Bild: Madeleine Hofmann
Der Gründer des Fes - Turkish BBQ in Berlin erzählt.

Was die Gründung in der Gastro angeht, ist Cem Tanriverdi ein Wiederholungstäter. Schon mit 28 eröffnete er ein traditionelles türkisches Shisha-Café in Berlin-Kreuzberg. „Ich hing selbst immer in Shisha-Cafés herum“, erinnert er sich, „Warum also nicht in meinem eigenen?“ Mit einem Job, der zu seinem Diplom in Kommunikationsdesign passte, konnte Cem sich nicht identifizieren: „Ich wollte nicht immer nur zuarbeiten, ohne richtiges Feedback zu bekommen. Ich bin lieber mein eigener Chef.“


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Die Gastro-Gründer


Als die Eltern ihre finanzielle Unterstützung anboten, schrieb Cem Konzepte und Moodboards, überzeugte damit Behörden und Vermieter. Weil seine Eltern für die 35.000 Euro Startkapital keine Zinsen verlangten, konnte er von Anfang an von den Einnahmen aus dem Café leben zu können: „Es lief sehr gut, schließlich waren zuvor alle Shisha-Cafés in Friedrichshain. Ich war der erste in Kreuzberg.“

(Bild: Onurgraphy)

Nach fast vier Jahren verlor Cem den Enthusiasmus an der Arbeit im Shisha-Café. „Ich habe mich selbst weiterentwickelt, das Café passte nicht mehr zu mir“, erklärt er den Sinneswandel. „Natürlich kann nicht alles, was man tut, Berufung sein. Aber zumindest authentisch.“

Inspiriert von Gastro-Konzepten, die er auf Reisen kennenlernte, verkaufte er sein Café, lief den Jakobsweg, reiste durch Südostasien. Als er zurück kam, war klar: Ein türkisches Barbecue sollte es dieses Mal sein, so wie er es aus Istanbul kannte. Nur statt Holzkohlegrills wollte er Elektrogrills in die Tische integrieren, auf denen die Gäste selbst ihr Fleisch zubereiten können.

Um eine Speisekarte zu erstellen, recherchierte er weiter in Istanbul, erst kurz vor der Eröffnung fand er einen Koch, der die türkische Küche beherrschte. Die Lokalität fand sich wieder in Kreuzberg, dieses Mal am Südstern und mit wesentlich mehr Renovierungsarbeiten. Um Kosten zu sparen, legte Cem oft selbst Hand an: Er riss Wände heraus oder verarbeitete alte Bodendielen zu schicken Holztischen.

In das neue Restaurant musste er fast das Vierfache stecken, was beim Shisha-Cafe nötig war – zu dem Geld aus dem Verkauf des Cafés musste er noch Erspartes reinstecken. „Dieses Mal hatte ich wirklich Muffensausen“, gibt Cem zu, „ich konnte nur hoffen, dass es nicht lange dauert, bis sich das Restaurant etabliert, ich hatte ja kein Geld mehr. Es war ein All-in.“

Nach viereinhalb Monaten Umbauzeit eröffnete am 10. Juli dieses Jahres schließlich „Fes – Turkish Barbecue“, benannt nach der traditionellen orientalischen Kopfbedeckung. Eine große Eröffnungsparty gab es nicht. Cem öffnete die Türen, postete bei Facebook „Wir haben geöffnet“, und wartete ab.

Am ersten Tag kamen Nachbarn, etwa drei Tische voll, später Familie und Freunde. Nach einem positiven Eintrag in einem Gastro-Magazin war der Laden nach nur wenigen Wochen voll. Terrasse und Restaurant fassen zusammen etwa 90 Personen. Alleine servierte Cem Meze, kleine türkische Spezialitäten, Grillfleisch und Raki.

Dann war es Zeit für Hilfe. „Ich lege großen Wert auf guten Service“, erklärt Cem, „alleine war das bei so vielen Gästen einfach nicht mehr möglich.“ Mittlerweile hat Cem neun Angestellte, die Reservierungspläne für die Wochenenden sind voll.

Er ist glücklich, dass sich seine Gäste bei ihm wohlfühlen, sogar Politiker wie Cem Özdemir und Özcan Mutlu hat er schon bewirtet. „Türkische Gäste sind am schwersten zu beeindrucken“, schmunzelt Cem, „die Gerichte kennen sie von zu Hause - und bei Mama schmeckt es immer am besten.“

Weitere Filialen oder neue Gastro-Projekte kommen für Cem erst einmal nicht infrage: „Mit mehr Läden wächst ja auch die Verantwortung. Ich möchte lieber eine Sache richtig machen und nebenbei noch etwas Zeit zum Reisen haben.“