Bild: Marco Gurrieri
Vom Maler zum Barista – in Düsseldorf

Eike Jonas Brand ist 27 Jahre alt und kommt aus Oldenburg. Seinen Beruf als Maler-und Lackierer gab er auf – und wurde Queraufsteiger: In Düsseldorf eröffnete Eike ein Café. Hier erzählt er, wie es dazu gekommen ist.

Was wolltest du werden, als du jünger warst?

Das ist witzig: Als alle sagten, dass sie Astronaut und Feuerwehrmann werden wollen, wollte ich Pastor werden.

Was hast du gelernt und warum?

Ich habe eine Ausbildung zum Maler und Lackierer gemacht. Warum, weiß ich nicht. Ich habe die Augen zugemacht, meinen Finger über einen Zettel mit verschiedenen Berufen kreisen lassen und bin beim Maler und Lackierer stehengeblieben. Das war in einer Zeit, in der ich einfach nicht wusste, was ich machen möchte.

Für mich wurde aber nach und nach klar, dass ich Bock auf mehr habe. Ich wollte studieren, hatte keine Lust mehr, für 1200 Euro netto im Monat zu arbeiten. 

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Wie ging es dann weiter?

Ich machte ein Fachabi für Bautechnik und bekam einen Studienplatz für Wirtschaftsingenieurswersen. Um vor Studienbeginn noch ein wenig Geld zu verdienen, jobbte ich in der Gastronomie als Bierzapfer. Ich ging total darin auf, es machte mir wirklich unfassbar viel Spaß. Den Studienplatz trat ich nie an. 

Eike, 27(Bild: Marco Gurrieri )
Sondern?

Ich arbeitete mich vom Bierzapfer zum Cocktailbar-Keeper hoch, landete anschließend in der gehobenen Gastronomie. Dort bekam ich meine erste Barista-Schulung.

Im Kaffee fand ich dann etwas, was mich noch einmal wirklich begeisterte. Nach der Schulung bin ich Ende 2015 von Oldenburg nach Düsseldorf gezogen. Ich wohnte bei einem Freund und schaffte es irgendwie, nach zwei Wochen eine Vollzeitstelle als Barista in einem Café zu bekommen.


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Im Oktober 2016 wurde ich dann gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein Café zu leiten. Ein Investor hatte die Räume schon angemietet. Ihm fehlte nur noch jemand mit einer Vision und einem guten Konzept. Das Interessante war, dass ich mich zu dem Zeitpunkt sowieso mit einer mobilen Lösung selbstständig machen wollte. 

Mein Konzept stand schon. Seit Mitte Mai 2017 trifft man mich jetzt so gut wie jeden Tag im Cøffe am Carlsplatz in Düsseldorf. Ein Spezialitäten-Café im skandinavischen Stil, der Kaffee kommt von kleinen Röstereien, dazu gibt es zum Beispiel Zimtschnecken.

Was war deine größte Hürde?

Die Entscheidung zu treffen, nach Düsseldorf zu ziehen und scheitern zu können. Ich hatte große Angst, keinen Job zu bekommen, kein Geld zu haben und zurück nach Oldenburg gehen zu müssen. Das wäre schrecklich gewesen. Ich wollte es unbedingt schaffen, aber war wahnsinnig unsicher.

Die Angst wich dann irgendwann einer wahnsinnigen Erleichterung. Ich stellte fest, dass es so viele Möglichkeiten gibt, etwas zu erreichen. Man muss nicht immer den konventionellen Weg gehen. Mein Abi bringt mir jetzt nichts mehr, trotzdem ist es ein Teil meines Weges. Heute empfinde ich einfach nur Freude, wenn ich es schaffen kann, Leute mit einem Getränk aus ihrem gewohnten Leben zu holen.


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