Wenn das erste große Projekt immer mehr Zeit beansprucht oder die Arbeit in der Werkstatt abends noch länger dauert, beginnt oft der Stress. Nicht jede und jeder findet in der Freizeit dafür einen gesunden Ausgleich. Anderen geht es genau umgekehrt: Auch die Zeit am Wochenende kann ein Grund sein, montags grüblerisch über dem Schreibtisch zu hängen. So oder so kann Stress auf Dauer zu psychischen Problemen führen.

Mindestens jede und jeder fünfte Deutsche wird im Laufe des Lebens depressiv oder leidet an einer depressiven Phase. Das sagt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Keine psychische Erkrankung tritt so häufig auf. 

Aber wie gehe ich im Job mit meiner Depression um? 

Gerade, wenn ich neu in einem Team bin. Oder meine erste feste Stelle antrete. Sollte man mit Kolleginnen und Kollegen über eine Depression reden? Und was muss eigentlich der Chef wissen?

Darüber haben wir mit unserem Job-Trio gesprochen gesprochen:

Das bento-Jobtrio

Um Fragen im Berufsleben beantworten zu können, muss man kein Karrierecoach sein. Unser Jobtrio zeigt, dass sich Probleme in der Arbeitswelt auf vielen Wegen lösen lassen. Zusammen haben die drei 137 Jahre Lebenserfahrung: 

  • Lasse Rheingans, 38, ist Chef einer Agentur in Bielefeld, die Digital-Strategien für Unternehmen entwickelt – und bekannt für neue Wege ist. Seit einem Experiment arbeiten alle im Team nur noch fünf statt acht Stunden täglich.
  • Dagmar Prüter sitzt mit 77 noch an der Supermarktkasse. Freiwillig. Neben viel Lebenserfahrung hat die vermutlich älteteste Kassiererin Hamburgs inzwischen auch eigene Autogrammkarten.
  • Johanna Runge, 21, hat gerade ihre Ausbildung zur Raumaustatterin abgeschlossen. Am liebsten arbeitet sie aber alte Möbel in der Polsterei auf. Auch wenn die Ausbildung abgeschlossen ist, viel lernen will sie trotzdem noch.

In unserer Kolumne beantworten die drei Fragen, die sich besonders Bebrufseinsteiger stellen. Immer nach dem Motto: Eine Frage, drei Antworten. 

Heute: Soll ich mit meinem Chef über meine Depression reden?

Das meint Kassiererin Dagmar Prüter:

"Wenn du krank bist, musst du zum Arzt und nicht zum Chef. Erzählen solltest du es ihm aber dennoch. Nur so weiß er, dass es vielleicht gute Gründe gibt, wenn du häufiger ausfällst als andere. Ich erlebe immer wieder, dass euch jungen Leuten das schwer fällt. Ich kenne Kolleginnen, die mir in der Pause ihr halbes Leben erzählen, aber schweigen, sobald der Chef reinkommt. 

Das bringt doch nichts! Ihr müsst es genau umgekehrt machen, finde ich. Kunden und Kollegen sind oft tolle Menschen, aber keine Freunde. Wer nur mit denen redet, muss sich nicht wundern, wenn später getuschelt wird. Deine Vorgesetzten können dir dagegen wirklich helfen. Selbst wenn sie sich mit dem Thema nicht auskennen, gibt es für sie klare Regeln. Und schließlich wollen sie auch, dass du bald wieder fit bist."

Das sagt Chef Lasse Rheingans:

"Psychische Krankheiten sind das, was sie sind: Krankheiten, die geheilt werden können und sollten. Deshalb sollte sich auch jeder Hilfe suchen und sich Zeit dafür nehmen. Wenn die Kultur in einem Unternehmen auf Ehrlichkeit, Augenhöhe und Vertrauen basiert, sollte es kein Problem sein. Gute Chefs reagieren mit Empathie und Verständnis. Ich kenne leider selbst Chefs, die anders reagieren.

