Bild: Matthias Balk/dpa
Drei Fragen, drei Antworten und kein Bruce Willis

Ein Zug fährt ein, eine Trillerpfeife schrillt durch die volle Bahnhofshalle, Menschen drängeln. Dann eine Durchsage: "Gleis 4, Abfahrt ICE 445 nach ..." 

Verzweifelt versucht man genau hinzuhören, um die entscheidenden Informationen nicht zu verpassen – und bekommt trotzdem nur die Hälfte mit. Durchsagen bei der Bahn? Ein schwieriges Thema. 

Die Deutsche Bahn hat jetzt beschlossen, nach einer neuen Stimme für ihre Lautsprecheranlagen an den Bahnsteigen zu suchen. Die Situation soll für Fahrgäste angenehmer gestaltet werden.

Wie läuft so ein Casting ab?

Auf jeden Fall ohne Dieter Bohlen. Seit Juni läuft das Abstimmungsverfahren des Unternehmens, bei dem zunächst zwölf und dann sechs Stimmen ausgewählt wurden. In einem dafür angemieteten Kinosaal in Frankfurt geht es nun darum, die Stimmen in verschiedenen Szenarien zu prüfen. Drei Frauen und drei Männer stellen sich hierfür verschiedenen Aufgaben und einer Jury, die aus Bahn-Mitarbeitern und Mitgliedern des Kundenbeirats besteht.

Die besten Chancen die 20-köpfige Jury von sich zu überzeugen hat die Stimme, die trotz größtem anzunehmenden Bahnhofslärm noch verständlich ist.

Und so läuft das ab:

Als erstes werden Störgeräusche in der Vorhalle simuliert, die der Situation in Frankfurt entsprechen sollen. Ein wenig besser klingt eine Frauenstimme durch den Lärmpegel hindurch. Die Jury bewertet die Ansagen per Smartphone-App auf einer Skala von eins bis zehn.

In zwei weiteren Szenarien wird die Jury auf einen mittleren und einen kleinen Bahnhof versetzt. Hier können zwei Männer und eine Frau letztlich die Jury für sich gewinnen.

Es gebe Untersuchungen, denen zufolge Stimmen von Frauen bei Durchsagen eher gehört würden. Ob das auch für Bahnhöfe gelte, sei aber unklar, sagt Karsten Wehde, Projektleiter Reisendeninformation. Es gehe auch darum, wie sympathisch die Stimme wirke und ob sie die Bahn repräsentieren könne.

Ein Bruce Willis am Bahnhof würde nicht funktionieren.
Karsten Wehde

Wann wird die neue Stimme zu hören sein?

Die endgültige Entscheidung, wessen Stimme bald auf allen deutschen Bahnhöfen zu hören sein wird, soll noch in diesem Jahr getroffen werden. Die Aufnahmen dafür sind für nächstes Jahr geplant und werden voraussichtlich mehrere Monate dauern.

Grund dafür ist, dass nicht wie bisher einzelne Wörter, sondern einzelne Silben des Sprechers oder der Sprecherin gespeichert werden. Aus diesen können dann beliebige Wörter geformt werden. Damit gibt es mehr Möglichkeiten unvorhersehbare Situationen wie zum Beispiel Störungen an die Fahrgäste mitzuteilen. Nach diesem Prinzip funktionieren auch digitale Assistenten wie Siri oder Alexa.

Karl-Peter Naumann, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn wünscht sich in Zukunft bessere Informationen für die Reisenden.

Die Informationen, die durchgegeben werden, müssen auch stimmen und dürfen sich nicht mit anderen widersprechen, etwa denen in elektronischen Medien.
Karl-Peter Naumann

Durchsage und App-Mitteilungen sollten also in Zukunft besser übereinstimmen. Außerdem solle die Lautsprechertechnik verbessert werden.

Nächstes Jahr könnte also an allen Bahnhöfen in Deutschland weniger Verwirrung herrschen. Und die Verspätungsansage sofort von allen verstanden werden.

Mit Material von dpa


Today

Dieses Foto von Emmanuel Macron sorgt zur Zeit in Frankreich für Aufregung

Ein Foto von Emmanuel Macron sorgt derzeit in Frankreich für Aufregung: Der französische Präsident lächelt darauf in die Kamera, er trägt ein weißes Hemd mit Krawatte. Neben ihm: Zwei junge Männer, einer davon mit nacktem Oberkörper, die Hose sitzt extrem tief – und er zeigt den Stinkefinger in die Kamera.

Entstanden ist das Foto laut Medienberichten bei einem Besuch Macrons im französischen Überseegebiet Saint-Martin in der Karibik: Vor einem Jahr hatte dort der verheerende Hurrikan "Irma" gewütet. Der Staatschef sprach mit Anwohnern und posierte unter anderem auch für ein Foto mit zwei jungen Männern.

Die Rechtspopulistin Marine Le Pen bezeichnete die Szene als "unverzeihlich": "Frankreich hat das sicher nicht verdient", schrieb sie auf Twitter.