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Endlich!

Snapchat, Prüfungsanmeldung, Tinder, Vorlesungsmitschrift – Studierende haben für gewöhnlich einiges zu tun. In vielen Hörsälen klingelt und vibriert es regelmäßig. Sorry Prof, ganz vergessen. Das Smartphone hilft uns in vielen Situationen am Campus, doch manchmal nervt es auch.  

Wie können wir mit Handys umgehen, ohne unser Studium zu verzocken?

Auch viele Dozentinnen und Dozenten, Professorinnen und Professoren tun sich damit schwer. In manchen Vorlesungen werden Laptops verboten, in anderen gibt es keine offizielle Mitschrift, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Wirklich hilfreich ist beides nicht. Am Ende fällt es Studierenden nur noch schwerer, die Balance zwischen Handy und Hörsaal zu finden.

Geht das nicht besser?

In Baden-Württemberg hat ein Dozent einen anderen Weg gewählt. Dr. Reinhold Haug ist akademischer Oberrat an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Sein Fachgebiet ist die Ausbildung angehender Mathelehrer.

Seit einem Jahr gibt es in seinen Veranstaltungen alle 30 Minuten eine Pause – damit Studierende offiziell aufs Handy schauen können. Während der restlichen Zeit sollen die Geräte in der Tasche bleiben. Haug hat das Konzept als Experiment vorgestellt. Kann es gelingen? 

Fest steht: Seit der Smartphone-Pause hat sich der Umgang zwischen Studierenden und Dozent verändert. "Erst im Gespräch mit den Studierenden hab ich gemerkt, dass viele die Handy-Pause auch als Gedanken- und Reflexionspause sehr schätzen", sagt Haug. Das Experiment habe geholfen, besser über neue Vorlesungsformate zu reden. Die Bedürfnisse beider Seiten seien jetzt klarer.

Doch wie gut funktioniert die Regel im Uni-Alltag wirklich? Und wie geht der Dozent selbst mit Smartphones um? 

Wir haben ihn gefragt:

Reinhold Haug ist Dozent am Institut für Mathematische Bildung an der PH Freiburg.(Bild: Badische Zeitung/Schneider)

Herr Haug, Sie haben in ihren Seminaren eine Smartphone-Pause eingeführt. Wie kam es dazu?

Ich habe nichts gegen Smartphones. Auch an der Uni können sie hilfreich sein, aber ich will mit den Studierenden diskutieren können. Das geht nur, wenn man konzentriert ist. Mit Smartphones unter den Tischen ist die Aufmerksamkeit aber nach 20 Minuten weg.

Und da kann man nicht einfach mal sagen: Leute, bitte das Handy weglegen?

Ich habe es erst mit Verboten und moralischen Appellen probiert, das half aber alles nicht so richtig. Junge Erwachsene wollen eben nicht fremdbestimmt werden. Mit der Pause klappt es dagegen sehr gut. Schon eine Minute reicht, damit die Studierenden nicht mehr das Gefühl haben, etwas zu verpassen. Danach sind bestimmt 90 Prozent der Handys wieder weg.

Und was halten die Studierenden davon?

Viel! Die meisten Studierenden in meinen Kursen schätzen es, dass ich mich offen mit dem Thema auseinandersetze. Vielen jungen Menschen ist gar nicht bewusst, wie intensiv sie das Smartphone nutzen. Im Austausch merken sie dann, dass es auch anderen so geht.

Ist das denn so schlimm?

Na ja, ständig blinkt eine neue Benachrichtigung auf dem Bildschirm. Schon bei meinen Kindern, die noch zur Schule gehen, merke ich, dass sie nichts verpassen wollen. Um dazuzugehören, ist das Smartphone einfach wichtig. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. Und da ist so eine bewusste Pause, um mal kurz aufs Handy zu schauen, nicht die schlechteste Idee.

Die Smartphone-Pause wurde von Ihnen als Experiment angekündigt. Wie geht es jetzt weiter?

Die Pause bleibt! Nach etwa einem Jahr ist klar, dass sich das Modell bewährt hat. Inzwischen sprechen mich auch viele Kollegen an, die in der Zeitung von der Idee gehört haben und sich dafür interessieren.

Nutzen Sie eigentlich selbst ein Smartphone?

Ja, aber ohne Apps wie Facebook oder Twitter. Das mag altmodisch wirken. Aber meine Freizeit ist mir zu wichtig, um sie am Handy zu verbringen.


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