Bild: Christina Blanck
Christina erklärt, wie ihr Alltag aussieht.

Berufe so erklärt, dass auch deine Eltern sie verstehen

Als wir klein waren, fragten unsere Eltern, was wir werden wollen. Feuerwehrmann vielleicht? Oder Lehrerin? Traditionsberufe, unter denen sich jeder etwas vorstellen kann. Nun haben wir Berufe mit Namen wie Data Scientist oder Junior SEO Analyst. Und unsere Eltern fragen ratlos: Was machst du eigentlich? In dieser Reihe erklären wir es ihnen.

Christina Blanck, 27, arbeitet im Feelgood-Management in einem IT-Unternehmen.

bento: Was sagen deine Eltern zu deinem Beruf?

Christina Blanck: Das ist bis heute für sie nicht so richtig greifbar. Sie finden den Beruf aber klasse, weil es so eine Person bei ihren Arbeitgebern nicht gibt, sie es aber wertvoll fänden. Viele reagieren gleich: "So jemanden könnten wir bei uns auch gebrauchen". Ich merke aber selbst, wie schwer es mir fällt, meinen Job zu erklären, weil er so vielfältig ist.

bento: Was macht man denn als Feelgood-Managerin alles?

Christina: Zusammengefasst kümmere ich mich darum, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gerne zur Arbeit kommen und sich entwickeln können.  

Ich bin unter anderem eine Kommunikatorin zwischen den Teams und dem Management: Ich mache Umfragen, führe Gespräche und nehme Verbesserungsvorschläge entgegen. Daraus erarbeite ich Maßnahmen und Konzepte. Zum Beispiel planen wir einen Free-Project-Day, an dem sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unabhängig vom Tagesgeschäft mit verschiedenen Themen beschäftigen und sich ausprobieren können.

Außerdem organisiere ich Aktionen und Events wie zum Beispiel einen Grillabend im Sommer, damit sich die Teams besser kennenlernen – und intensiver zusammenarbeiten.

bento: Wie kann ich mir einen typischen Tag von dir vorstellen?

Christina: Fest eingeplant ist das morgendliche Meeting der Personalabteilung, an der meine Stelle angegliedert ist. Wir besprechen, was wir am Tag vorhaben und den Stand unserer Projekte. Ich berichte dort zum Beispiel, dass ich gerade einen Workshop zum Thema agiles Arbeiten vorbereite.

Dann schaue ich auf unser digitales Board, an dem Mitarbeiter Verbesserungswünsche und Ideen einbringen können. Diese Ideen prüfe ich auf Kosten und Umsetzungsmöglichkeiten. Ich versuche dabei, die Ideengeber zu unterstützen, selbst tätig zu werden. So eine Art "Hilfe zur Selbsthilfe".

Ansonsten gestaltet sich jeder Tag sehr individuell, je nach Projekt. Die meiste Zeit verbringe ich mit dem Schreiben von Konzepten oder am FlipChart mit der Vorbereitung von Workshops, die ich anschließend halte.

bento: Hast du ein Beispiel für ein Projekt, das in deinen Bereich fällt?

Christina: Aktuell kümmere ich mich darum, wie wir dem Team flexiblere Arbeitsmodelle bieten können. Dafür habe ich die Teams um Vorschläge gebeten, in welchen Modellen sie gerne arbeiten möchten. In welchen Abteilungen ist mobiles Arbeiten möglich und überhaupt gewünscht? Wie lässt sich das alles gerecht und rechtlich sicher umsetzen? Welche technischen Voraussetzungen müssen wir schaffen oder ausbauen?

bento: Warum ist dein Beruf wichtig?

Christina: In Zeiten des Fachkräftemangels müssen Unternehmen immer mehr darauf achten, dass es ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gut geht, um sie zu halten. Vor allem in der IT sind Expertinnen und Experten sehr gefragt – und können schnell abgeworben werden. 

Natürlich gibt es bei uns auch Obstkörbe, einen Tischkicker und ein Bahnticket. Aber das sind Benefits, die inzwischen viele Unternehmen haben. Man muss heute schon mehr bieten, damit gute Leute kommen und auch bleiben wollen.

Ein Mitarbeiter ist zum Beispiel nach Jahren zu uns zurückgekommen, weil er hier die Möglichkeit hat, von zu Hause und flexibel zu arbeiten. Und auch die Option, über das Ideenmanagement die Arbeit selbst zu gestalten, finden die Teams gut.

bento: Was unterscheidet dich von der klassischen Personalerin?

