Mal für ein Jahr den ganzen Alltagstrott hinter sich zu lassen, klingt eigentlich immer verlockend. Nach dem Bachelor ist der Reiz jedoch besonders groß. Immerhin hast du dann mindestens 15 (fünzehn!) Jahre Ausbildung hinter dir, und vor dir liegt eine der wichtigsten Entscheidungen deines Lebens: Welche Karriere sollst du anstreben, worauf dich spezialisieren?

(Bild: Giphy )

Da ist es nur sinnvoll, den Kopf frei zu machen und dich umzusehen. Zeit für ein Gap Year also. Nur: Das ist leichter gesagt als getan. Ein Jahr mal was ganz anderes zu machen kann eine Bereicherung für dich sein. Es kann dich aber auch nur unnötig aufhalten. Hier kommen ein paar Fragen, die du dir im Vorfeld unbedingt stellen solltest.

1. Welche Rolle soll das Jahr in meinem Lebenslauf spielen?

Natürlich muss nicht immer alles im Leben auf größtmögliche Effizienz ausgelegt sein. Dein Lückenjahr sollte trotzdem nicht zum ultra-ausgedehnten Urlaub eskalieren. Du solltest deshalb immer darauf achten, wie du das Jahr später einmal beim Bewerbungsgespräch verkaufen kannst. Das Gap Year soll in der Geschichte deines Lebens nicht die Werbepause sein, sondern ein notwendiges, zielführendes Kapitel.

Praktika können hier dazu dienen, dich schon mal in verschiedene Berufszweige reinzufühlen. Versuche also, mehrere unterschiedliche Stellen bei unterschiedlichen Unternehmen zu ergattern, ohne aber vollkommen wahllos und desorientiert zu erscheinen. Dein zukünftiger Arbeitgeber sieht dann, dass du zwar offen und experimentierfreudig aber eben auch zielstrebig bist. Und du bekommst ein besseres Verständnis davon, was und wo du später einmal arbeiten möchtest.

Wenn du dich fürs Verreisen entscheidest, bekommst du auf jeden Fall ein paar Soft Skills, die du in fast allen Berufen verwenden kannst: Eigenständigkeit und Organisationstalent zum Beispiel. Für verschiedene Karrieren machen hierzu aber verschiedene Länder Sinn. Du kannst das Jahr natürlich auch an einem spanischen FKK-Strand verbringen – du musst nur kreativ genug sein, um das beim Bewerbungsgespräch zu verargumentieren. Orden und Diplome gibt's fürs nackt Rumsitzen nämlich keine.

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2. Was genau möchte ich in dem Jahr machen?

Wenn du weißt, wieso du das Jahr machst, kannst du deine Pläne darauf zuschneiden.

  • Wenn du bereits einen spezifischen Karriereweg im Sinn hast, solltest du in deinem Gap Year auf jeden Fall einige interessante Praktika machen – entweder in Deutschland oder im Ausland. Die Suche nach einem Platz kann sehr aufwändig sein: Gute Stellen sind heiß begehrt und so kommst du schnell mal auf vierzig Bewerbungsschreiben – natürlich mit jeweils individuellen Motivationsschreiben. Wenn du das vermeiden möchtest, kannst du auch eine Vermittlungsagentur beauftragen. Diese verlangen für ihre Dienste aber grob 500–1000€. Oder du versuchst es mit Angeboten wie diesem Gap Year Programm, bei dem du für bis zu vier Praktika nur eine einzige Bewerbung schreiben musst.
    Achte in jedem Fall darauf, dass du bei deinen Praktika echte Einsicht bekommst. Ein Jahr lang Kaffee kochen macht deinen Lebenslauf nämlich um kein Stück besser – selbst, wenn du es in Indien tust. Informiere dich daher im Vorhinein bei Portalen wie glassdoor.de und kununu.com über die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Firmen und frage beim Bewerbungsgespräch proaktiv nach deinen Aufgabenbereichen.
  • Geht es dir darum, eine Sprache zu lernen? Dann kann es sinnvoll sein, eine offizielle Sprachreise zu machen, damit du deine erworbenen Kenntnisse hinterher besser nachweisen kannst. Universitäten überall auf der Welt bieten außerdem sogenannte Summerschools an, bei denen du Lernen und Auslandserfahrung kombinieren kannst. Einen ersten Überblick über das Angebot findest du hier.
  • Während des Gap Years bei einer ausländischen Hilfsorganisation mitzuarbeiten, ist in letzter Zeit als "volunteer tourism" in Verruf geraten. Wer nur auf der Suche nach Abenteuern ist, sollte lieber einfach Backpacken. Wenn du aber wirklich helfen möchtest, gilt es, die Reise vorher extrem gut zu recherchieren und außerdem genug Zeit einzuplanen. In sechs Wochen hat noch keiner die Welt gerettet.
    Natürlich kannst du auch bestehende Programme wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ), das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) oder den Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) nutzen. Je mehr Kreativität, Eigenverantwortung und Initiative du bei der Gestaltung deines Gap Years jedoch zeigst, desto besser wirkt das im Nachhinein.
3. Wie will ich mir das Jahr finanzieren?

