Bild: Priscilla du Preez/Unsplash

Fast 35 Stunden pro Woche verbringen erbwerbstätige Deutsche durchschnittlich bei der Arbeit, weiß das Statistische Bundesamt. Überstunden sind dabei nicht mitgerechnet. In vielen Branchen ist die Arbeitszeit höher, Menschen, die in Teilzeit arbeiten, ziehen den Schnitt wieder nach unten. So oder so: Es ist viel Zeit, die wir im Büro oder in der Werkstatt verbringen.

Kein Wunder also, dass wir uns dort oft nach Freunden umsehen. Frollegen, sozusagen. Menschen, mit denen wir uns auch privat gut verstehen und mit denen wir an langen Arbeitstagen über das Wochenende oder den nächsten Urlaub reden können, vielleicht auch über ganz persönliche Probleme oder Gedanken.

Das ist auch gut für die Arbeit. "Freundschaften zwischen Kollegen bereichern den Betrieb ungemein", meint beispielsweise die Arbeitspsychologin Sabine Hommelhoff von der Unversität Erlangen. Menschen, die bei der Arbeit eine persönliche Ebene zu anderen finden, sind zufriedener und motivierter, sagt sie.

Doch wie findet man Kolleginnen und Kollegen, mit denen man sich bei der Arbeit auch privat versteht?

Das Jobtrio sucht Antworten.

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 137 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Johanna Runge, 21, hat gerade ihre Ausbildung zur Raumaustatterin abgeschlossen. Am liebsten arbeitet sie aber alte Möbel in der Polsterei auf. Auch wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, viel lernen will sie trotzdem noch.

In unserer Kolumne beantworten die drei Fragen, die sich besonders Bebrufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten. 


Heute: Wie finde ich Freunde bei der Arbeit?

Das denkt Chef Lasse Rheingans:

Ich habe ja schon einmal erzählt, wie ich während meines Studiums auf Ärztekongressen Geld dazuverdient habe. Es war mein erster Job neben der Uni und vielleicht auch mein stressigster: Jeden Tag mussten wir Kabel verlegen, Computer einrichten und Steckdose suchen. Mal in Schweden, sogar mal in den USA.

Das war einerseits ein großes Abenteuer, andererseits aber auch eine wirkliche Herausforderung. Jeden Abend saßen wir irgendwo hinter den Kulissen und tranken noch ein Bier. Das half schon einmal, um mit den Kollegen ins Plaudern zu kommen. Ungewohnt war es dennoch. Mit wem redet man, wenn man plötzlich in einer ganz anderen Stadt landet und niemanden richtig kennt? 

Ich habe damals gelernt, dass es sich lohnt, anderen zuzuhören, wenn man möchte, dass sie dasselbe für einen tun. Freundschaften sind ein Geben und Nehmen – auch bei der Arbeit. Wenn du also Anschluss finden willst, erzähl keine großen Geschichten, sondern höre anderen zu. Stell Fragen, wenn ihr euch in der Kaffeeküche begegnet und frag, ob andere dir helfen können, wenn du dir bei einer Sache nicht sicher bist. Denn gute Zuhörer sind meist auch gute Freunde.

Das sagt Kassiererin Dagmar Prüter:

Als ich mit Anfang 20 anfing zu arbeiten, gingen wir am Freitagabend oft noch gemeinsam aus. Das war was! Wir zogen uns schick an und besuchten ein bekanntes Café in der Hamburger Innenstadt. Beim ersten Mal gab es genau eine Regel: Wer nicht jemandem zum Tanzen auffordert, muss allen ein Getränk ausgeben. 

Uns gegenüber saß ein Kapitän in seinem teuren, dunkelblauen Anzug. Ein richtiger Gockel mit gefärbtem Schnurrbart. Meine Kolleginnen wollten natürlich alle, dass ich ihn um einen Tanz bitte. Doch ich wollte nicht. Also zahlte ich. Bei der zweiten Runde dachte ich an meinen Geldbeutel und an den Schwips. Also tanzten wir. Nur ein paar Schritte. Es war gar nicht schlimm, auch wenn es sicherlich fürchterlich aussah. Natürlich lachten alle danach. Ich auch. 

Wenn du auch über dich und mit Kollegen lachen kannst und verlässlich bist, hilft das sehr viel. Andere bemerken das! Noch heute sind mir diese beiden Dinge wichtig. Du musst gar keinen Kuchen mitbringen, aber ehrlich und fröhlich sein. Dann findest du auch Anschluss.

Das meint Handwerkerin Johanna Runge:

Bei der Arbeit ist es wie früher im Klassenzimmer: Irgendeinen Menschen mag man eben immer besonders gern. Eine beste Freundin oder ein guter Sitznachbar machen den Alltag einfach lustiger. Auch in der Werkstatt ist das so. Wenn ich an meine Berufsschulzeit zurückdenke, weiß ich sofort, mit wem ich mich gleich verstanden habe. Mit meiner besten Freundin war ich damals reiten und in in Schweden wandern. Noch heute ist sie mir sehr wichtig.

Wenn ich dir also einen Tipp geben kann, dann den: Frag dich nicht so sehr, wie du bei allen ankommst. Schaue lieber, mit wem du gerne deine Pause verbringen würdest. Überlege dir, warum das so ist. Habt ihr euch viel zu erzählen? Hast du viele Fragen? Gefällt dir etwas an der Person? Dann sprecht doch bei der nächsten Gelegenheit einmal darüber. Wenn du jemanden hast, mit dem du dich verstehst, kommst du auch schnell in Kontakt mit anderen. Wir waren ja alle mal die Neuen!


Grün

Was, wenn die Klimakatastrophe kommt? Wir haben mit "Fridays for Future"-Aktivisten über ihre Zukunft gesprochen

Etwa 1400 junge Menschen kommen zum Sommerkongress von "Fridays for Future" nach Dortmund. Fünf Tage lang will sich die Bewegung austauschen und vernetzen, es gibt Workshops und Diskussionsrunden mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Und es soll um die Zukunft der Bewegung gehen: Innerhalb von nicht einmal einem Jahr ist aus kleinen Schülerstreiks eine Massenbewegung geworden. Doch die Politik reagiert noch immer zögerlich auf ihre Forderungen. Daher wird es auch darum gehen, wie "Fridays for Future" den Druck auf die Regierung nach den Sommerferien weiter erhöhen kann.

Beim Kongress geht es um die nächsten Wochen und Monate – doch wie blicken die Aktivistinnen und Aktivisten in die Zukunft?

Was die gesamte Bewegung antreibt, ist die Angst um ihre Zukunft und die der nachfolgenden Generationen, die Angst davor, zukünftig nicht mehr leben zu können wie heute. Wie stellen sie sich ihr Leben vor, wenn in 50 Jahren die Auswirkungen der Klimakrise noch spürbarer werden? Wir haben Ragna Diederichs und Jakob Blasel, zwei der Organisatoren des Sommerkongresses, gefragt. 

Ragna, 18