Bild: dpa/Paras Griffin
Die Aktivitäten werden mit Fitness-Uhren gespeichert

An einer Privatuni in Oklahoma müssen Studenten ein Fitnessarmband tragen, das ihre Bewegungen aufzeichnet. Was soll das? Ein Anruf bei der Hochschulleiterin.

Frau Reid-Martinez, Sie verdonnern Ihre Studenten dazu, einen Fitness-Tracker zu tragen. Warum?

Frau Reid-Martinez: Das ist Teil unseres Konzepts: Als Hochschule wollen wir den Geist, den Körper und die Seele unserer Studenten ausbilden. Und dazu gehört eben auch die Bewegung.

Kathaleen Reid-Martinez ist Leiterin der Oral Roberts University, einer privaten Hochschule in Tulsa, im US-Bundesstaat Oklahoma. An der christlich-konservativen Uni sind rund 3700 Studenten eingeschrieben.(Bild: Michael Good)
Aber warum muss es denn gleich ein Armband sein, das die Herzfrequenz misst, die Strecke, die jemand zurücklegt und die Kalorien, die er dabei verbrennt?

Wir haben schon immer darauf geachtet, dass sich unsere Studenten viel bewegen. Sie sollen jeden Tag mindestens 10.000 Schritte laufen und mindestens 150 Minuten in der Woche aktiv sein. Früher mussten sie auf einem Zettel festhalten, wie viel Sport sie machen. Mit dem Tracker geht das jetzt viel einfacher, deshalb ist er Pflicht für alle, die neu an unsere Uni kommen. Die Bewegung macht 20 Prozent der Note aus.

Und was ist, wenn jemand die Fitnessvorgaben nicht schafft?

Dann kann der Student mit seinem Professor darüber reden und begründen, warum er sich nicht so viel bewegen kann. Gemeinsam kann eine andere Lösung gefunden werden, zum Beispiel eine andere Sportart.

Und wenn sich jemand das Bein bricht oder eine Erkältung bekommt?

Dann muss der Student das seinem Professor sagen.

Er könnte ja auch einen Freund bitten, den Tracker zu tragen.

Ja, oder ihn seinem Hund anlegen. Aber ich glaube nicht, dass unsere Studenten das machen. Wir haben an der Uni einen Ehrenkodex, an den sie sich halten sollen und der sie ermutigt, nicht zu betrügen. Außerdem nehmen die Studenten jedes Semester an einem Test teil, bei dem sie 1,5 Meilen und ab dem zweiten Semester je zwei Meilen laufen müssen. Spätestens da würde jemandem auffallen, wenn sie betrogen haben.

Durch den Tracker erhält die Uni ziemlich persönliche Daten. Wie weit darf eine Hochschule in die Privatsphäre der Studenten eindringen?

Wir dringen doch gar nicht in die Privatsphäre der Studenten ein! Sie müssen den Tracker ja nicht 24 Stunden am Tag tragen, sondern nur, wann sie wollen. Außerdem ist der Fitness-Tracker nicht mit einem GPS-System ausgestattet.

Wo speichert die Uni denn die Daten?

Die Daten werden an ein Learning-Management-System übermittelt, das auf einem Server liegt. Weil es sehr sensible Daten sind, werden sie auch stark geschützt. Da halten wir uns an alle Gesetze und Sicherheitsbestimmungen. Wir sind ja eine Uni und müssen auch andere vertrauliche Daten sicher verwalten.

Müssen alle Studenten das gleiche Modell kaufen?

Ja. Wir nutzen den Fitbit HR Charge.

Was kostet der?

Der Preis liegt bei 149 Dollar (Anm. der Redaktion umgerechnet ungefähr 136 Euro).

Die Oral Roberts Universität(Bild: flickr.com/jill, jellidonut... whatever/CC BY-SA 2.0)
Hat die Uni einen Vertrag mit dem Unternehmen?

Da gibt es schon Vereinbarungen, aber wie die genau aussehen, kann ich nicht sagen. In Zukunft wollen wir aber auch andere Fitnessarmbänder zulassen.

Gibt es Studenten, die sich weigern, mitzumachen?

Nein, ich habe noch keine Beschwerden gehört. Eher im Gegenteil. Es gibt sogar Gruppen, die ihre Leistungen durch den Tracker miteinander vergleichen. Außerdem sind wir ja eine private Uni, wir informieren sehr deutlich über unser Ausbildungskonzept. Und wer den Fitness-Tracker nicht tragen will, muss ja nicht bei uns studieren.

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.

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