Und so sieht die Realität aus.

Wie viel Gehalt brauche ich, um gut leben zu können? Was ist meine Arbeit wert? Und wie wichtig ist mir die Bezahlung bei meinem ersten Job? Das sind Fragen, die sich jeder Studierende mal stellt. Spätestens im Bewerbunsggespräch für den ersten richtigen Job nach dem Abschluss braucht es Antworten. 

In die Verhandlungen startet man am besten mit konkreten Gehaltsvorstellungen und einer Idee vom eigenen Marktwert. Studenten und Studentinnen erwarten durchschnittlich 42.130 Euro brutto pro Jahr Einstiegsgehalt, ergab eine Umfrage im letzten Jahr. (Campus Barometer). 

Die Ergebnisse zeigen auch: Vor drei Jahren waren die Erwartungen noch elf Prozent niedriger.

Wir haben mit drei Studierenden gesprochen, welches Einstiegsgehalt sie sich wünschen – und vergleichen das mit der Realität.

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung zeigt in ihrem "Lohnspiegel" das durchschnittliche Gehalt von 430 Berufen. Dafür haben seit 2004 rund 300 000 Menschen ihr echtes Gehalt (und ihr Alter, Geschlecht, Bundesland und Berufserfahrung) angegeben. Die Stiftung hat uns die durchschnittlichen Einstiegsgehälter in den jeweiligen Berufen genannt.

Dennis, 31, studiert Soziale Arbeit, will 33.600 Euro 

(Bild: Privat)

"Ich werde im Herbst mit dem Bachelor fertig und schaue mir seit etwa einem Jahr Stellen im Internet an. Im Moment suche ich vor allem nach Stellen beim Jugendamt. Einen Job als Streetworker könnte ich mir auch vorstellen.

Das Gehalt ist für mich auf jeden Fall sehr wichtig. Ich weiß, wie unzufrieden ich sein kann, wenn ich nicht die Bezahlung bekomme, von der ich finde, dass sie mir zusteht. Deshalb würde ich keine Stelle antreten, bei der ich weniger als 1800 Euro netto im Monat verdiene, etwa 33.600 Euro brutto pro Jahr.

Zum einen habe ich einen akademischen Abschluss, deshalb sollte ich mehr verdienen, als jemand, der eine Ausbildung gemacht hat. Mein Weg war ja auch länger. Außerdem habe ich in diesem Job viel Verantwortung. Wenn ich mich beruflich mit den Problemen anderer Menschen beschäftige, muss ich dafür meinen Kopf frei haben von Geldsorgen.

Mein Gehalt beim Jugendamt würde der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst regeln. Es gibt einen Gehaltsrechner im Netz, mit dem ich mein Gehalt in den jeweiligen Bundesländern berechnen kann. In Nordrhein-Westfalen wären es zum Beispiel 2070 Euro netto. Das wäre okay für mich. Bei einem privaten Träger bekommt man manchmal ein bisschen weniger, habe ich gehört."

Wie sieht es tatsächlich aus?

Nach den Daten des "Lohnspiegels" liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt für Sozialarbeiter in Deutschland bei 2730 Euro für Männer (32.760 Euro brutto im Jahr) und 2630 Euro für Frauen (31 560 Euro brutto im Jahr) – allerdings zählen dazu auch die Gehälter von Angestellten bei privaten Trägern. Dennis' Vorstellungen liegen also ein wenig über dem Schnitt. Außer, wenn er eine Stelle bei seinem Wunscharbeitgeber mit Tarifvertrag bekommt.

Michèle, 25, studierte Kommunikationsmanagement im Master, erwartet 42.000 Euro

(Bild: Privat)

"Ich suche seit zwei Monaten einen Job und habe mich in der Unternehmensberatung, im Social Media Management und im digitalen Marketing beworben. Dafür habe ich 13 Bewerbungen verschickt und hatte vier Bewerbungsgespräche.