So ein Gap Year kann finanziell eine ganz schöne Herausforderung sein – vor allem, wenn du ins Ausland möchtest. Einfach nur herumzureisen kann sich nur leisten, wer zuvor entweder fleißig gespart hat oder von den Eltern finanziert wird.

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Aber auch Work und Travel will gut geplant sein: In manchen Ländern sind die entsprechenden Arbeitsplätze heiß umkämpft. Auf jeden Fall solltest du...

  • prüfen, ob es in deinem Wunschland ein Working-Holiday-Programm gibt, und
  • deine Jobsituation frühzeitig planen: Wenn du zum Beispiel weißt, wo wann die Erntezeit ansteht, kannst du deine Reiseroute darauf anpassen. Oder du arbeitest weiterhin in Deutschland – nur eben von woanders aus?
  • In Australien musst du ab 2017 außerdem 19 Prozent Steuern auf deinen Lohn zahlen – das kann schon mal den Unterschied zwischen einem Doppelzimmer und einem 12er-Schlafraum machen.

Aber selbst, wenn du in deinem Gap Year eigentlich nur arbeiten willst, ist dein Einkommen damit nicht automatisch gesichert. Praktika sind oft unbezahlt und wenn es Geld gibt, dann selten genug, um davon zu leben. Manche Anbieter garantieren die Vergütung der Praktika. Bei anderen kann man Stipendien beantragen, um immerhin die Lebenshaltungskosten während der Zeit zu decken. Oft sind diese Förderungen jedoch abhängig von deinem Studentenstatus.

Manchmal – beim FSJ zum Beispiel – bekommt man eine Unterkunft gestellt, aber auch dies ist die Ausnahme. Es lohnt sich daher, für das Jahr eine Art Businessplan aufzustellen, in dem du deine Ausgaben gegen die potentiellen Einnahmen rechnest. Sonst könnte deine Reise auch so aussehen:

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4. Was gibt es an Bürokratie zu beachten?

Wenn du das Land verlässt, musst du dich natürlich um Dinge wie Reisepass, Visum, Arbeitserlaubnis und Impfungen kümmern. In jedem Fall musst du vor dem Gap Year checken, wie es mit deinen Versicherungen steht. Bis zu deinem 25. Lebensjahr bist du wahrscheinlich noch familienversichert. Aber wie sieht dein Schutz im Ausland aus? Es kann außerdem einen großen Unterschied machen, ob du deinen Studentenstatus während deines Gap Years behältst. Informiere dich dazu frühzeitig bei deinem Versicherer.

Wenn du auf BAföG und Kindergeld gehofft hast, um dein Gap Year zu finanzieren, steht dir leider eine Enttäuschung bevor. Das Kindergeld wird während dieser Zeit grundsätzlich ausgesetzt, es sei denn, du entscheidest dich für ein FSJ. Auch dein reguläres BAföG bekommst du während des Gap Years nicht. Andererseits werden dir deine Urlaubssemester nicht von der Förderungshöchstdauer abgezogen – du kannst sie also später einfach an dein Studium dranhängen.

5. Was plane ich für die Zeit danach?

Aus deiner jetzigen Perspektive ist das vielleicht schwer vorstellbar, aber es gibt eine Zeit nach dem Gap Year! Und die solltest du bei deinen Planungen auf keinen Fall aus den Augen verlieren. Ob du nun ins Ausland reist oder lediglich Praktika in anderen deutschen Städten absolvierst: Du willst danach wahrscheinlich nicht unbedingt bei deinen Eltern einziehen müssen. Die würden sich vielleicht freuen, aber du denkst eher so ...

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Darum solltest du jetzt schon darüber nachdenken, ob du deine Wohnung zur Zwischenmiete anbietest, oder ob du sowieso in eine andere Stadt ziehst – vielleicht ja, weil du dort deinen Master machst.

Für den hast du dich während deines Gap Years nämlich hoffentlich beworben. Erkundige dich dafür am besten möglichst früh über die entsprechenden Fristen und prüfe, was du für diese Bewerbungen schon vorarbeiten kannst.

Während deines Gap Years wirst du nämlich mit Arbeiten, Kontakte Knüpfen oder Reisen mehr als genug zu tun haben. Da sollte deine Zukunft der Gegenwart möglichst wenig im Weg stehen!

Kundeninformationen

Keine Lust auf Bewerbungsstress? Wie wäre es, vier Praktika mit einer einzigen Bewerbung zu bekommen?

Im gemeinsamen GapYear-Programm von Allianz, Bertelsmann, McKinsey & Company, Project A, SAP und Zalando bekommst du die Möglichkeit, in einem Jahr praktische Erfahrung bei Topunternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen zu sammeln. Das Angebot zwischen Bachelor- und Masterstudium ist flexibel planbar und ermöglicht dir über die Praxissationen hinaus genug Freiraum für ein persönliches Anliegen - zum Beispiel für soziales Engagement oder eine Weltreise. Erfahre mehr!

www.gapyear-programm.de


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