Christina: Meine Aufgaben sind sehr strategisch: Ich bin zwar bei uns in der Personalabteilung angesiedelt, kümmere mich aber explizit um die Arbeitsbedingungen, Unternehmenskultur und Austauschmöglichkeiten. Zukünftig wird es in meiner Tätigkeit auch um das Coaching von Teams und Führungskräften gehen. 

bento: Und was hast du gelernt, um Feelgood-Managerin zu werden?

Christina: Ich habe Bildungswissenschaften studiert. Der Studiengang enthält Kurse über Erwachsenenbildung, man lernt, wie man Coachings und Workshops organisiert und strukturiert. Daher wusste ich schon zu Beginn meines Masters, dass ich in diese Richtung gehen möchte. In meiner Masterarbeit habe ich mich dann mit dem Beitrag von Feelgood-Management zur Unternehmenskultur auseinandergesetzt. 

bento: Braucht man deiner Meinung nach besondere Fähigkeiten, um den Job zu ergreifen?

Christina: Ich hatte den Eindruck, dass viele den Beruf aus einer eigenen Unzufriedenheit heraus ergreifen. Nach dem Motto: "Mir geht es schlecht, ich hätte selbst gerne einen Feelgood-Manager, also werde ich einer." Das ist aber ein falscher Ansatz.

Man braucht Kommunikationsstärke, Empathie, Offenheit und Begeisterungsfähigkeit, um mit den Mitarbeiterinnen in den Austausch zu kommen. Außerdem sollten Feelgood-Manager flexibel sein und ihre eigenen Stärken kennen. Denn der Beruf ist noch in der Entwicklung und wird sich verändern.

bento: Sieht der Job also in anderen Unternehmen anders aus?

Christina: Ja, es kommt auf die jeweilige Firma an. Mein Jobtitel ist eigentlich "Business Coach/Kulturmanagerin". Den Jobtitel "Feelgood-Manager" gibt es so nur in sehr wenigen Unternehmen. 

In einigen Unternehmen bemühen sich Mitarbeiter mit ganz anderen Schwerpunkten zusätzlich um Feelgood-Maßnahmen – zum Beispiel jemand, der eigentlich Gehälter verwaltet.  

Es gibt auch freie Feelgood-Manager, die von extern beraten. Oder ganze Teams, die gemeinsam das Thema im Unternehmen vorantreiben.

Das Fraunhofer Institut hat ein Profil von dem Beruf erarbeitet, das ganz gut zeigt, wie vielfältig er sein kann. Das Ziel des Berufes ist es, Wohlbefinden und effizientes Arbeiten zu ermöglichen. Essentielle Mittel dafür sind verbesserte Kommunikation und Organisationsstrukturen.

bento: Wie viel verdient man als Feelgood-Managerin?

Christina: Das kommt ganz darauf an, welche Rolle der Feelgood-Manager im Unternehmen hat. Aber Gehälter von 35.000 bis 75.000 Euro brutto im Jahr sind möglich.

bento: Macht es Spaß?

Christina: Ja. Der Job kann Menschen zufriedener machen. Ich kann Strukturen fördern, in denen Mitarbeiter aktiv das Unternehmen gestalten. So entsteht ein starkes Wir-Gefühl.


Fühlen

Sexuelle Gewalt in Filmen und Serien ist kein Stilmittel
Ein Kommentar von Susan Barth

Eine junge Frau in Unterwäsche steigt zu einem ihrer Mitschüler in den Whirlpool. Er nähert sich ihr, sie versucht, sich zu wehren – aber er überwältigt sie. Was sich anhört wie eine Meldung aus der Boulevardpresse, ist eine fiktive Szene aus der Netflix-Serie "Tote Mädchen lügen nicht". Sie wurde dafür gemacht, Menschen zu unterhalten.

Diese Strategie benutzen viele Drehbuchautoren, um weibliche Rollen in Filmen und Serien tiefgründiger wirken zu lassen. Das ist nicht nur respektlos gegenüber Menschen, denen solche Erlebnisse tatsächlich widerfahren sind, sondern auch einfallslos und verharmlosend. Wenn Drehbuchautoren oder Regisseurinnen nichts anders einfällt, werden Frauenfiguren in Serien oder Filmen manchmal nur aus diesem Grund vergewaltigt. 

Traumatische Erfahrungen wie sexueller Missbrauch, die Menschen ihr Leben lang begleiten, werden benutzt, um zu unterhalten. Gibt es nicht andere Stilmittel, um Charakteren mehr Komplexität und Tiefe zu verleihen?

Wir Zuschauenden müssen sensibler sein, wenn wir Filme und Serien konsumieren, die sexuelle Gewalt beinhalten – und wir müssen mehr Kreativität von Regisseurinnen und Drehbuchautoren einfordern, wenn sie Frauenrollen weiterentwickeln wollen. Warum? Das erfährst du oben im Video.