Bild: Sarah Vollmer
Der 28-Jährige wollte nicht enden wie seine Kollegen.

Was wolltest du werden, als du jünger warst? 

Während der Schulzeit machte ich mir keine Gedanken über meine Zukunft. Mein Kopf war voll mit Abenteuergeschichten. Wenn mich jemand gefragt hätte, was ich mal werden will, hätte ich wahrscheinlich Ritter oder Cowboy gesagt. In der Schule hat mich Geschichte interessiert, aber die Erwachsenen sagten mir immer, dass ich dann wohl Lehrer oder Archäologe werden müsste – und das klang ziemlich langweilig. 

Was hast du gelernt?

Ich habe meinen Realschulabschluss gemacht und direkt im Anschluss eine Lehre als Koch angefangen. Die hat drei Jahre gedauert, nebenbei arbeitete ich auch schon als Koch. 

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Wie kamst du auf den Gedanken, etwas anderes zu machen?

Über gemeinsame Freunde aus den USA lernte ich meine heutige Frau kennen, sie ist Amerikanerin. Wir fanden uns sofort toll und verbrachten zwei Winter gemeinsam in Miami, wo wir bei ihren Eltern lebten. Ich arbeitete weiter als Koch. Und schnell entschieden wir uns zu heiraten. Uns war aber klar, dass wir nicht ewig in Miami bleiben wollen. Diese Millionenstadt, super heiß, wenig Natur. Meine Frau hatte sich in meine Heimat Konstanz verliebt, sie fand Deutschland toll. Wir zogen zurück. 

Das Kochen machte mir weiterhin Spaß, und wenn es nur um das Handwerk ginge, wäre ich heute wahrscheinlich immer noch Koch. Aber schon während der Lehre hatte ich gemerkt, wie stressig der Job ist. Die physischen und psychischen Anforderungen sind extrem. Ich sah, wie schlecht es meinen älteren Kollegen ging. Für mich war klar: So wollte ich nicht enden.  

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Und wie ging es beruflich dann für dich weiter?

Als wir in Deutschland ankamen, wurde meine Frau selbstständige Tagesmutter. Der Job hat mich immer fasziniert. Sie betreute Kinder bei uns zu Hause. Wenn ich nach Hause kam, spielte ich mit ihnen. Immer war Leben in der Bude, immer war was los. 

Und je länger ich meine Frau bei ihrem Job beobachtete, desto mehr beneidete ich sie. Als Tagesmutter ist sie flexibel, als Koch hingegen hatte ich weniger Freiheiten. Ich wollte dasselbe machen wie sie.

Um offiziell als Tagesvater arbeiten zu können, musste ich einen einjährigen Kurs belegen. Am Ende legte ich eine Prüfung ab, dann konnte ich direkt loslegen und bei der Tagespflege meiner Frau einsteigen. Seitdem betreuen wir die Kinder gemeinsam. 

Marius, 29: "Ich sah, wie schlecht es den Kollegen ging"(Bild: Sarah Vollmer )

Was war die größte Hürde auf deinem Weg?

Die größte Hürde waren meine Zweifel. Ich habe es mir selbst schwer gemacht. Immer wieder war da diese innere Stimme, die fragte: "Tagesvater? Das ist doch kein richtiger Job. Du musst doch irgendwas machen, was Hand und Fuß hat."

Diese Zweifel habe ich aber irgendwann überwunden. Meine Eltern und Freunde fanden meine Entscheidung super. Sie fanden es gut, dass ich mich ausprobieren wollte. Durch meine Frau kannten sie die Arbeit auch schon ein wenig und ermutigten mich. In ihren Augen passt der neue Job perfekt zu mir. 

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Wie geht es dir heute?

Mir geht es wirklich richtig gut. Ich bereue meinen Schritt in den neuen Beruf überhaupt nicht. Die Arbeit mit den Kindern gibt mir viel zurück. Ich freue mich jeden Morgen auf sie. Gemeinsam mit den Eltern die Kinder zu prägen und ihnen etwas für das Leben mitzugeben – das fühlt sich richtig an. 


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