Bild: Daniel Bockwoldt/dpa
Eine Feuerwehrfrau und eine Professorin erklären es.

Die Universität Paderborn hätte ahnen können, was mit der Veröffentlichung dieser Pressemitteilung auf sie zukommt. Es geht um ein Forschungsprojekt für mehr Diversität bei der Feuerwehr. Im Einstieg der Mitteilung die These, dass Frauen und Migranten bei der Feuerwehr häufig unerwünscht seien, im weiteren Textverlauf dann ein Zitat der Forschungsleiterin Ilona Horwath über "weiße, heterosexuelle Männer aus der Arbeiterschicht". Und dann wird das Projekt auch noch mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. 

Der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" war das zu viel: Sie fragt sich, ob es eine "Löschdebatte" wirklich geben müsse, und auch in rechten Kreisen sorgte das Forschungsprojekt "Fortesy" für Aufregung. 

Das nationalkonservative Blog "Tichys Einblick" verbreitete den Inhalt der "FAZ"-Meldung weiter, AfD-Frau Beatrix von Storch empörte sich auf Twitter, dass Professorinnen dafür bezahlt würden zu erforschen, ob es genug "Homosexuelle, Trans- und Bisexuelle, Nicht-Weiße, Akademiker und Frauen" bei der Feuerwehr gebe. 

Brauchen wir wirklich eine Genderdebatte beim Feuerwehrberuf?

Katharina Kresse, 34, ist stellvertretende Feuerwehrchefin von Remscheid – einer Stadt mit 110.000 Einwohnern. Etwa 400 Feuerwehrleute sind in ihrer Truppe. 

Grundsätzlich findet die Brandrätin es wichtig, auch Frauen für ihren Beruf zu begeistern. "In einigen Teilen des Landes hat die Feuerwehr definitiv ein Nachwuchsproblem, da ist es fahrlässig, die Hälfte der Bevölkerung von vornherein auszuschließen", sagte Kresse zu bento.

Sie hält das Problem für nicht allzu groß. Bereits jetzt hätten Kampagnen der Feuerwehren Frauen und Migranten im Blick. "Da ist die Feuerwehr nicht mehr so urdeutsch und urmännlich, wie man meinen möchte." Die Feuerwehr habe einen Wandel durchlebt. Gerade die Vorurteile gegenüber Frauen bauten sich nach und nach ab.

Skepsis habe es ihr gegenüber in ihrer Laufbahn durchaus gegeben, auf Ablehnung sei sie fast nie gestoßen. "Das mag es noch geben, gerade in kleineren Freiwilligen Feuerwehren, das ist aber in meinen Augen nicht die Regel", sagt Kresse. Doch das beste Argument gegen solche Stimmen ist wohl sie selbst:

Ich zeige den Skeptikern, dass ich es mindestens genauso gut kann, wie sie.
Katharina Kresse

Dennoch: Der Frauenanteil in den Berufsfeuerwehren Deutschlands ist mit 1,5 Prozent sehr gering. Deshalb hält Kresse das Forschungsprojekt in Paderborn auch für wichtig: "Solange es Unterrepräsentanzen gibt, sollte es immer Projekte geben, um diese zu verkleinern und mehr Menschen aus verschiedenen Gruppen für den Beruf zu begeistern."

Ilona Horwath, Leiterin von "Fortesy", sieht das Forschungsprojekt in der Berichterstattung missverstanden. 

"Das Projekt erforscht, welche Chancen und Herausforderungen sich durch die wachsende Diversität in der Gesellschaft für Feuerwehren als Organisationen und für Feuerwehrleute in ihrer täglichen Arbeit ergeben", sagte sie zu bento.

Mit dem Projekt wolle sie auch untersuchen, welche Kompetenzen Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund in die Feuerwehr einbringen können. Die Berichterstattung der vergangenen Tage habe aber auch etwas Gutes gehabt: Von Feuerwehrleuten und -organisationen habe sie zahlreiche Zuschriften erhalten, die sich an der Studie beteiligen oder die Ergebnisse verwenden wollen.

Erste Schritte für mehr Diversität bei der Feuerwehr wurden bereits gemacht:

Bei Plakatkampagnen behalte man immer auch Frauen und Migranten im Blick, sagt Feuerwehrfrau Kresse. Es gebe aber auch viel weniger weibliche Interessenten, weil es bei den ganz normalen Bürgern noch nicht so präsent sei, dass man als Frau auch den Feuerwehrberuf ausüben kann.

Ein Problem sieht Kresse auch darin, dass meist für den Feuerwehrdienst eine männerdominierte Ausbildung Voraussetzung sei – Handwerksberufe oder im gehobenen Dienst auch technische Studiengänge: "Wenn ich Personal aus Berufsbereichen suche, wo Frauen sowieso schon unterrepräsentiert sind, ist das natürlich schwierig."

So abwegig, wie manche es vielleicht glauben, ist das Thema Diversität bei der Feuerwehr also nicht. Vieles bewegt sich, aber es gibt auch Defizite: Frauen, die zur Polizei oder Bundeswehr gehen möchten, müssen im Sporttest beispielsweise nicht die gleichen Testergebnisse erzielen wie Männer. Bei den Feuerwehren ist dies hingegen meist der Fall. 

Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: In NRW etwa lag der Frauenanteil bei der Polizei 2016 bei etwas über 20 Prozent (Der Westen), bei der Bundeswehr macht der Anteil der Soldatinnen aktuell zwölf Prozent aus. 

Teste dich hier im Quiz: Würdest du den Einstellungstest der Feuerwehr schaffen?


Gerechtigkeit

Der Weltfrauentag wäre endlich ein Feiertag, der ins 21. Jahrhundert passt
Danke Berlin!

Ganz ehrlich: Wie viel denkst du an einem Feiertag über dessen Bedeutung nach? Gut, an Ostern oder Weihnachten gehst du vielleicht noch in die Kirche – wenn du nicht schon längst ausgetreten bist. Aber Pfingsten, Himmelfahrt, Fronleichnam? Irgendwas ging da mit Jesus. Aber was noch mal? Ach, erstmal Netflix an und den Kater auskurieren.

Das Modernste, was Deutschland an Feiertagen zu bieten hat, sind der 1. Mai und der Tag der Deutschen Einheit. An diesen Tagen treffen sich immerhin Menschen, um für bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Oder, um auf einer Partymeile das eigene Land zu feiern – wenn es da gerade irgendetwas zu feiern gibt. 

Doch jetzt könnte ein Tag dazukommen, der für etwas steht, das wir dringend brauchen, für einen der wohl größten Kämpfe, die unsere Gesellschaft noch immer austrägt: die Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau. 

Denn nun soll – vorerst nur in Berlin – ein neuer Feiertag eingeführt werden: Der 8. März, der Weltfrauentag.