Vor meinen Bewerbungen habe ich Gehaltsstudien gelesen und in Foren, zum Beispiel auf Xing, Vergleichswerte gesucht. Ich habe auch ehemalige Kommilitoninnen und Kolleginnen bei meinem Werkstudentenjob gefragt, was sie in ihrem ersten Job verdient haben.

In die Verhandlungen bin ich mit etwa 48.000 Euro brutto Jahresgehalt eingestiegen. Teilweise musste ich das schon in der Bewerbung angeben. Oder wir sprachen am Ende des Bewerbungsgesprächs über meine Gehaltsvorstellungen. Ich war bereit, zu verhandeln, hatte aber die Erwartung, dass es etwa 42.000 Euro werden würden. Bei mindestens 40.000 Euro war die Grenze. Nach den Bewerbungsgesprächen wusste ich: Es könnte auch weniger werden.

Ich versuchte bei den Verhandlungen, eine Summe vorzuschlagen mit der ich mich wohlfühlte und die ich mit der Unternehmensgröße rechtfertigen konnte. Nun habe ich einen Job angenommen, bei dem zunächst ein geringeres Gehalt im Raum stand. Aber die Aufgabe und das Unternehmen haben mich überzeugt – da war das Jahresgehalt für den ersten Job nicht mehr erste Priorität. Am Ende sind sie mir entgegengekommen, so dass mein Gehalt jetzt fast genau meinen Erwartungen entspricht."

Wie sieht es tatsächlich aus?

Laut "Lohnspiegel" liegt Michèle mit ihrer recherchierten Einschätzung schon ganz richtig. In der Unternehmensberatung liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt bei 3780 Euro bei Männern (45 360 Euro im Jahr) und 3290 Euro bei Frauen (39 480 Euro im Jahr) – mit 42.000 Euro liegt sie jetzt etwa in der Mitte

Toni, 28, hat den Master of Engineering in zukunftsfähige Energiesysteme, rechnet mit 45.000 Euro

(Bild: Privat)

"Mein Einstiegsgehalt als Ingenieurin hängt davon ab, ob ich in einem Start-up oder in einem großen Unternehmen arbeite. Seit einem Monat bewerbe ich mich auf Stellen im Bereich Energieberatung, Nachhaltigkeit und Elektromobilität. Ich habe eine Gehaltsvorstellung von etwa 45.000 Euro brutto pro Jahr. Meine absolute Untergrenze wären 43.000 Euro.

Das Gehalt rechtfertige ich mit meinem akademischen Grad. Ich kenne auch die üblichen Gehälter: Da wären sogar bis zu 50.000 Euro möglich.

Mit Freunden, die etwas Ähnliches studiert haben, rede ich viel über unser zukünftiges Gehalt. Und auch darüber, was man bei Bewerbungen angeben sollte und welche Firmen, wie gut bezahlen. Mir hilft das, meine Gehaltsfoderungen bei der Bewerbung anzupassen.

Mein künftiges Gehalt ist mir sehr wichtig. Ich möchte nicht unterbezahlt werden, das hat auch etwas mit der Wertschätzung meiner Arbeit zu tun. Das Projekt, für das ich beauftragt werde und ein nettes Team sind mir aber auch wichtig. Und wenn es ein ganz besonderer Job wäre, könnte ich mir vorstellen, noch weiter runterzugehen."

Wie sieht es tatsächlich aus?

Laut "Lohnspiegel" kommt es darauf an, in welchem Bereich und welcher Art von Unternehmen Toni landet. Als Entwicklungsingenieurin könnte sie sogar noch ein bisschen was drauflegen und für ein dem Männergehalt entsprechenden Lohn kämpfen: Das durchschnittliche Einstiegsgehalt liegt bei 3920 Euro bei Männern (47 040 Euro im Jahr) und 3770 Euro bei Frauen (45 240 Euro im Jahr). Als Projektingenieurin liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt bei 3660 Euro (43.920 Euro im Jahr) bei Männern und 3520 Euro (42.240 Euro im Jahr) bei Frauen.

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