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Die kniffligsten Fragen aus Vorstellungsgesprächen – und wie du am besten damit umgehst

Eigentlich könnte man auch das als Frage in einem Bewerbungsgespräch verwenden: Was ist ein Brainteaser?

Ist ja nicht schlimm, wenn du als Bewerber davon noch nie gehört hast. Der Personaler gegenüber will nur wissen: Wie gehst du mit der unerwarteten Frage um? Bei Unkenntnis am besten laut denken, so lautet die Faustregel. Etwa so: Brain, tease – das Gehirn soll gekitzelt werden. Brainteaser sind Aufgaben, die etwas aus dem Bewerber herauskitzeln sollen.

Mit etwas Glück erfährt die Firma so von Eigenschaften der Bewerber, die nicht im Lebenslauf stehen. Meist sind Brainteaser deshalb ein wenig ausgefallener: Wer würde den Kampf zwischen Spiderman und Batman gewinnen? Schätzen Sie die Gesamtzahl der Autos in Spanien! Wie viel wiegt Deutschland? So was ist selbst mit gutem Allgemeinwissen kaum zu beantworten.

Kniffelfragen aus echten Bewerbungsgesprächen

Einmal im Jahr sammelt die Job-Plattform Glassdoor Brainteaser und andere Kniffelfragen ein. Repräsentativ ist das Ganze nicht: Auf der Plattform berichten nur Bewerber von ihren Erfahrungen, die dort angemeldet sind, die Berichte lassen sich schwer überprüfen.

Für die Liste werden nach Unternehmensangaben über 2400 Fragen aus Vorstellungsgesprächen ausgewertet, die deutsche Bewerber in den vergangenen zwölf Monaten auf der Job- und Karrierecommunity geteilt haben.

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Andere Bewerber bekommen so immerhin einen Eindruck, was ihnen blühen kann. Sie sind vielleicht nicht ganz so überrascht, wenn sie eine der folgenden Fragen hören:

Zehn Knobeleien für Bewerber (aus einer Glassdoor-Umfrage von 2016):
  1. "Wie viele Briefkästen der Deutschen Post stehen auf den Straßen Deutschlands?" – PriceWaterhouseCoopers, Frankfurt am Main, Bewerbung als Senior Consultant
  2. "Was hast du letzte Woche gelernt?" – Trivago, Düsseldorf, Bewerbung als Software Engineer
  3. "Wie viele Smarties passen in einen VW-Bus?" – Zeb, München, Bewerbung im Bereich Strategy & Organisation
  4. "Sie steigen in den Aufzug ein und im Aufzug befindet sich der CEO. Was würden Sie ihm sagen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen?" – Vodafone, Düsseldorf, Bewerbung für das Traineeprogramm "Discover"
  5. "Wie viele Cappuccinos werden täglich in Manhattan verkauft?" – Accenture, Kronberg im Taunus, Bewerbung Strategy Consultant
  6. "Wenn Sie alles Geld der Welt hätten, was würden Sie als Unternehmer damit tun?" – Burger King, München, Bewerbung für das Leadership Development Program
  7. "Was war der größte Misserfolg in Ihrem Leben und wie sind Sie damit umgegangen?" – Adidas, Herzogenaurach, Bewerbung für das Functional Trainee Program
  8. "Wenn Sie alle Wohnungen in NRW mit Parkett ausstatten wollen würden, wie viel Holz müsste im Schwarzwald abgeholzt werden?" – ThyssenKrupp, Essen, Bewerbung als Manager
  9. "Wenn der Schokoriegel 'Mars' eine Person wäre, wie wäre sie?" – Happy Thinking People, München, Bewerbung im Bereich Market Research
  10. "Wie spontan sind Sie? Verkaufen Sie mir diesen Keks." – Döhler, Darmstadt, Bewerbung als Manager
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Es ist nicht ausgemacht, dass Brainteaser überhaupt zum Einsatz kommen. Viele Personaler lehnen sie als Spielkram ab. Sie bezweifeln, dass sich damit Dinge herausfinden lassen, die ein einfühlsamer Interviewer nicht auch so herausbekommt.

Ein bisschen Hype scheint dazuzugehören. Jahrelang kursierte das Gerücht, dass Bewerber bei Google so geprüft werden, doch der Konzern dementierte.

Woanders sind sie gang und gäbe, vor allem bei Unternehmensberatungen. Das ist auch nicht so abwegig. Schließlich sind Fallstudien, wie sie in der Branche regelmäßig betrieben werden, oft ähnlich gelagert wie die Frage: "Wenn Sie alle Wohnungen in Nordrhein-Westfalen mit Parkett ausstatten, wie viel Holz muss im Schwarzwald abgeholzt werden?" – Das ist eine der Aufgaben, die Glassdoor in diesem Jahr zu den schwersten zählt.

Keine Scheu vor Unwissen

Was lernen wir daraus? Bleib ruhig, wenn jemand dein Hirn kitzeln will, denke laut, und hab keine Angst vor den eigenen Wissenslücken – der Personaler will auch sehen, wie du bei Unkenntnis weiterkommst. Eigentlich gibt es nur drei Möglichkeiten, eine Brainteaser-Frage im Vorstellungsgespräch zu versemmeln:

  • Du kennst die Lösung aus dem Internet und präsentierst sie, ohne den gedanklichen Weg dahin nachzuzeichnen.
  • Vor lauter Schreck sagst du gar nichts.
  • Du führst eine Diskussion darüber, was diese Frage mit dem Job zu tun hat, für den du dich bewirbst.

Übrigens wiederholt sich auch vieles bei Brainteasern. Die Frage, wie viele Smarties irgendwo reinpassen, ist fast schon ein Klassiker. In diesem Jahr sollen sie in einen VW-Bus (Gegenfrage: Welches Baujahr?). Vor wenigen Jahren hieß es noch: Wie viele Smarties passen in einen Smart?

Dieser Text ist zuerst auf SPIEGEL ONLINE erschienen.