Auch ich hatte natürlich schon solche Gespräche. Mehr als einmal. Wenn ich weiß, um was es geht, lege ich die Termine auf den Nachmittag. Dann können wir open-end reden. Die Gespräche finden grundsätzlich immer unter vier Augen in meinem Büro statt. Wenn es gewünscht ist, schließe ich auch ab oder treffe die Kollegen außerhalb der Arbeitszeiten. In vielen Fällen gebe ich ihnen hinterher meine private Handynummer, damit wir in Kontakt bleiben können. Für mich ist das ein Zeichen von Vertrauen. 

Wenn du dich auf ein solches Gespräch vorbereiten willst, würde ich mich an deiner Stelle fragen: Was brauche ich, um wieder fit zu werden? Und wer kann mir dabei helfen? Schau, dass du genügend Zeit hast, um wieder fit zu werden. Und überleg dir dann, wem du zu welchem Zeitpunkt von deiner Krankheit erzählst."

Das denkt Handwerkerin Johanna Runge:

"Depressionen sind ein großes Problem. Und leider haben nicht alle Menschen Verständnis dafür. Ich weiß, wovon ich rede. Eine Schulfreundin von mir vertraute ihre Probleme einer anderen Auszubildenden an, von der sie dachte, dass sie ihr vertrauen kann. Doch das war leider ein Irrtum – kurze Zeit später wussten alle davon. So etwas tut weh. Meine Erfahrung ist, dass Frauen in dieser Hinsicht oft härter sind als Männer. Gerade in Betrieben mit Frauen wird oft eher hinter dem Rücken über andere geredet. 

Deshalb würde ich mir gut überlegen, wem ich mich anvertraue. Du musst auf dich selbst aufpassen, das ist vermutlich die wichtigste Regel. Bei uns in der Werkstatt herrscht zum Glück ein anderes Klima. Wenn unsere Chefin merkt, dass wir nicht so fit sind, spricht sie das meist an: Mach doch mal 'ne Pause, damit du dich entspannen kannst. Fünf Minuten, um den Kopf mal runterzufahren. Wegen dieser Erfahrung weiß ich, dass ich offen über meine Probleme reden kann. Aber es kommt eben auf das Umfeld an."


Fühlen

Warum es auch ein gutes Zeichen ist, dass Bella Thorne ihre Nacktbilder veröffentlicht

Wenn jemand private Bilder verschickt, dann sind sie meist, Überraschung, privat. Die wenigsten fühlen sich wohl bei dem Gedanken, dass ein anderer oder eine andere sie sehen könnte. Wenn sich trotzdem jemand Zugang zu diesen Bilder verschafft und sie gegen einen verwendet, dann ist das eine abstoßende Tat. 

Eigentlich ist es eindeutig, wer hier Opfer und wer Täter ist. Trotzdem haben es bisher viele Menschen schwer, unbeschadet aus Erpressungsfällen zu kommen, in denen Nacktbilder gegen sie verwendet werden. Vor allem, wenn sie Frauen sind.

Frauen werden deutlich häufiger als Männer auf ihre Sexualität reduziert, gelten als "Schlampen", wenn sie diese ausleben. 

Kursiert das Nacktfoto eines Mädchens in ihrer Schulklasse, ist sie abgestempelt. Lädt jemand Bilder der Brüste einer prominenten Frau ins Netz, entsteht in den Klatschmedien um sie ein "Skandal".

Am Ende steht meist nicht der eklige Mensch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, der die Bilder verbreitet hat, sondern ausgerechnet die Person muss Spott und Ansehensverlust über sich ergehen lassen, die überhaupt nichts falsch gemacht hat.

Ein aktuelles Beispiel zeigt, dass das auch anders geht.

Die US-amerikanische Schauspielerin Bella Thorne wurde am vergangenen Wochenende mit Nacktbildern erpresst und hat darauf reagiert, indem sie die Fotos einfach selbst veröffentlichte. 

Thorne schrieb auf Twitter: "In den vergangenen 24 Stunden wurde ich mit meinen eigenen Nacktfotos bedroht. Ich fühle mich eklig, ich fühle mich beobachtet, ich fühle mich, als habe jemand mir etwas genommen, das nur für mich und eine spezielle Person bestimmt war."