haben. Freunde, Verwandte und selbst Fremde sind meistens lieber nett als ehrlich. "Du musst nach Kritik fragen“, betont auch Friedberg, „sonst kriegst du keine.“
  • Neugier: Um erfolgreich zu sein, musst du dich ständig weiterbilden. Und das geht sehr viel einfacher, wenn du von Natur aus ein neugieriger Mensch bist, bzw. das Thema dich ehrlich interessiert. Sonst hörst du irgendwann einfach auf, dich zu informieren, weil du denkst, du weißt schon alles. Und dann hast du verloren.
5. Bist du bereit, dein Privatleben hinten anzustellen?

Zumindest für die nächsten Jahre wirst du das nämlich müssen, wenn du eine Firma gründest. Dazu Friedberg: "Einen geregelten Alltag wirst du erstmal nicht mehr haben“. Denn wenn du dachtest, dass du als Gründer keinen Chef mehr hast, der dich dauernd kritisiert, schlecht bezahlt und bis spätnachts arbeiten lässt, dann hast du dich geirrt: Dieser Chef bist du ab jetzt einfach selbst.

(Bild: Giphy )
6. Ist das der richtige Zeitpunkt für dich?

Mit dem Gründen ist es wie mit dem Kinderkriegen – den perfekten Zeitpunkt gibt es nicht. Dennoch solltest du dir bei einem so großen Projekt Gedanken darüber gemacht haben, ob du deine Entscheidung nicht in ein paar Jahren bereuen wirst. Denn: Ein halbes Jahr ziellos durch Indien zu reisen, um dich selbst zu entdecken, wird schwierig; Kinderkriegen wird schwierig; Umziehen wird (wenn die Firma nicht komplett im Netz stattfindet) schwierig.

Aber auch von deiner Lebensplanung abgesehen spielt dein Alter eine Rolle: Mit 24, als Niklas Friedberg sein Start-Up gegründet hat, war er unabhängig, risikobereit, mutig und frisch im Kopf. Umso jünger du bist, desto offener bist du für Neues und desto neugieriger näherst du dich unbekannten Themen. Aber andererseits bist natürlich noch eher unerfahren und naiv. Die Schwierigkeit besteht darin, den Moment abzupassen, an dem die Vorteile überwiegen.

7. Wovon willst du die nächsten Jahre leben?

Dein Businessplan ist perfekt, jede Ausgabe für Druckerpapier und Bewerbungsmappen einkalkuliert – nur hast du auch daran gedacht, dass du essen musst? Von was willst du das bezahlen? Schicken dir deine Eltern Wurstkörbe? Baust du Gurken hinterm Haus an? Kennst du eine reiche Katze, von der du dir was borgen kannst?

(Bild: Giphy )

Vielleicht wäre es ja sinnvoll, deinen jetzigen Job noch ein paar Monate zu behalten, bis dein Start-Up ein bisschen Fahrt aufgenommen hat. Oder du findest Stipendien oder Accelerator-Programme, die dir für die erste Zeit unter die Arme greifen, damit es zum Monatsende nicht ganz so knapp ist. clustermarket wird zum Beispiel vom Merck Accelerator unterstützt.

8. Kennst du die richtigen Leute?

Du wirst natürlich noch ganz viele Leute kennenlernen, wenn dein Start-Up erstmal läuft. Ein kleines Team, das die wichtigsten Aufgaben übernimmt, brauchst du aber von Anfang an. Da sollte jemand dabei sein, der die Branche kennt, jemand mit Erfahrung und vielleicht sogar Connections; jemand, der sich mit Finanzen auskennt; und, falls nötig, jemand fürs Technische – ein Programmierer zum Beispiel.

Aber nicht nur die Fähigkeiten deiner Partner zählen – ihr solltet euch auch aufeinander verlassen können. Bei clustermarket haben zwei Leute in ihren alten Jobs weitergearbeitet, damit der dritte das Projekt voranbringen konnte. "Alle, die mitmachen, müssen Commitment zeigen“, sagt Friedberg.

9. Hast du da wirklich Bock drauf? Wirklich? WIRKLICH?

Wenn du unter die Gründer gehst, dann musst du voll dahinterstehen. Gegenüber deinen Kritikern, gegenüber deinen Freunden und deiner Familie, gegenüber Investoren und Kunden. Das kannst du nur mit ganzem Herzen, wenn du die Idee richtig gut findest, wenn du dein Team magst, wenn du gerade nicht lieber in Indien wärst, wenn du mit dir selbst im Reinen bist und wenn du – nicht zu vergessen – überhaupt noch stehen kannst (und nicht vor lauter Schlafmangel schnarchend in dich zusammensackst).

Wenn das alles stimmt, steht deinem Erfolg nichts mehr im Weg. Wir wünschen dir jedenfalls alles Glück der Welt!

(Bild: Giphy )

Kundeninformationen

Du bist bereit für das ganz große Ding? Dann findest du hier noch ein paar Tipps, wie du deine zukünftigen Mitarbeiter dazu motivierst, genauso neugierig zu sein wie du selbst.

Geld ist nämlich gar nicht so wichtig. Mitarbeiter wollen vor allem Anerkennung für das, was sie leisten, und motiviert werden. Mehr zum Thema Neugier am Arbeitsplatz und wie sich Arbeitnehmer bestärkt fühlen, ihre volle Kreativität einzubringen, erfährst du hier.

Wenn du noch nicht ganz so weit bist, erste Mitarbeiter einzustellen, sondern noch ein bisschen Unterstützung bei deiner Geschäftsidee brauchst, bewirb dich bei unserem Accelerator-Programm. Das Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck sucht Startups in den Bereichen Digital Health, Healthcare, Life Science, Performance Materials und IT. An zwei Standorten – in Darmstadt und Nairobi – erhalten Gründer im Rahmen eines dreimonatigen Programms Coachings und Arbeitsflächen. Und natürlich das nötige Kleingeld. Unter accelerator.merckgroup.com erfährst du mehr.

curiosity.merck.de


Tech

Online-Shoppen soll in Europa leichter werden. Aber beim Streamen wirst du weiter zensiert

Wenn du Tickets für ein Konzert in London kaufen willst, dann war das von einem deutschen Rechner bislang ziemlich teuer. Auch wenn du ein Hostel in Rom oder die Flüge nach Spanien buchen wolltest – aus dem Ausland hast du als Online-Kunde mehr bezahlt. Hinter dieser Preisschranke steckt das sogenannte Geoblocking.

Die Europäische Union (EU) will dieses Geoblocking nun endlich stärker unterbinden. Das hat der Europäische Rat in einem neuen Gesetzesentwurf vorgeschlagen. Das Gute daran: grenzüberschreitendes Online-Shopping wird dann sehr viel einfacher. Das Schlechte: Leider greift die Reform viel zu kurz, denn Streamingdienste werden weiterhin nicht berücksichtigt.