So fühlt sich das chinesische Gaokao an.

"Das mache ich niemals wieder." Gerade hat die 18-jährige Wang Xue die chinesische Abschlussprüfung an ihrer Schule in Shanghai abgelegt. Schüler, die nicht mit dem Ergebnis zufrieden sind, können den Test im kommenden Jahr wiederholen. Aber Xue weiß: Sie will nie wieder zurück.

Mehr als neun Millionen Schüler haben diesen Monat an der chinesischen Abschlussprüfung teilgenommen; so qualifizieren sie sich für die Universität. Zwei Tage lang schreiben sie Tests in Mathe, Englisch und Chinesisch, dazu kommt ein Wahlfach. Nur wer genug Punkte sammelt, kann am Ende studieren. Die Prüfung gilt als eine der härtesten Abschlussprüfungen der Welt: Sie entscheidet über die Zukunft der Schüler – und manchmal auch über die ihrer Eltern.

Denn: Mit einem Abschluss an einer Universität sollen sie bessere Jobs bekommen und später die Familie versorgen, soweit zumindest die Hoffnung der Familie. Nur drei von vier Teilnehmern haben eine Chance auf einen Studienplatz – und noch einmal weit weniger an den angesehenen Universitäten in den Großstädten. In vielen Regionen des Landes ist Bildung deshalb der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Privatschulen, Nachhilfelehrer, Unterrichtsmaterialien: Die Eltern investieren mehrere zehntausend Euro, um die Noten ihrer Kinder zu verbessern.

In der Fotostrecke: Wie das Gaokao China lahm legt
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Seit sie ein kleines Kind war stand Xue deswegen enorm unter Druck: "Meinen Eltern waren meine Noten sehr wichtig", erzählt sie. Jeden Morgen um 6.30 Uhr begann bei ihr die Schule. Der Unterricht ging bis spät abends, danach folgten noch einmal bis zu vier Stunden Hausaufgaben. Am Wochenende hatte Xue Einzelunterricht in Mathematik und Physik, ihre Lehrer kamen dafür extra zu ihr nach Hause. Bereits in der Grundschule hatte sie solche Zusatzkurse.

Zudem hat meine Mutter mir Nahrungsergänzungsmittel gegeben, um meine Gedächtnisleistung zu verbessern.

Um ihre Noten weiter zu verbessern, stellte sie sogar ihre Ernährung um: Anfangs aß Xue in der Schule zu Mittag und zu Abend. Ab der dritten Klasse brachte ihre Mutter jeden Tag selbstgekochtes Essen in die Schule. Neben viel Obst und Gemüse nur noch Fisch und Meeresfrüchte, auf Schweinefleisch verzichtete Xue. "Zudem hat meine Mutter mir Nahrungsergänzungsmittel gegeben, um meine Gedächtnisleistung zu verbessern", sagt sie.

Um den Schulweg möglichst kurz zu halten, zog die Familie in die Nähe der Schule. Das wollen viele Eltern, dementsprechend hoch sind in diesen Gegenden die Mietpreise. Die Eltern zahlten, schließlich sollte Xue morgens entspannt in die Schule gehen.

Dieser Bildungshype hat eine lange Tradition.

Bereits im 6. Jahrhundert setzte der chinesische Kaiserhof auf eine Prüfung, mit der Beamte für Ministerien oder andere Verwaltungen ausgewählt wurden. Wer sie bestand, sicherte sich und seiner Familie ein gutes Einkommen.

Heute ist die Idee im Prinzip gleich: Jeder kann an der Schulabschluss-Prüfung teilnehmen. Untersuchungen zeigen allerdings, dass die Chance auf einen Studienplatz vor allem von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern abhängt. Wie bei Xue, deren Eltern sich den Nachhilfeunterricht ihrer Tochter leisten können.

Stimmen die Noten nicht, greifen einige verzweifelte Eltern auch zu anderen Mitteln.

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Lehrer bestochen, Prüfungsfragen gekauft oder die Schüler schummelten. Um das in den Griff zu bekommen, hat China strenge Gesetze gegen das Schummeln verabschiedet: Bis zu sieben Jahre Haft drohen dem, der erwischt wird. Die Schüler werden durchsucht, die Klassenräume mit Kameras ausgestattet. In einigen Städten werden sogar Drohnen eingesetzt, um Funksignale in der Umgebung von Schulen abzufangen.

Xue sagt, sie habe nie ans Schummeln gedacht: "Ich war gut vorbereitet." Außerdem fürchtete sie sich vor Konsequenzen, vor allem, weil Betrüger die Prüfung nicht wiederholen dürfen.

Während der zwei Prüfungstage warteten Xues Eltern im Auto vor der Schule. Viele Firmen geben ihren Mitarbeitern an den Tagen frei, um den Verkehr zu entlasten. Straßen um die Schulen werden komplett gesperrt, damit die Schüler nicht abgelenkt werden.

"Ich war ziemlich nervös vor der Prüfung", sagt Xue. All die Zeit, die sie in die Vorbereitung investiert hatte, die vielen Stunden am Schreibtisch. "Während der Prüfung war ich aber zum Glück konzentriert." Sicherheitshalber betete sie am Tag vorher im Tempel, religiös ist sie nicht, aber für die die Prüfung wollte sie nichts unversucht lassen.

Inzwischen hat sie ihr Ergebnis: mit 502 Punkten von 750 ein gutes Ergebnis. Komplett entspannen kann sie aber noch nicht; denn einige Universitäten setzen seit einigen Jahren auf zusätzliche Interviews, um herauszufinden, ob die Studenten wirklich geeignet sind. Xue bereitet sich auf ein Gespräch an der Jiaotong-Universität vor, eine der besten des Landes.

Viel Druck für die 18-Jährige, daran ist sie aber gewöhnt.

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