Bild: Peter Bender
Wir haben die drei zum Interview getroffen.

Juliane Eller, 29, hat Wein mitgebracht, den Grauburgunder aus dem aktuellen Jahrgang. Eigentlich war die Idee, dieses Interview nur mit ihr zu führen, schließlich ist sie die Fachfrau. Diejenige, die vor sieben Jahren das Weingut ihrer Eltern übernommen und den Familienbetrieb seitdem komplett umgekrempelt hat. Eines ihrer Projekte: der Drei-Freunde-Wein. Den bringt Juliane mit Moderator Joko Winterscheidt und Schauspieler Matthias Schweighöfer heraus. Auch sie sollten beim Interview dabei sein – schließlich ist das das Konzept: die Fachfrau und die beiden Promis.

Juliane, Joko und Matthias sind Geschäftspartner und, so sagen sie zumindest, Freunde. Wir haben die drei gefragt, wer wen zum gemeinsamen Projekt überredet hat, wie oft sie bei der Weinauswahl betrunken sind, und inwiefern ihre Eltern sie bei der Berufswahl geprägt haben.

Zu Beginn schenkt Juliane Grauburgunder ein, für sich selbst macht sie eine Apfelschorle auf, gegen den Durst.

Ein Gespräch über Wein, Familie und Verantwortung

(Bild: Sarah Klößer/bento)

bento: Cheers!

Matthias: Der ist lecker.

Juliane: Er ist halt warm. Wir sind schon den ganzen Tag unterwegs.

Joko: Ich sage immer, einen guten Weißwein kann man auch warm trinken.

bento: Und wonach schmeckt der jetzt?

Joko: Wein schmeckt für jeden anders, unsere Geschmacksnerven sind schließlich unterschiedlich. Und es geht ja auch nicht darum, ob ein Sommelier den Wein im Restaurant zu einem bestimmten Gericht empfehlen würde. Auf unserem Level ist nur eine Frage entscheidend: Schmeckt der mir?

Juliane: Sogar verschiedene Jahrgänge der gleichen Rebe schmecken oft unterschiedlich. Die Lage der Weinreben und der Erntezeitpunkt zum Beispiel geben ihnen eine eigene Charakteristik.

bento: Wie entsteht ein Drei-Freunde-Wein? Sitzt ihr tagelang zusammen und fachsimpelt?

Juliane: Meine Aufgabe ist es, den Wein zu cuvéetieren, also zu mischen. Das ist die Kunst des Weinmachens. Dafür bediene ich mich aus den Tanks in meinem Keller. Wenn alles fertig ist, schicke ich den Jungs Probierflaschen. Dann wählen wir zu dritt aus.

Joko: Als wir unseren ersten Wein gemacht haben, vor vier Jahren war das, haben wir erstmal alles abgelehnt.

Matthias: Stimmt. Ich musste Juliane am Telefon sagen, dass wir die ersten drei Muster nicht gut finden. Joko hat sich rausgeredet, weil er angeblich zu einer Sendung musste.

Joko: Das war sehr spannend damals. Da hat Juliane gemerkt, dass auch uns etwas an dem Produkt liegt – und wir nicht alles einfach so abnicken.

bento: Was hat euch damals nicht geschmeckt?

Joko: Irgendwie war mir der Wein zu flach, nach hinten raus fehlte ein bisschen Schmelz, er war nicht süffig genug.

Juliane: Matthias meinte, er hätte zu viel Säure.

Matthias: Das habe ich gesagt?

Juliane: Nach acht Probierrunden stand der erste Jahrgang fest. Das Auswahlverfahren läuft auch heute noch so, ich schicke den beiden jedes Jahr wieder verschiedene Flaschen zu. Mittlerweile weiß ich, was sie mögen.

bento: Wie oft seid ihr bei der Auswahl betrunken?

Joko: Ich habe gelernt, in einen Napf zu spucken.

Juliane: Das Verkosten hört sich immer witzig an. Aber das ist echt Arbeit, das ist anstrengend.

Joko: Juliane geht manchmal sogar vor dem Frühstück probieren. Das fasziniert mich.

Juliane: Ich habe herausgefunden, dass ich zu der Zeit am sensibelsten bin und die meisten Nuancen schmecke.

bento: Du hast mit 23 das Weingut deiner Eltern übernommen und komplett umstrukturiert: Die Trauben werden jetzt nicht mehr mit Maschinen gepflückt, sondern mit der Hand, außerdem produzierst du viel weniger Sorten. Wie finden deine Eltern das?

Juliane: Die haben damals vor sieben Jahren gesagt: Leg los, mach dein Ding! Aber klar, da hätten sie sich wahrscheinlich nicht erträumt, dass es mal so gut läuft. Auch finanziell waren meine Ideen erstmal eine Belastung für sie: Handlese ist schön und gut, aber sie kostet viel Geld.

bento: Ist der Drei-Freunde-Wein ein Sinnbild dafür, wie du das Familienunternehmen umgekrempelt hast?

Juliane: Ja, ein bisschen schon. Ich wollte deutschen Wein für die junge Generation auf den Markt bringen. In den Anbaugebieten hier steckt viel Potenzial, wir müssen nicht alles aus dem Ausland importieren.

bento: Wie passt das mit der teuren Handlese zusammen? Denkst du, junge Menschen sind heute bereit, mehr für Wein zu bezahlen?

