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Welche Vorurteile stimmen – und welche nicht? Und worauf muss man bei privaten Hochschulen achten?

Das Studium an einer privaten Hochschulen ist teuer – viel teurer als an öffentlichen Einrichtungen. Das daraus resultierende Vorurteil: Gute Noten seien gekauft, der Anspruch an die Studierenden sei geringer, und sowieso bezahle ja alles Papa. Aber was ist dran an den Vorurteilen? 

Während im Jahr 2000 nur drei Prozent der Studierenden an einer privaten Hochschule eingeschrieben waren, erhöhte sich der Anteil bis 2017 auf etwa zehn Prozent (Statisches Bundesamt). Das kostet: Im privaten Bachelorstudium liegen die Studiengebühren im Durchschnitt bei 520 Euro im Monat (WELT), im Masterstudium bei etwa 720 Euro. An öffentlichen Hochschulen hingegen ist der Semesterbeitrag wesentlich geringer. An der Uni Hamburg lag er zuletzt bei 328 Euro, aufgerundet also bei 55 Euro pro Monat (Uni Hamburg). 

David, 25, studiert berufsbegleitend seit mehr als zwei Jahren Industriechemie an einer privaten Hochschule. Er entschied sich nach der Ausbildung zum Laboranten dafür. "Ich stehe mitten im Berufsleben. Zu kündigen und später eine neue Stelle zu suchen, kam für mich nicht in Frage", sagt er. Berufsbegleitende Studiengänge seien in den Fächern Chemie und anderen Naturwissenschaften selten. "Angebote gab es da nur von privaten Anbietern", sagt David.

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Axel Plünnecke vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sieht Studienmodelle wie das von David als Grund für die wachsende Beliebtheit: "Private Hochschulen haben viele berufsbegleitende Konzepte. Auf diesem Gebiet tun sich öffentliche Universitäten noch schwer”, sagt er, "auch die Akademisierung ehemaliger Ausbildungsberufe macht das kostenpflichtige Studium attraktiv."

Gerade im Gesundheitsbereich wächst die Zahl der Studiengänge für Ausbildungsberufe. Damit locken private Hochschulen diejenigen, die sich sonst aufgrund ihrer Berufswahl eher nicht für ein Studium entschieden hätten. Ein Drittel der Studienanfängerinnen und Studienanfänger des dritten Bildungswegs entschied sich 2016 für ein Studium an einer privaten Hochschule (Bildungsbericht). Beim dritten Bildungsweg erwirbt man die Hochschulzugangsberechtigung nicht über das Abitur, sondern mit der Berufserfahrung und einer gesonderten Prüfung. 

Nicht jedes private Studium ist teuer. "Bei berufsbegleitenden Studiengängen bezahlt oft der Arbeitgeber ein Teil der Kosten. Ansonsten gibt es unterschiedliche Finanzierungsmöglichkeiten über Stipendien und Programme der Hochschulen", sagt Axel Plünnecke. Bei David zahlt der Arbeitgeber die Hälfte der 415 Euro im Monat. Einen weiteren Teil deckt er über ein Stipendium ab, nur zehn Prozent der Gebühren zahlt er selbst. 

Was sagt der Experte zum gängigen Vorurteil, Studierende zahlten an privaten Hochschulen für ihre guten Noten, durchfallen sei quasi unmöglich? Er widerspricht: "Es gibt bei der Betrachtung der Noten keinen Unterschied zwischen öffentlichen und privaten Hochschulen." Es gebe sicherlich auch private Hochschulen, die nicht optimal ausbilden würden, aber: "Gute Noten ohne gute Lehre rächen sich. Darunter leidet der Arbeitsmarkterfolg der Absolventen und der Ruf der Hochschule", sagt Axel Plünnecke.

Um sich sicher sein zu können, dass die Ausbildung einer privaten Hochschule gut ist, empfiehlt Axel Plünnecke, die Einschätzungen von Akkreditierungsagenturen zu lesen. "Um einen staatlich anerkannten Abschluss vergeben zu dürfen, müssen sich Hochschulen akkreditieren lassen. Die Agenturen beschreiben Inhalte und Qualität der Studiengänge." Diese Akkreditierung sei eines der wichtigsten Kriterien. So könne man bereits vor dem Studium einen Eindruck über das Profil gewinnen und auch die Arbeitsmarktrelevanz gut einschätzen, sagt er. 

Die Hochschulakkreditierung

Um einen Überblick zu garantieren, wurde 2004 der Wissenschaftsrat mit der Hochschulakkreditierung beauftragt. Er prüft Personal, Finanzierungskonzept und Lehrpläne der Hochschule. Nach der Prüfung veröffentlicht der Wissenschaftsrat eine Stellungnahme, die man online nachlesen kann. Daneben gibt es weitere Agenturen, die die Studiengänge bewerten. Auf der Webseite des Akkreditierungsrates, der die Arbeit der Agenturen überwacht, findet sich eine Datenbank der geprüften Studiengänge und Hochschulen. 

Anna, 23, machte ihren Bachelor in Sozialer Arbeit ebenfalls an einer privaten Hochschule. Mit ihrem Alter entspricht sie genau dem Durchschnitt der Studierenden an privaten Hochschulen, der bei 23,4 Jahren liegt (Destatis) – nur knapp über dem an öffentlichen Hochschulen (23,2 Jahren). 

Anna studierte nicht freiwillig an einer privaten Hochschule, sagt sie. Ihre Abiturnoten reichten damals nicht für den Numerus Clausus der staatlichen Hochschule aus. Soziale Arbeit studieren wollte sie trotzdem. Obwohl ihr Abschluss gleichwertig mit dem einer staatlichen Hochschule ist, werde sie in Gesprächen häufig mit Vorurteilen konfrontiert. "Mir war das immer unangenehm. Wenn Leute von der privaten Hochschule hörten, folgten Sprüche von wegen 'Papa zahlt wohl'”, erzählt Anna. Klar, ohne ihre Eltern hätte sie sich das nicht leisten können. Das sei aber weder bei ihr noch bei einem Großteil ihrer Kommilitoninnen der Grund für die Wahl der privaten Hochschule gewesen. "Die meisten befanden sich in der gleichen Situation wie ich: Ihre Noten reichten für die staatliche Universität nicht aus, aber sie wollten unbedingt Soziale Arbeit studieren."

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Für Anna waren die Studiengebühren irgendwann auch eine mentale Belastung. "Es wird nicht einfacher, wenn du Prüfungen wiederholen musst und weißt: Wenn ich das nicht schaffe, habe ich das ganze Geld umsonst investiert."

Auch David hat nicht den Eindruck, dass es ihm besonders leicht gemacht wird. Eher im Gegenteil: "Meine Arbeitszeit ist auf 80 Prozent reduziert. Ich arbeite von Montag bis Donnerstagmittag und habe Donnerstagnachmittag und den ganzen Freitag Vorlesungen", sagt er. In der vorlesungsfreien Zeit arbeitet er dann wieder Vollzeit, um Überstunden für die nächste Prüfungsphase aufzubauen. "Das Studium ist wirklich anstrengend. Das war mir von Anfang an bewusst. Es brechen auch einige ab. Für mich ist das aber keine Option. Dann wäre das Geld und die Zeit der letzten Jahre verschwendet gewesen", sagt David. Inzwischen ist er im fünften Semester und wird seinen Bachelor voraussichtlich in Regelstudienzeit von sechs Semestern abschließen. Er weiß, wofür er das alles macht: Davids Betrieb hat ihm zugesichert, ihn auch nach seinem Studium weiter zu beschäftigen.


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