Bild: Pixabay

Vielen Frauen fällt es schwer, anderen Frauen Komplimente zu machen. Mir ging es selbst lange Zeit nicht anders. Damit meine ich nicht die oberflächlichen "Schönes-Kleid“-Komplimente. Sondern die tiefgründigen und aufrichtigen. Also die, die unsere wahre Wertschätzung für andere Frauen und unsere Faszination für deren Handeln ausdrücken. "Mich begeistert, wie liebevoll du mit anderen Menschen umgehst." Oder: "Ich bin beeindruckt von dem, was du erreicht hast."

Ich habe das Gefühl, es fällt uns manchmal schwer, weil wir von klein auf als Mädchen so erzogen worden sind:

In Grüppchen wurde auf dem Schulhof über die anderen Mädchen gelästert. Im Hörsaal und im Büro geht das meistens weiter. Oft genug be- und verurteilen wir andere Frauen. Und ständig konkurrieren wir: um unser Aussehen, um Männer und um unsere Karriere.

(Bild: Giphy )

In Filmen und Serien schauen wir uns an, wie sich Frauen sogenannte Bitch-Fights liefern und bei der Arbeit lachen wir viel zu häufig gequält mit, wenn ein Kollege in einer Diskussion unter Kolleginnen sagt: "Boah, was für ein Zicken-Krieg."

Es ergibt irgendwie Sinn: Wenn wir uns untereinander bekämpfen statt zu kooperieren, dann müssen gerade diejenigen, die weiterhin Machtpositionen besetzen, nichts befürchten. Und wer aus diesem Muster ausbricht, kommt gleich in die nächste Schublade: die Machtgeile.

Sheryl Sandberg(Bild: Angelika Warmuth/dpa )

Sheryl Sandberg, die CEO von Facebook, beschreibt das sehr gut in ihrem Buch "Lean In". Dort zitiert sie eine Studie, die aufzeigt: Je erfolgreicher ein Mann ist, desto mehr wird er gemocht. Aber: Je erfolgreicher eine Frau ist, umso weniger wird sie gemocht. Da wären wir dann wieder bei den Bitch Fights.

Auf dem Weg nach oben müssen Frauen nicht nur unzählige Hürden überwinden, die ihnen unsere Gesellschaft in den Weg legt. Hinzu kommt, dass wir Frauen uns auf dem Weg gerne gegenseitig die Augen auskratzen.

Dabei ist es doch so:

Wenn wir zusammenhalten sind wir viel stärker. Also Schluss mit dem Konkurrenzkampf!
Wie mächtig dieser Zusammenhalt sein kann – das habe ich erst bei meinem ersten Job so richtig begriffen.

Mein Leben hat sich radikal geändert, als ich anfing, andere Frauen nicht mehr als Konkurrentinnen, sondern als die beeindruckenden Persönlichkeiten zu sehen, die sie sind.

Ich bin vielen Frauen begegnet, die mich inspirierten, herausforderten und vor allem: förderten. Denn starke Frauen helfen einander nach oben.

Was das wirklich bedeutet, wie mächtig dieser Zusammenhalt sein kann – das habe ich erst bei meinem ersten Job so richtig begriffen.

Noch mehr starke Frauen: Silvana Denker organisiert in Europas Fußgängerzonen Proteste für mehr Selbstakzeptanz:
1/12

Ich arbeitete für die dreifache Friedensnobelpreisnominierte Scilla Elworthy. Scilla ist Mitte 70 und setzt sich seit Jahrzehnten für andere Menschen ein. Sie hat ein beeindruckendes Netzwerk an Frauen aufgebaut, die unsere Welt zum Besseren verändern. So wie die Friedensstifterinnen in Liberia: Als sie anfingen, zu Tausenden zusammen zu arbeiten und zu protestieren, trugen sie dazu bei, den jahrelangen Bürgerkrieg in ihrem Land niederzulegen. Derartige Geschichten gibt es unzählige. Immer dann, wenn Frauen zusammenhalten, kann Großes entstehen.

Sie hat mal zu mir gesagt:

"Die Kriege und die Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft stammen auch daher, dass wir Frauen seit Jahrhunderten als Konkurrentinnen erziehen. Wirklich tiefgründige Veränderungen werden wir erst dann sehen, wenn etwas wirklich Außergewöhnliches geschieht: Wenn Frauen anfangen, sich gegenseitig zu unterstützen und miteinander zu arbeiten."

Sie nahm mich unter ihre Fittiche. Sie gab mir Tipps, Ratschläge und teilte ihre Erfahrungen mit mir. Ihr Motto: Wenn wir eine Frau stärken und ihr die Bedeutung der Solidarität zwischen Frauen mitgeben, dann stärken wir alle Frauen.

Es ist ein wundervoller Schneeballeffekt.

Die Beziehungen zu Scilla und anderen Mentorinnen haben mich verändert. Diese Frauen haben mich stärker und sensibler gemacht.

Ihnen möchte ich sagen: Ich ziehe meinen Hut vor euch. Ich bewundere euch. In unserer Gesellschaft, in der noch immer noch zu viele Männer und viel zu wenig Frauen von den Strukturen profitieren, seid ihr so wichtig! Trotz der vielen Hürden macht ihr weiter. Ihr nehmt Anlauf und springt drüber. Danke, dass ihr mir geholfen habt.

Ich arbeite mittlerweile bei den Vereinten Nationen in New York im Bereich Entwicklungshilfe, vor kurzem habe ich noch am Friedensprozess in Kolumbien mitgewirkt. Heute versuche ich in meinem Job, so eine Mentorin für andere zu sein. Denn es gibt nichts, was mich glücklicher macht als zu sehen, wie andere Frauen Erfolg haben. Und ich kann nur allen Frauen wünschen, dass sie in ihrem Leben mindestens auf eine Scilla treffen.


Du suchst ein bisschen Literatur zum Thema? Dann haben wir hier was für dich:


Streaming

Ist das der deutsche Actionfilm, auf den wir immer gewartet haben?
"Plan B – Scheiß auf Plan A" kommt in die Kinos

Deutsche Kinofilme funktionieren oft nach dem gleichen Konzept: langweilig produzierte, lahme Dialoge, halblautes Genuschel, immer dieselben Gesichter und alles mit einem schönen Sepia-Filter überdeckt – fertig ist die 100. deutsche Romantik-Schmonzette.

Aber warum gibt es im deutschen Kino eigentlich kaum Actionfilme? Das haben sich auch die Jungs hinter dem Film "Plan B" gefragt – und bringen im Juni eine richtige Kampfsport-Actionkomödie ins Kino.