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Es geht um kaputte Fahrräder, Macht und Geld.

Heute sollen die Fahrerinnen und Fahrer von Deliveroo ohne Essen durch die Gegend radeln. Die Initiative "Arbeitsunrecht" will in mindestens zehn deutschen Großstädten gegen die Arbeitsbedingungen bei einem der bekanntesten Essenslieferdienste protestieren.

Geplant sind Fahrraddemos und eine Kundgebung. In Berlin wurde für den Abend zu einer gemeinsamen Fahrt zur Deliveroo-Zentrale aufgerufen.

Worum geht es bei den Protesten?

Die Aktion "Arbeitsunrecht" erhebt mehrere Vorwürfe gegen Deliveroo. Die wichtigsten:

  • Der Lieferdienst verhindere bewusst die Gründung von Betriebsräten.
  • Viele müssten ihr eigenes Fahrrad mitbringen und es immer wieder auf eigene Kosten reparieren. 
  • Viele Verträge liefen nur wenige Monate und, die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen hätten keinen Anspruch auf Urlaubsgeld oder Krankengeld.
  • Oft verdienten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weniger als den Mindestlohn, wenn sie sich selbst versicherten – viele verzichteten deshalb auf die Absicherung.

Unterstützt werden die Proteste unter anderem von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), der kleinen, anarchistisch geprägten Gewerkschaft FAU und mehreren lokalen Gruppen von Fahrerinnen.

Was war der Anlass?

Nach langen Protesten gibt es in Köln seit Kurzem den ersten Deliveroo-Betriebsrat in ganz Deutschland. Auch bei Konkurrent Foodora haben die Mitarbeiter dort inzwischen eine Vertretung.

Die Protestierenden werfen Deliveroo allerdings vor, viele Fahrerinnen bewusst in die Selbstständigkeit gedrängt zu haben, um so auf dem Papier weniger Angestellte zu haben und einen Zusammenschluss verhindern zu können. Gewerkschaftlich engagierte Fahrer hätten keine Vertragsverlängerung erhalten. (Rundschau)

Ein anderer Streitpunkt ist seit Langem die Bezahlung. Die Kritik: Deliveroo zahle den Fahrern zu wenig, um damit über die Runden zu kommen.

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Weiße Anführungszeichen
Das milliardenschwere Unternehmen Deliveroo beschäftigt Fahrer*innen als Scheinselbstständige, so dass ihr Lohn effektiv oft weit unter dem Mindestlohn liegt.
Aufruf zur Fahrad-Demonstration in Berlin

Was sagt Deliveroo selbst?

In einer Stellungnahme im März bemühte sich Deliveroo, die Vorwürfe zu entkräften: "Keiner unserer Fahrer wurde jemals aufgrund einer Tätigkeit im Betriebsrat entlassen oder sein Vertrag nicht verlängert." Man habe außerdem die Fahrer bei der Gründung eines Betriebsrats unterstützt und arbeite eng mit den Vertreterinnen der Belegschaft zusammen. Zudem habe man dem Gremium Räume zur Verfügung gestellt. (NGIN Food

Wie geht es jetzt weiter?

Die Fahrerinnen, die sich zusammengeschlossen haben, hoffen, dass es bald auch in anderen Städten Deliveroo-Betriebsräte gibt. Hoffnung macht ihnen dabei vor allem ein aktuelles Urteil und die Entwicklung in anderen Ländern. Laut einer Entscheidung des Landgerichts Berlin müssen im Aufsichtsrat von Foodora-Mutter Delivery Hero zu gleichen Teilen Mitarbeiter und Aktionäre und Aktionärinnen besetzt werden. (SZ)

In Österreich ist die Diskussion bereits weiter. Bereits im Herbst wollen die Gewerkschaften dort mit den Arbeitgeberverbänden ein gemeinsames Regelwerk für die Essenslieferantinnen von Foodora und Co. vereinbaren. Womöglich könnte es sogar einen ganz neuen Tarifvertrag für die Fahrer geben. Es wäre vermutlich die erste Vereinbarung dieser Art überhaupt. (Die Presse)


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Margaret Hamilton brachte die Menschen auf den Mond - und zurück!
Ihr Code schrieb Geschichte.

Womit die 24-jährige Margaret Hamilton 1961 kämpft, ist leider noch immer ein Problem: Die junge Mutter muss Job und Familie auf einen Nenner bringen. Also nimmt sie ihre vierjährige Tochter Lauren oft mit zum MIT Instrumentation Laboratory. 

Während die Kleine schläft, stellt sie komplizierte Berechnungen an und schreibt die ersten Software-Programme der Welt, mit denen die Apollo-Astronauten auf dem Mond landen können. Dass Margaret ihr Kleinkind mitbrachte, stellte sich wenig später als Glücksfall heraus. Margarets ganze Geschichte siehst du im Video.