Bild: Pixabay
Und wie genau frage ich danach?

"Chef, ich will mehr Geld!" Diese Worte hat wohl jeder Arbeitnehmer und jede Arbeitnehmerin zumindest schon einmal gedacht. Doch nicht jeder traut sich, diese auch offen an die Vorgesetzten zu richten. Man selbst hat den Eindruck, gute Arbeit zu leisten und eine Gehaltserhöhung zu verdienen – doch sieht der Chef das auch so?

Dabei wirkt sich eine ungerechte Bezahlung nicht nur auf den Kontostand aus. In einer Studie der Hochschule Ravensburg-Weingarten haben Wissenschaftler herausgefunden: Wer sich ungerecht bezahlt fühlt, leidet häufiger unter Stresserkrankungen als die Kolleginnen und Kollegen, die zufrieden sind. 

Doch wie führe ich überhaupt eine Gehaltsverhandlung, wenn ich dann endlich den Mut gefasst habe, auf meinen Chef zuzugehen?

Was soll ich genau sagen? Soll ich alles aufzählen, was ich bei der Arbeit leiste? Wie viel Geld kann ich verlangen?

Darüber haben wir mit unserem Job-Trio gesprochen:

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 137 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Johanna Runge, 21, hat gerade ihre Ausbildung zur Raumaustatterin abgeschlossen. Am liebsten arbeitet sie aber alte Möbel in der Polsterei auf. Auch wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, viel lernen will sie trotzdem noch.

In unserer Kolumne beantworten die drei Fragen, die sich besonders Berufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten. 

Heute: Ab wann kann ich als Berufseinsteiger mehr Gehalt fordern?

Das sagt Chef Lasse Rheingans:

Ich selbst habe nur einmal als Freelancer mehr Gehalt gefordert. Das war in meinem alten Studentenjob. Das Ergebnis war, dass ich das Unternehmen verlassen habe. Mit einem abgeschlossenen Bachelorstudium wollte ich natürlich mehr Geld haben. Ich wollte das Doppelte an Gehalt, da kann ich es nachvollziehen, dass sie das nicht zahlen wollten. 

Heute bin ich der Meinung, dass wenn du deine Aufgaben erfolgreich abschließt und einen positiven Beitrag für das Unternehmen leistest, eine gute Führungskraft auf dich zukommen sollte. Dabei ist klar, dass das nicht schon wenige Monate nach deinem Berufseinstieg passieren wird.

Sollte dein Chef nach längerer Zeit aber nicht auf dich zukommen, du aber das Gefühl hast, dass du für deine Arbeit mehr Geld verdient hast, suche das Gespräch mit ihm. Wichtig ist, dass du nicht überheblich bist. Dein Chef wird dich mit anderen Kollegen vergleichen, dabei solltest du eine reflektierte Selbsteinschätzung haben.

Als Chef sage ich nie direkt Nein zu der Gehaltsforderung. Wenn die Summe zu hoch ist, zeige ich meinen Angestellten auf, in wie vielen Jahren das Gehalt realistisch ist. Ich finde, dass beide Seiten bereit sein müssen, einen Kompromiss einzugehen. Zum Beispiel kann man sich auch mit einem neuen Firmenwagen oder -fahrrad oder Rentenzuschüsse erst einmal in der Mitte treffen. Das habe ich meinen Mitarbeitern beispielsweise schon vorgeschlagen, um ihnen entgegenzukommen. 

Da jeder Job und jeder Chef anders ist, kannst du dich auch gut an dem Gehaltsspiegel orientieren, der dir dabei hilft, deine Gehaltsforderung besser einzuschätzen. 

Das denkt Kassiererin Dagmar Prüter:

Vor ein paar Jahren war ich hier im Supermarkt mal kurz davor, nach mehr Geld zu fragen. Ich zeige, dass ich Spaß an der Arbeit habe und hatte das Gefühl, dass ich meine Aufgaben sehr gut erledige. Deswegen dachte ich, dass es an der Zeit ist, mehr Geld zu bekommen. Am nächsten Tag kam mir mein Chef zuvor. Das war mein Leben lang so. Ich habe noch nie fragen müssen.

Nach der Lehrzeit würde ich aber schon zwei Jahre warten, bevor ich mehr Geld fordere. Aber dann finde ich, steht es einem schon zu. Man sollte sich vorher einen Überblick über die Tarife verschaffen. Beim Gespräch selbst würde ich mutig sein und dem Chef offen sagen, dass ich unzufrieden mit dem Gehalt bin. Der Chef sieht ja auch, wie wir arbeiten und sagt dann ja oder nein.

Für mich wäre es wichtig, dass ich meinen Vorgesetzten keine Pistole auf die Brust setze. Ich würde kein Ultimatum stellen und sagen: Entweder ich bekomme mehr Geld oder ich gehe. Das geht meistens schief.

Das meint Handwerkerin Johanna Runge:

In meinem Freundeskreis habe ich die Erfahrung gemacht, dass es nach einem Jahr schon üblich ist, dass man mehr Gehalt bekommt oder zumindest danach fragen kann. Ich denke, dass ein Chef nach dieser Zeit schon sehr gut einschätzen kann, wie sicher und schnell jemand arbeitet. Das Einsteigsgehalt ist ja dazu da, um erst einmal zu sehen, was jemand überhaupt kann.

Ich selbst habe noch kein höheres Gehalt gefordert. Aber ich würde hingehen und sagen: Ich bin jetzt schon seit einem Jahr dabei, du weißt, was ich kann und du siehst, dass ich mich engagiere. In meiner Firma zum Beispiel übernehme ich nicht nur die handwerklichen Aufgaben, sondern mache auch Kundenberatung, Buchhaltung oder schreibe Aufträge und Rechnungen. Das sind viel mehr Aufgaben, als in meiner Jobbeschreibung stehen. Mit solchen Argumente würde ich mein Anliegen begründen. 

Wie viel Geld ich fordern würde, kommt natürlich immer auf den Job selbst an. Als Handwerkerin verdiene ich eher wenig, da wären 50 Euro brutto schon viel. Aus meiner Berufsschule weiß ich, dass es auch Menschen gibt, die eine falsche Selbsteinschätzung haben. Wenn du natürlich nicht 100 Prozent Leistung bringst, kannst du auch nicht viel Geld verlangen.


Gerechtigkeit

"Fridays for Future" in der Krise? Eine Forscherin erklärt, wann Bewegungen kippen können
Und warum sich "Fridays for Future" erst mal keine Sorgen ums Geld machen muss.

Die Bewegung "Fridays for Future" startete einst als Protestaktion von Schülerinnen und Schülern. Und Kritiker unkten: Die Sommerferien überstehen die Klimakids niemals! Nun sind Schulferien und Semesterpausen rum – und "Fridays for Future" gibt es immer noch.