Juliane: Zumindest achten viele von ihnen gefühlt mehr darauf, was sie zu sich nehmen. Egal ob bei Lebensmitteln oder Wein. Man sollte nicht jeden Tag Billigfleisch vom Discounter essen – so ist es beim Wein auch: Statt jeden Tag ein Tetrapack zu trinken, sollte es lieber alle drei Tage eine etwas teurere Flasche sein.

bento: Deine Eltern arbeiten immer noch im Unternehmen. Wie fühlt es sich an, auf einmal ihre Chefin zu sein?

Juliane: Es ist ein Miteinander. Ich würde nie einen Wein abfüllen, den meine Eltern nicht gut finden. Aber ich gebe vor, wie wir arbeiten, das stimmt. Sie sehen, dass das, was ich mache, funktioniert. Darauf sind sie stolz, glaube ich.

bento: Joko und Matthias, hättet ihr euch vorstellen können, mit euren Familien ein Unternehmen aufzubauen?

Joko: Nicht wirklich. Das Weingut von Julianes Familie wurde vor Generationen gegründet, sie ist damit aufgewachsen. So etwas gab und gibt es bei mir nicht.

Matthias: Meine Eltern sind Schauspieler, wie ich. Mein Kindergarten war im Theater, ich war also immer dabei und wurde ähnlich früh geprägt wie Juliane. Meine Kinder dagegen haben da gar keinen Bock drauf. Für die ist das Filmgeschäft sehr abstrakt. Und es stimmt ja auch: Wenn du in Julianes Gästezimmer aufwachst, schaust du aus dem Fenster auf die Weinberge. Das ist viel greifbarer.

bento: Wolltest du früher mal etwas anderes werden, Juliane?

Juliane: Nach dem Abi war ich unsicher. Ich habe erstmal ein Jahr Work and Travel in Australien gemacht und bin dann unverhofft für ein Praktikum bei einem der besten Winzer Deutschlands gelandet. Die Handarbeit dort fand ich ziemlich geil. Danach wollte ich auch Winzerin werden.

bento: Hattest du jemals Angst, deine Eltern zu enttäuschen?

Juliane: Klar, ich hatte ja auf einmal ihre Existenz und die meiner Großeltern auf den Schultern. Mittlerweile bin ich aber entspannt, das Geschäft läuft schließlich ganz gut.

bento: Du hast Joko damals eine Nachricht bei Facebook geschrieben und ihn gefragt, ob er gemeinsam mit dir Wein machen möchte. Warum ausgerechnet er?

Joko: Sehr gute Frage.

Matthias: Sie war damals Single.

Juliane: Wir wollten das doch schöner erzählen! Ich habe nach einem Allrounder gesucht: Ich mache die Weine, Joko ist medial super fit – ich dachte, das wäre doch eine super Kombination. Sein Alter sieht man ihm ja auch nicht an.

Joko: Es war doch eine Scheißfrage.

bento: Ist es nicht ein bisschen naiv, einfach einen Promi anzuschreiben?

Juliane: Jetzt sitzen wir ja hier.

Joko: Komischerweise habe ich die Nachricht erst zwei Jahre, nachdem Juliane sie mir geschrieben hatte, gelesen – da wurde sie im Messenger auf einmal oben angezeigt. Ich habe direkt angerufen, ein paar Wochen später waren wir in München Mittagessen. Es hat sich alles entwickelt, die Nachricht war nur der Anstoß. Juliane ging es wirklich um die Sache, das gemeinsame Weinmachen. Ich hatte nie das Gefühl, dass sie mich benutzen wollte. Sie hatte in den zwei Jahren davor ja auch ihr eigenes Ding gemacht – und nicht dagesessen und auf mich gewartet.

bento: Hättest du dir auch vorstellen können, mit jemand anderem Wein zu machen, Juliane? Zum Beispiel mit zwei Frauen?

Juliane: Ich habe damals niemand anderen angeschrieben, nur Joko. Dass Matthias mit ins Boot kommt, war auch nicht geplant.

bento: Matthias, warum hast du dich entschieden, mitzumachen?

Matthias: Joko war so begeistert von der Idee, das fand ich gut. Und Juliane ist einfach eine coole Tante, das habe ich gleich gemerkt, als wir uns das erste Mal getroffen haben. Ich dachte, wenn so eine Frau Wein macht, warum nicht mal testen? Jetzt haben wir den Salat und es ist ein ernsthaftes Unternehmen.

Joko: Jetzt haben wir den Salat, es ist ein Unternehmen – wird das die Überschrift?

bento: Kann es nicht auch Nachteile haben, mit Promis zusammenzuarbeiten? Wie geht ihr als Geschäftspartner zum Beispiel mit den Fake-Vorwürfen gegenüber Joko und Klaas um (SPIEGEL)?

Joko: Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Bei dem medialen Wahnsinn, der um einen passiert, ist es schön, in ein Handwerk eintauchen zu dürfen und zu lernen, wie man eine Rebe richtig erntet. Das ist das wahre Leben, kein medialer Hype. Natürlich rasseln wir mal aneinander. Wie Matthias gesagt hat: Aus Spaß ist ein Unternehmen geworden, da muss man auch wirtschaftlich handeln.

bento: Wie geht es weiter mit dem Drei-Freunde-Wein?

Juliane: Nach dem Grauburgunder bringen wir dieses Jahr noch einen neuen Jahrgang Rosé und einen Riesling heraus. Die werden jetzt nach und nach fertig. Nächstes Jahr schicke ich den Jungs dann wieder Probierflaschen – und es gibt einen neuen Jahrgang.


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