Heute: Andreas, 35
Was wolltest du werden, als du jünger warst?

Schon als Kind wollte ich Sportler werden. Was für ein Sportler war mir gar nicht so wichtig. Ich bin mit Filmen wie Rocky aufgewachsen, das hat mich fasziniert. All diese Geschichten, die davon erzählen, dass man mit hartem Training viel erreichen kann. 

Queraufstieg

Irgendwann kommt sie, die Frage, bei manchen früher, bei anderen später, manche haben regelrecht Angst vor ihr: "Was willst du später mal werden?"

Es fällt schwer, das zu beantworten. Und wer eine Antwort gefunden hat, bereut sie manchmal hinterher. Weil der Arbeitsalltag in der Realität doch ganz anders aussieht. Und dann?

In dieser Reihe stellen wir Menschen vor, die sich beruflich umentschieden haben. Die sich getraut haben, noch mal von vorne anzufangen.

Mit 14 fing ich nach der Schule an, Gelegenheitsjobs zu machen, weil ich meine Mutter unterstützen musste. In den Ferien habe ich jeden Tag gearbeitet. Beim Obsthändler Kisten schleppen oder bei meiner Tante in der Autobahnraststätte. Im Unterricht habe ich mich quasi von der Arbeit erholt und als Hauptschüler später mein Abitur gemacht. Ich wurde nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren, und habe all das gemacht, weil es sein musste. Dieses Stoisch-Sein prägt mich bis heute.

Was hast du gelernt?

Zuerst habe ich in Bonn zwei Semester Volkswirtschaftslehre studiert. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Danach jobbte ich im Fitnessstudio, um die Wartesemester für mein Psycholgiestudium zu überbrücken. Vielleicht würde ich noch heute auf den Platz warten, habe mich dann aber entschlossen, an der Uni Koblenz-Landau Pädagogik zu studieren. 2009 habe ich mein Diplom gemacht.

Wie andere Queraufsteiger ihren Traumjob gefunden haben:
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Warum hast du dich entschieden, etwas anderes zu machen?

Das war ein ganz bestimmter Moment: Ich saß am Ende des zweiten Semesters vor meinem Mathebuch in der Landesbibliothek Bonn. Es war ein diesiger Winternachmittag. Ich war 23. Für mich war bis dahin immer klar, dass mir Bildung wichtig ist, weil sie Chancen bedeutet. 

Ich habe die Hauptschule und die Realschule durchgezogen, auch das Gymnasium, obwohl es nicht immer einfach war. Aber in diesem Moment, als ich mein dickes Mathebuch vor mir liegen sah, war mir klar, dass ich mein Leben ändern möchte, weil mich all das nicht glücklich gemacht, nicht erfüllt, nicht berührt hat. 

Ich wollte nur noch auf mein Herz hören und Dinge tun, für die ich brenne.

 Es war die Entscheidung, frei zu sein. Das hat mich damals unglaublich erleichtert.

Woher wusstest du, was du wolltest?

Das wusste ich nicht. Aber ich bin ein Mensch mit vielen Interessen. Ich habe mich treiben lassen und während meines Pädagogikstudiums gemerkt, dass ich total darin aufgehe. 

Meinen Abschluss habe ich mit 1,1 gemacht, ohne dabei das Gefühl von großem Stress empfunden zu haben.

Beim Mixed Martial Arts (MMA) war es genauso. Ich war damals furchtbar schlecht in allem.

Du bist auch ein Queraufsteiger?

Du hast einen Knick im Lebenslauf – und bist stolz darauf? Du hast dich noch mal beruflich umentschieden und machst etwas ganz anderes, als ursprünglich gedacht? Dann melde dich gern bei uns.

Ich habe viel ausprobiert und erst im Judo gemerkt, dass ich gewisses Talent, Spaß und Interesse daran habe. Als mir ein Freund von einem Sport erzählte, der all das eint, wurde ich hellhörig: MMA. Das wollte ich ausprobieren. 


Was war die größte Hürde auf deinem Weg?

Mit all den Zweiflern umzugehen. Leuten, die mir gesagt haben: Du schaffst es nicht. Meine Stammkursleiterin in der Schule war sich sicher: Ich werde nie Abitur machen. Als ich gesagt habe, ich werde MMA-Profi, erwiderte jeder, dass es keine MMA-Profis in Deutschland gäbe. Heute bin ich Schwergewichtsmeister. 

Ich habe dadurch für mich gelernt, dass man sich mit den Menschen umgeben sollte, die auch träumen und dich darin unterstützen. Nicht mit denen, die einen runterziehen. Klar verabschieden sich dann auch einige aus deinem Leben.

Wie geht es dir heute?

Extrem gut. Meine Frau und ich sind gerade zum ersten Mal Eltern geworden. Ich lebe heute ein Leben, was ich niemals für möglich gehalten hätte. Ich glaube, viele Menschen betrachten mich heute als einer der Lebenskünstler, die ich in meiner Kindheit selbst bewundert habe. Ich habe viele Jobs, die mir Spaß machen und die – trotz vieler Projekte – angenehmer Stress für mich sind. 

Ich kommentiere und betreibe den Sport, den ich liebe, ich liebe es Geschichten zu erzählen, daher schreibe ich gerade mein zweites Kinderbuch und jetzt auch einen Selbstverteidigungsratgeber für die Straße. Ich liebe auch wissenschaftliches Arbeiten, daher freue ich mich, dass ich gerade meine Doktorarbeit schreiben darf.

Klar ist der vorgegebene Weg oft der Einfachere, aber er macht dich nicht glücklicher als dein eigener. Den nämlich kannst du selbst jeden Tag verändern.  


Today

Die Polizei soll bei Ermittlungen künftig WhatsApp-Chats heimlich mitlesen können

Der Bundestag hat am Donnerstag ein neues Gesetz beschlossen, das die Überwachung von Messenger-Diensten ermöglicht (SPIEGEL ONLINE). Das bedeutet: Polizisten dürfen künftig Dienste wie WhatsApp und Telegram heimlich auslesen – wenn ein Richter das für Ermittlungen erlaubt.

Bislang war es nur möglich, Sms zu lesen oder Telefonate abzuhören – viele Messenger sind hingegen verschlüsselt. Wenn Ermittler Daten mitlesen, können sie damit meist nicht viel anfangen (bento).

Um die Verschlüsselung zu umgehen, müssen Polizisten eine Spähsoftware installieren, die die unverschlüsselten Nachrichten direkt vom Handy mitlesen kann, also bevor sie verschlüsselt versendet werden. 

Diese Software wird oft Bundestrojaner genannt. Das neu beschlossene Gesetz erlaubt nun den Einsatz dieses Trojaners bei WhatsApp und anderen Messengern.